GameStop-Aktie: Was bringt die neue Milliarden-Phantasie?
GameStop präsentierte im ersten Quartal eine Reihe überzeugender Kennzahlen. Der Umsatz stieg um 14 Prozent auf 835,3 Millionen US-Dollar, während das operative Ergebnis mit 143,3 Millionen US-Dollar einen Rekordwert für ein erstes Quartal erreichte. Gleichzeitig verfügt das Unternehmen über eine außergewöhnlich starke Bilanz und zusätzliche strategische Optionen.
Während mögliche Übernahmen weiterhin für Unsicherheit sorgen, zeigen die aktuellen Geschäftszahlen, dass GameStop inzwischen deutlich mehr ist als die Geschichte einer Meme-Aktie. Das Unternehmen hat sich finanziell stabilisiert und besitzt die Mittel, um seine zukünftige Entwicklung aktiv zu gestalten.
Milliardenreserven schaffen Bewertungsspielraum
Der überzeugendste Investmentaspekt bei GameStop liegt derzeit in der Bilanz. Zum Ende des ersten Quartals verfügte das Unternehmen über liquide Mittel und kurzfristige Anlagen im Wert von 8,4 Milliarden US-Dollar. Bei rund 448 Millionen ausstehenden Aktien entspricht dies etwa 18,75 US-Dollar je Aktie.
Angesichts einer Marktkapitalisierung von knapp 10 Milliarden US-Dollar bedeutet dies, dass Investoren das operative Geschäft des Unternehmens einschließlich der schnell wachsenden Sammlerartikel-Sparte für einen vergleichsweise geringen Aufpreis erwerben. Gemessen am aktuellen Aktienkurs entfällt nur ein kleiner Teil der Bewertung auf das eigentliche operative Geschäft und die strategischen Zukunftsoptionen.
GameStop hat seine Liquiditätsreserven in den vergangenen zwölf Monaten deutlich ausgebaut. Rund 2 Milliarden US-Dollar kamen hinzu, unterstützt durch Aktienplatzierungen, die Schließung unrentabler Filialen sowie umfangreiche Kostensenkungen. Das bereinigte operative Ergebnis stieg im ersten Quartal auf 140,5 Millionen US-Dollar nach lediglich 27,5 Millionen US-Dollar im Vorjahreszeitraum. Von den Existenzsorgen, die das Unternehmen noch vor wenigen Jahren begleiteten, ist derzeit wenig zu erkennen.
Zusätzliche Aufmerksamkeit verdient das neu genehmigte Aktienrückkaufprogramm im Umfang von bis zu 2 Milliarden US-Dollar. Sollte das Management diese Möglichkeit vollständig ausschöpfen, könnte mehr als ein Fünftel aller ausstehenden Aktien eingezogen werden. Dies würde den Wert je Aktie erhöhen und die ohnehin niedrige Unternehmensbewertung weiter reduzieren. Zwar besteht keine Verpflichtung zur Umsetzung, die Genehmigung signalisiert jedoch, dass der Verwaltungsrat aktiv nach Wegen sucht, den Aktionärswert zu steigern.
Sammlerartikel entwickeln sich zur tragenden Säule
Lange Zeit galt GameStop als klassischer Einzelhändler für physische Videospiele, dessen Geschäftsmodell zunehmend unter Druck gerät. Die aktuellen Zahlen zeigen jedoch, dass sich die Umsatzstruktur des Unternehmens spürbar verändert.
Im ersten Quartal erzielte die Sparte für Sammlerartikel, zu der unter anderem Sammelkarten, Spielzeug und Bekleidung gehören, einen Umsatz von 348,9 Millionen US-Dollar. Damit entfielen 41,8 Prozent der Gesamterlöse auf diesen Bereich. Im Vorjahresquartal lag der Umsatz noch bei 211,5 Millionen US-Dollar und machte lediglich rund 29 Prozent des Konzernumsatzes aus.
Die Bedeutung dieser Entwicklung geht über das reine Umsatzwachstum hinaus. Sammlerartikel bieten in der Regel höhere Margen als der Verkauf von Videospielen und sind deutlich weniger von der fortschreitenden Digitalisierung betroffen. Während immer mehr Spiele digital heruntergeladen werden, bleibt die Nachfrage nach physischen Sammlerobjekten und Hobbyartikeln stabil.
Zudem verfügt GameStop weiterhin über ein weitreichendes Filialnetz in den USA. Gerade im Bereich Sammelobjekte kann diese Präsenz einen Wettbewerbsvorteil darstellen, da viele Käufer ihre Kaufentscheidungen durch persönliche Empfehlungen und den Austausch mit anderen Sammlern treffen.
