Milliarden-Exits bei Berkshire: Radikaler Rauswurf von Amazon, Visa & Mastercard
Der „Großputz”
- Delta Air Lines Neueinstieg: Berkshire hat für 2,6 Milliarden US$ bei der wertvollsten Airline der Welt zugeschlagen. Das sorgt für hochgezogene Augenbrauen. Buffett hat Fluggesellschaften historisch eher verflucht, kaufte sie 2016 doch, nur um sie in der Pandemie mit Verlusten komplett abzustoßen. Abel wagt nun das zyklische Comeback. Delta wurde im Verhältnis zu seinem Free Cashflow und den erwarteten Gewinnen vom Markt relativ günstig gehandelt. Damit kauft Abel ein qualitativ hochwertiges Unternehmen mit strukturellen Wettbewerbsvorteilen zu einem rabattierten Preis (Value Investing).
- Alphabet-Offensive: Der aggressivste Move war der Zukauf von 40 Millionen Aktien von Alphabet. Damit hat Berkshire seine Position verdreifacht. Insgesamt hält Berkshire jetzt über 20 Milliarden US$ an dem Technologieriesen. Die ersten Aktien kamen noch günstig rein, doch nach der Rally entspricht Alphabet eigentlich nicht mehr den klassischen Value-Kriterien.
- Aufgestockt: Bei der New York Times hat Berkshire die Position auf über 1 Milliarde US$ ausgebaut. Dazu kam eine kleine neue Position bei der Kaufhauskette Macy's, die zwar weniger als 0,1% des Gesamtportfolios ausmacht, aber Vertrauen in den US-Einzelhandel signalisiert.
- Verkauft: Abel hat das Portfolio von vielen kleineren Titeln befreit, die oft den Managern Todd Combs oder Ted Weschler zugeschrieben wurden. Es gab eine regelrechte Flucht aus über einem Dutzend Positionen. Komplett liquidiert wurden unter anderem Visa, Mastercard, Amazon, UnitedHealth, Diageo, Pool Corp., Heico, AON, Charter und Domino's Pizza. Bei Chevron gab es zwar keinen kompletten Exit, aber einen massiven Teilverkauf im Wert von 8 Milliarden US$ aufgrund zu hoher Ölpreise.
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Konzentration statt Diversifikation
Die Strategie unter Greg Abel unterscheidet sich in ihrer Dynamik und Struktur signifikant von den vergangenen Jahren. Es war das aktivste Investmentquartal von Berkshire seit langem.
In den letzten Quartalen unter Buffett war die Handelsaktivität oft von punktuellen Großtransaktionen (wie den schrittweisen Apple-Teilverkäufen oder dem Ausbau von Occidental Petroleum) geprägt, während das restliche Portfolio weitgehend unangetastet blieb.
Abel hat in nur drei Monaten 16 Werte komplett abgestoßen. Das zeigt den klaren Willen, das Portfolio auf wenige, extrem hochüberzeugte Kernpositionen zu fokussieren. Die Top-10-Holdings machen nun erdrückende 90,7% des gesamten 13F-Volumens aus.
Aber in einer Sache bleibt sich Berkshire treu: Es wird weiterhin mehr Geld vom Markt genommen als investiert. Im Berichtsquartal stehen geschätzten Käufen von 16 Milliarden US$ Verkäufe von rund 24,1 Milliarden US$ gegenüber.
Berkshires Cash-Berg und die Bestände in US-Staatsanleihen klettern auf ein neues Rekordhoch von über 397 Milliarden US$. Man könnte meinen er bereitet das Unternehmen durch die enorme Cash-Quote darauf vor, bei einer eventuellen Marktkorrektur mit voller Wucht zuschlagen zu können. Oder auch, um das Engagement auf dem japanischen Markt weiter auszubauen, in dem Berkshire aktuell sehr aktiv Yen-Emissionen ausgibt, um den Kauf japanischer Aktien zu finanzieren.
Es ist kein Geheimnis mehr, dass Berkshire Hathaway Firmen mit hohen Cashflows und Dividendenausschüttungen liebt. Also haben wir eine Liste mit den 10 dividendenstärksten Unternehmen erstellt. Das willst du nicht verpassen!
Fazit
Am bedeutendsten finde ich Berkshires Zukauf an Alphabet-Aktien. Wie bereits erwähnt, ist Alphabet in der Theorie längst nicht mehr unterbewertet und trotzdem hat Berkshire eine hohe Summe investiert. Ich würde es nicht als Signal sehen jetzt nochmal in Alphabet einzusteigen, denn wir wissen nicht, unter welchen Bedingungen dieser Zukauf stattgefunden hat. Dennoch zeigt es, dass Greg Abel auch in Zukunft hohe Erwartungen an die Google-Mutter hat.