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EasyJet-Aktie +14%: Bieterkrieg treibt Aktie heute auf Jahreshoch

Bieterpreise deutlich über Aktienkurs
Polina Dmitrovskaya
Bei der britischen Billigfluggesellschaft easyJet überschlagen sich in diesen Tagen die Ereignisse völlig. Die Aktie ist auf ein 4-Jahres-Hoch geschossen und an der Börse ist ein spektakulärer Bieterkrieg entbrannt. Bei easyJet locken vor allem die Start- und Landerechte an europäischen Top-Flughäfen – ein Vermögenswert, der im Bieterwettstreit sichtbar wird und auch für Anleger jetzt spannend werden dürfte.

Der Übernahme-Krimi

Was am 29. Mai mit einem ersten Castlelake-Angebot von 6,61 € je Aktie begann, eskalierte über den Sommer zu einem waschechten Drama. Nach vier abgelehnten Offerten legte der Minneapolis-Investor am Sonntag, den 5. Juli, sein fünftes und bislang höchstes Gebot vor: 8,18 € je Aktie, insgesamt rund 6,1 Milliarden €. Zum Vergleich: EasyJet kommt auf ein Börsenwert von gerade mal 5,3 Milliarden €.

Die Überraschung folgte nur fünf Tage später: Am Freitag, den 10. Juli, tauchte New Yorks Apollo Global Management mit einem deutlich höheren Gebot auf – 8,47 € je Aktie als reine Barofferte, bewertet mit rund 6,7 Milliarden €.

EasyJet erklärte umgehend, das Castlelake-Angebot nicht mehr empfehlen zu wollen. Castlelake hat allerdings einen taktischen Vorteil: Der Investor erhielt bereits Einblick in die Geschäftsbücher und hat mit dem früheren easyJet-Manager Peter Bellew sowie dem Vermögensverwalter Brookfield Asset Management einen prominenten Unterbau.

Fakt ist: Wenn zwei der größten Private-Equity-Häuser der Welt um eine Fluggesellschaft konkurrieren, geht es selten nur ums Fliegen.

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Die Reaktion an der Börse

Die Aktie explodierte förmlich. Heute Vormittag legte das Papier um bis zu +14% zu und erreichte mit rund 7,90 € den höchsten Stand seit 2022. Zum Vergleich: Vor Beginn der Übernahmespekulationen Ende Mai notierte die Aktie noch bei rund 6,60 € – das entspricht einem Kursgewinn von über +40% seither. Dass der Kurs weiterhin unter Apollos Gebotspreis liegt, deutet darauf hin, dass Anleger auf ein noch höheres Gegenangebot spekulieren.

Das regulatorische EU-Problem

Beide US-Bieter stehen vor derselben Hürde: EU-Recht verlangt, dass Fluggesellschaften mit Betriebsrechten innerhalb der Union mehrheitlich (über 50%) von EU-Bürgern kontrolliert werden. Castlelake hat dafür bereits eine Struktur skizziert: Die eigene Beteiligung auf 49% gedeckelt, die restlichen 51% bei zwei EU-Bürgern mit Luftfahrterfahrung, darunter Ex-easyJet-Manager Peter Bellew.

Wie Apollo dieses Problem lösen will, ist bislang offen. Bernstein-Analyst Alex Irving zeigte sich zudem skeptisch, dass sich der hohe Preis überhaupt rechnet: Es brauche eine aggressive und unrealistische Kostensenkung, sowie eine Ergebniswende weit über den aktuellen Prognosen.

Zwischen Rekordbuchungen und roten Zahlen

Abseits der Übernahmeschlagzeilen bleibt die operative Lage zweigeteilt. Die Sommerbuchungen laufen stark, befeuert unter anderem durch „Fan-cations” rund um die sportlichen Großereignisse dieses Sommers. Eine Nachfrage-Krise gibt es also nicht. Der Konzernumsatz stieg um 12%, die Passagierzahl legte um 6% auf 42 Millionen zu, und der Ladefaktor verbesserte sich um auf 90% – ein Rekordwert. Das Problem liegt also nicht in mangelnder Reiselust, sondern in explodierenden Kosten, die die operativen Fortschritte auffressen.

Der Vorsteuerverlust weitete sich im ersten Halbjahr 2026 weiter aus belastet durch höhere Treibstoffkosten infolge des Nahost-Konflikts. Auch höhere Rückstellungen für historische Rechtsstreitigkeiten, sowie finanzielle Belastung durch die erste Winter-Saison an den neuen Standorten Mailand-Linate und Rom-Fiumicino schreiben rote Zahlen in der Bilanz.

Lichtblick, der Investoren lockt

Während das klassische Fluggeschäft leidet, glänzt die Pauschalreise-Tochter easyJet Holidays: Der Vorsteuergewinn stieg um 39%, die Kundenzahl um 22%, die Marge um einen Punkt auf 9%.

Besonders bemerkenswert: Die europäische Kundenbasis wuchs um 66%. Zusätzlich beschleunigt easyJet die Ausmusterung älterer A319-Maschinen zugunsten effizienterer A320neo-Jets – bis 2029 komplett abgeschlossen, mit erwarteten kumulierten Einsparungen von rund 250 Millionen Pfund allein in den Geschäftsjahren 2027 und 2028. Das könnte mitunter ein Grund des hohen Interesses der Investoren sein.

ℹ️ EasyJet in Kürze

    • easyJet mit Hauptsitz im britischen Luton ist die zweitgrößte Billigfluggesellschaft Europas.
    • Das Unternehmen ist einer der Marktführer auf europäischen Hauptverkehrsrouten und verbindet über 160 Flughäfen in mehr als 30 Ländern.
    • Neben dem reinen Flugbetrieb betreibt der Konzern mit easyJet holidays einen der am schnellsten wachsenden Pauschalreiseanbieter Europas.
    • Die Aktie ist primär an der Londoner Börse gelistet (im FTSE-Index). Der aktuelle Börsenwert beträgt 5,3 Milliarden €.

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Polina Dmitrovskaya

Fazit

Der Bieterkrieg verleiht der Aktie kurzfristig spekulativen Charme – ein drittes, noch höheres Gebot ist nicht ausgeschlossen, solange beide Investoren am Ball bleiben. Wer auf eine weitere Eskalation setzt, findet hier tatsächlich Kurspotenzial, wenn auch nur kurzfristig und stark volatil.

Doch Vorsicht: Die operative Realität mit wachsendem Verlust und ungeklärter EU-Eigentümerstruktur relativiert die Übernahmefantasie erheblich, und Bernsteins Warnung vor einem überzogenen Preis sollte man ernst nehmen. Wer aussteigen kann, sobald sich ein Deal formal konkretisiert, mag von der Spekulation profitieren. Als langfristiges fundamentales Investment ist easyJet aktuell aber weniger überzeugend als es der Kurs suggeriert.

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