Der steigende Anteil margenstärkerer Produkte war ein wesentlicher Faktor dafür, dass GameStop trotz deutlich geringerer Umsätze als zu früheren Hochzeiten das bislang beste operative Ergebnis in einem ersten Quartal erzielen konnte. Setzt sich dieser Trend fort, dürfte sich die Profitabilität des Unternehmens weiter verbessern.
Ryan Cohen setzt auf große strategische Schritte
Für viele Investoren steht inzwischen weniger die Entwicklung des Einzelhandelsgeschäfts im Mittelpunkt als vielmehr die Frage, wie Ryan Cohen das enorme Kapital des Unternehmens einsetzen wird.
Im Mai sorgte GameStop mit einem Übernahmevorschlag für eBay im Volumen von rund 56 Milliarden US-Dollar für Schlagzeilen. Parallel dazu baute das Unternehmen eine Beteiligung von etwa 7,5 Prozent an eBay auf und signalisierte die Bereitschaft, notfalls auch einen aggressiveren Übernahmeweg zu verfolgen. Der Vorschlag wurde zwar zurückgewiesen, dennoch bleibt die Beteiligung selbst ein wertvoller Vermögenswert.
Cohen hat mehrfach betont, nach einer transformativen Akquisition im Konsumentenbereich zu suchen. Selbst wenn eine Übernahme von eBay nicht zustande kommen sollte, deutet vieles darauf hin, dass weitere Großtransaktionen geprüft werden.
Entscheidend ist daher die Frage nach Cohens Fähigkeiten als Kapitalallokator. Bereits mit dem Onlinehändler Chewy bewies er, dass er in einem hart umkämpften Markt erhebliche Werte schaffen kann. Trotz starker Konkurrenz gelang ihm innerhalb weniger Jahre der Aufbau eines Unternehmens, das schließlich für 3,5 Milliarden US-Dollar verkauft wurde.
Auch bei GameStop gelang bislang eine deutlich positivere Entwicklung als viele Marktteilnehmer erwartet hatten. Aus einem vermeintlichen Sanierungsfall ist ein Unternehmen mit Milliardenreserven und operativen Gewinnen geworden. Ob sich dieser Erfolg durch weitere Übernahmen wiederholen lässt, bleibt offen. Das Chancen-Risiko-Verhältnis erscheint aus Sicht vieler Investoren jedoch attraktiv.
Bewertung verspricht Kurspotenzial
Aufgrund des außergewöhnlich hohen Kassenbestands bietet sich eine Sum-of-the-Parts-Betrachtung an. Die liquiden Mittel und kurzfristigen Anlagen entsprechen rund 18,75 US-Dollar je Aktie.
Unter der Annahme eines Unternehmenswerts in Höhe des Zwölffachen eines erwarteten bereinigten operativen Jahresergebnisses von 300 Millionen US-Dollar ergibt sich für das operative Geschäft ein Wert von etwa 4 Milliarden US-Dollar. Daraus lässt sich ein fairer Aktienwert von rund 27,68 US-Dollar ableiten.
Diese Bewertung berücksichtigt weder zusätzliche Wertsteigerungen durch mögliche Übernahmen noch weitere Verbesserungen im Einzelhandelsgeschäft oder potenzielle Aktienrückkäufe. Entsprechend könnte sich weiteres Aufwärtspotenzial ergeben.
Das größte Risiko für Aktionäre liegt in der Verwendung der umfangreichen Liquiditätsreserven. Eine schlecht strukturierte oder überteuerte Übernahme könnte erhebliche Werte vernichten und den bilanziellen Vorteil rasch schmälern.
Darüber hinaus ist auch das Wachstum im Sammlerartikelgeschäft keineswegs garantiert. Insbesondere der Markt für Sammelkarten und ähnliche Produkte unterliegt regelmäßig Nachfrageschwankungen. Sollte sich die Dynamik in diesem Bereich abschwächen, könnten die zuletzt erzielten Margenverbesserungen unter Druck geraten.
ℹ️ GameStop in Kürze
- GameStop (WKN: A0HGDX) ist eine US-Einzelhandelskette für Computerspiele und Unterhaltungssoftware.
- Die Kette betreibt weltweit mehr als 4.400 Filialen in Australien, Deutschland, Frankreich, Italien, Kanada, Neuseeland und den USA.
- Das Unternehmen mit Sitz in Grapevine im US-Bundesstaat Texas ist an der Börse derzeit rund 10 Milliarden US$ wert.
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Fazit
Die Kombination aus hoher Liquidität, steigender Profitabilität und strategischer Flexibilität macht GameStop derzeit zu einem der ungewöhnlichsten Werte am US-Aktienmarkt. Entscheidend für die weitere Kursentwicklung wird sein, ob das Management die vorhandenen Mittel ebenso erfolgreich einsetzt wie bei der bisherigen Restrukturierung.
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