Ferrari-Aktie -5%: Wieso glaubt niemand an dieses Auto?
Kein neues Modell, sondern ein neues Kapitel
Von einem neuen Modell zu sprechen, ist wahrscheinlich zu diesem Anlass eine Untertreibung. Ferraris Management sprach deshalb auch von einem „neuen Kapitel“ in der Geschichte der Sportwagenikone. Präsident Elkann kündigte sogar an, „einmal mehr die Grenzen des Machbaren neu zu definieren.“
Und das scheint Ferrari mit seinem ersten Elektroauto namens Luce tatsächlich gelungen zu sein. Die Leistungsparameter des E-Ferraris lassen jedenfalls keinen Wunsch offen. Vier Elektromotoren mit einer Maximalleistung von 1.050 PS katapultieren den Sportwagen in 2,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h und in 6,8 Sekunden 200 km/h. Die Reichweite beträgt angabegemäß über 500 Kilometer.
Und trotzdem ist der Luce (abgesehen von seinem neuen Antriebskonzept) der wahrscheinlich untypischste Ferrari aller Zeiten. Er ist nämlich kein klassischer reinrassiger Sportwagen, sondern kann schon fast als „Familienkutsche“ bezeichnet werden. Er hat vier Türen, fünf Sitze und mit 600 Litern Stauraum einen außergewöhnlich großen Kofferraum für einen Sportflitzer.
Um Verbrennerfans den Umstieg auf das neue E-Modell so einfach wie möglich zu machen, hat sich Ferrari sogar den Kopf darüber zerbrochen, wie man den brachialen Motorensound des Autos auf den Elektroantrieb des Luce übertragen kann. Zu diesem Zweck entwickelten die italienischen Ingenieure ein spezielles Audiosystem, das die Vibrationen und Fahrdynamiken des Sportwagens akustisch übersetzt.
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Ein mutiger Schritt
Das Konzept des neuen Elektro-Ferraris ist in meinen Augen ein sehr mutiger Schritt. Die Italiener versuchen, sich mit dem neuen 4-Sitzer eine neue Kundenschicht zu erschließen. Wahrscheinlich zielen sie damit auf ultrawohlhabende Familien in China und den USA ab, die in Zukunft gemeinsam sportlich auf der Straße unterwegs sein wollen.
Wie man es von Ferrari gewohnt ist, ist auch der Preis sehr sportlich. Wer einen Luce in der Garage stehen haben will, muss mindestens 550.000 € auf den Tisch legen. Damit stellt Ferrari alle bisherigen E-Autos (mit Ausnahme von einigen Exoten-Modellen) mal wieder in den Schatten.
Eine gute und eine schlechte Nachricht
Im Chartbild der Ferrari-Aktie gibt es eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute: Die Aktie hat in den letzten Wochen bei knapp über 270 € einen Boden gefunden. Die schlechte: Bislang gelang ihr kein nachhaltiger Aufschwung über die Marke von 300 € hinaus.
Ich gehe davon aus, dass die Ferrari-Aktie in den kommenden Wochen in diesem Seitwärtstrend verharren wird. Die Börse scheint darauf zu warten, wie gut der Luce auf dem Markt ankommt.
Mut wird belohnt
Ich kann die heutige negative Kursreaktion der Ferrari-Aktie nicht nachvollziehen und rate Anlegern deshalb, den Kursrückgang für einen Kauf zu nutzen. Meiner Überzeugung nach wird der Mut des Ferrari-Managements belohnt werden.
Der Luce eröffnet den Italiener den Zugang zu einer neuen Käuferschicht. Ich glaube, dass er vor allem auf dem chinesischen Markt sehr gut ankommen wird. Chinesische Autokäufer sind auch bei Sportwagen längst an den Elektroantrieb gewöhnt und werden das technische Konzept des neuen Ferraris mit offenen Armen empfangen.
Aber auch Ferrari ist in Sachen Elektrifizierung zuletzt deutlich pessimistischer geworden als in der Vergangenheit. Während die Sportwagenschmiede eigentlich den Anteil der rein elektrischen Fahrzeuge bis 2030 auf 40% hochschrauben wollte, wurde dieses Ziel auf nur noch 20% zurechtgestutzt. Ein zweites Elektromodell nach dem Luce soll erst 2028 auf den Markt kommen.
Ich vermute, dass sich Ferrari damit die Messlatte recht niedrig gelegt hat. Der Luce wird meiner Meinung nach ein voller Erfolg werden, auf dessen Grundlage Ferrari in den kommenden Jahren seine Ziele wieder anheben kann.
Vor allem für Dividendenjäger ist die Ferrari-Aktie ein lebendes „Gaspedal“ im Portfolio. Die Dividendenrendite von aktuell 1,2% ist zwar recht mickrig, nicht aber das Dividendenwachstum. In den letzten fünf Jahren hat der Sportwagenbauer seine Gewinnausschüttungen um durchschnittlich 33% pro Jahr erhöht.
In diesem Zusammenhang: Weitere spannende Dividendenaktien wie Ferrari findest Du in unserem kostenlosen Report Top 10 Dividenden Picks 2026. Wirf mal einen Blick rein!
ℹ️ Ferrari in Kürze
- Ferrari (WKN: A2ACKK) entwickelt, produziert und vermarktet exklusive Sportwagen und Formel-1-Fahrzeuge. Das 1947 vom legendären italienischen Rennfahrer Enzo Ferrari gegründete Unternehmen hat seinen Verwaltungssitz in Maranello bei Modena in Italien und seinen Rechtssitz in Amsterdam.
- Nachdem der Sportwagenhersteller über viele Jahrzehnte ein Tochterunternehmen von Fiat war, notiert die Ferrari-Aktie seit 2015 an der Börse.
- Ferrari ist Mitglied im europäischen Leitindex Euro Stoxx 50 und an der Börse ca. 57 Milliarden € wert.
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Fazit
Die Ferrari-Aktie ist immer noch mein Favorit unter den europäischen Autoherstellern. Das einzigartige Geschäftsmodell der Italiener, eine sehr geringe Zahl exklusiver Fahrzeuge zu sehr hohen Preisen zu verkaufen, wird meiner Überzeugung nach auch mit Elektroautos funktionieren.