Gold: Ist das die Comeback-Chance des Jahres?
Zinssorgen belasteten – jetzt hellt sich das Umfeld auf
Der wichtigste Belastungsfaktor der vergangenen Monate war die US-Geldpolitik. Ein robuster US-Dollar, hohe Anleiherenditen und die Sorge vor weiteren Zinserhöhungen erhöhten die Opportunitätskosten einer Goldanlage erheblich. Gleichzeitig flossen Milliardenbeträge aus Gold-ETFs ab, wodurch sich der Preisverfall weiter beschleunigte.
Nun hat sich das Umfeld aber wieder etwas aufgehellt. Die jüngsten Daten vom US-Arbeitsmarkt fielen schwächer aus als erwartet und dämpfen die Erwartungen an weitere Zinsschritte der US-Notenbank. Auch Fed-Chef Kevin Warsh schlug zuletzt einen weniger restriktiven Ton an und verwies auf nachlassende Inflationsrisiken – ohne allerdings das Inflationsziel von 2% infrage zu stellen.
Dementsprechend bleibt der weitere Kurs der Federal Reserve wohl der entscheidende Einflussfaktor für den Goldpreis. Spannend wird in diesem Zusammenhang auch das Fed-Protokoll zur letzten FOMC-Sitzung, das am Mittwoch veröffentlicht wird.
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Unter 4.000 US$ greifen Käufer wieder zu
Währenddessen sendet die Charttechnik Signale, die Hoffnung machen. Der Goldpreis ist zuletzt mehrfach unter die psychologisch wichtige Marke von 4.000 US$ gerutscht und jedes Mal folgte eine kräftige Gegenbewegung. Viele Charttechniker sehen darin erste Hinweise auf eine Bodenbildung nach einer ausgeprägten Bereinigungsphase.
Dazu kommt, dass der Markt kurzfristig stark überverkauft ist. Sollten sich die ETF-Abflüsse abschwächen oder sogar wieder in Zuflüsse verwandeln, könnte daraus zusätzlicher Rückenwind entstehen. Auch saisonal beginnt für Gold ab der zweiten Jahreshälfte traditionell eine freundlichere Phase, die häufig bis in den Herbst anhält.
China und die Zentralbanken bleiben starke Käufer
Während westliche Investoren zuletzt Kapital aus Goldfonds abzogen, setzt sich im Osten ein gegenteiliger Trend fort. Chinas Zentralbank stockt ihre Goldreserven seit vielen Monaten kontinuierlich auf. Gleichzeitig entwickelte sich der größte Gold-ETF des Landes inzwischen zum größten börsengehandelten Fonds Chinas – ein Zeichen dafür, dass auch private Anleger verstärkt auf das Edelmetall setzen.
Auch weltweit bleiben Zentralbanken wichtige Käufer. Viele Notenbanken wollen ihre Reserven weiter ausbauen und ihre Abhängigkeit vom US-Dollar verringern. Diese strukturelle Nachfrage gilt als einer der wichtigsten langfristigen Preistreiber.
Analysten sehen gute Chancen auf eine Erholung
Darüber hinaus fällt der langfristige Ausblick vieler Experten positiv aus.
Investmentbanken wie Goldman Sachs, Bank of America, UBS oder JPMorgan erwarten mittelfristig wieder deutlich höhere Goldpreise. Auch der World Gold Council sieht nach der kräftigen Korrektur gute Chancen auf neue Aufwärtsimpulse, sofern Zinserwartungen nachlassen oder geopolitische Risiken zunehmen.
Zahlreiche Analysten nennen Kursziele zwischen 4.800 und 5.200 US$, besonders optimistische Prognosen liegen sogar darüber.
ℹ️ Gold im Überblick
- Gold erfüllt mehrere Funktionen. Neben seiner Verwendung in der Schmuckindustrie und in bestimmten Industriebereichen dient es vor allem als Wertspeicher. Viele Anleger nutzen Gold als Schutz vor Inflation, Währungsabwertung und geopolitischen Krisen.
- Schätzungen zufolge wurden bislang rund 216.000 Tonnen Gold gefördert. Die wirtschaftlich abbaubaren Reserven werden auf etwa 50.000 bis 55.000 Tonnen geschätzt. Die begrenzte Verfügbarkeit ist ein wichtiger Grund dafür, weshalb Gold langfristig seinen Wert behalten bzw. steigern konnte.
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Fazit
Die Unsicherheit am Goldmarkt ist noch nicht vollständig verschwunden. Geldpolitik, Inflation und der US-Dollar werden kurzfristig weiterhin für Schwankungen sorgen. Gleichzeitig sprechen jedoch immer mehr strukturelle Faktoren für eine Stabilisierung: robuste Käufe der Zentralbanken, eine wachsende Nachfrage aus China, erste Anzeichen einer technischen Bodenbildung und eine nachlassende Zinsangst.
Für langfristig orientierte Anleger könnte die jüngste Korrektur deshalb weniger das Ende des Gold-Bullenmarktes markieren als vielmehr eine seltene Gelegenheit, sich nach einem außergewöhnlich kräftigen Rücksetzer zu attraktiveren Bewertungen zu positionieren.
Sollte die erwartete Trendwende an Dynamik gewinnen, dürfte Gold in den kommenden Quartalen wieder zu den spannendsten Anlageklassen gehören.