Bending Spoons-IPO: Das profitablere Constellation Software?
Eine Übernahmefabrik
Bending Spoons wurde 2013 in Italien vom heutigen CEO Luca Ferrari und drei Co-Gründern gegründet. Das Konzept ist einfach: Digitale Unternehmen kaufen, Prozesse automatisieren, Personal abbauen, Gewinn maximieren. Mehr als ein Jahrzehnt später funktioniert dieses Modell – aber mit enormem Schuldendruck. Doch dazu später.
Bending Spoons ist auf dem Papier zwar ein Softwareunternehmen, operiert im Herzen aber exakt wie eine Private-Equity-Gesellschaft für die App-Welt mit dem feinen, aber wichtigen Unterschied: Sie verkaufen die Apps nach ihrem „chirurgischen” KI-Eingriff nicht.
Da die Apps durch Entlassungen und Preiserhöhungen extrem profitabel werden, werfen diese Monat für Monat guten Cashflow ab. Dieses Geld wird sofort genommen, um die nächste App zu kaufen.
Ein heißer IPO
Der Ausgabepreis lag per 30. Juni bei 29 US$ pro Aktie. Weil die Nachfrage von Fonds und Investoren so riesig war, lag dieser Preis sogar am obersten Ende der Spanne von 26 bis 28 US$, die sich das Unternehmen erhofft hatte.
Bending Spoons Marktkapitalisierung liegt durch den IPO nun bei rund 19 Milliarden US$. Und hier kommt der Knackpunkt: Das ist im Verhältnis zum derzeitigen Gewinn und Umsatz der Firma überhaupt nicht günstig.
Im Gesamtjahr 2025 schrieb Bending Spoons unterm Strich noch einen Netto-Verlust von 112 Millionen US$ (wegen der extrem hohen Übernahmekosten). Erst in Q1 2026 schaffte die Firma den Sprung in die Gewinnzone mit einem Netto-Gewinn von 27,5 Millionen US$. Rechnet man das auf das Jahr hoch, ergibt das etwa 110 Millionen US$ Netto-Gewinn für 2026.
Teilt man nun die Marktkapitalisierung durch den erwarteten Netto-Gewinn, erhält man das klassische Forward-KGV:
19 Mrd. US$/110 Mio. US$ = 172,7
Und 172 ist eben teuer. Ein Preis, der für das Risiko, das man mit einem Investment in die Firma eingeht, kaum zu rechtfertigen ist.
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Was kauft man, wenn man Bending Spoons kauft?
Das Unternehmen kontrolliert Firmen wie Vimeo (Video), AOL (Portal/Werbung), WeTransfer (File-Sharing), Eventbrite (Ticketing) und kürzlich Tractive (Pet-GPS).
In Q1 2026 kamen 83% des Umsatzes aus Abos, nur 10% aus Werbung – ein defensives Geschäftsmodell. 500 Millionen Nutzer, aber nur 9 Millionen zahlen tatsächlich. Und der Gewinn kommt aus Preiserhöhungen der Abos.
Die Rentabilität ist allerdings phänomenal: Mit einem Umsatz von 2,57 Millionen US$ pro Mitarbeiter im Jahr 2025 erzielt das Unternehmen eine der höchsten Raten in der gesamten Softwarebranche. Das ist nur möglich durch massive Automatisierung mit KI und Personalabbau. Die Gründer sind definitiv nicht auf den Kopf gefallen.
CEO Ferrari sagt, das Unternehmen habe 1.000+ potenzielle Übernahmeziele identifiziert. Die Schuldenlast wird dabei aber zum Limitfaktor.
Die Schulden sind nicht das Problem..
2025 machte Bending Spoons 1,3 Milliarden US$ Umsatz, generierte 291 Millionen US$ Cashflow und erwirtschaftete 278 Millionen US$ Betriebsgewinn. Die Nettomargen sind jedoch durch Zinszahlungen von 143 Millionen US$ auf faktisch Null zusammengeschrumpft.
Denn Bending Spoons – so genial das Geschäftsmodell auch ist – hat ganze 3,6 Milliarden US$ Netto-Schulden. Das ist 2,19-mal so viel wie der jährliche operative Gewinn. Dabei ist der Verschuldungsgrad von 2,19x gar nicht mal so gefährlich (alles unter 2,0 gilt als solide). Die Gefahr besteht in zukünftigen Zinserhöhungen und schrumpfender Wirtschaft, die das Unternehmen bewältigen müsste.
Eine Investition in dieses Unternehmen bedeutet also eine Wette auf nicht-steigende Zinsen und stetiges Wachstum. Und vor allem auf die Kraft der Gründer, die keine “schlechten” oder schlicht nicht zu viele Übernahmen an Land ziehen dürfen.
S&P bewertete Bending Spoons daher mit BBB- (Junk-Nähe).
Das europäische Constellation Software?
Analysten nennen Bending Spoons oft „Europas Constellation Software mit KI-Steroiden”, denn sie träume davon, dass Bending Spoons ähnlich stark wie Constellation performen könnte. Sie haben eine ähnliches Geschäftsmodell und wenn KI noch ins Spiel kommt, dann kann es ja nur besser werden.
Aber so ist dem nicht. Im Gegensatz zu Constellation kauft Bending Spoons keine Software-Firmen, sondern Consumer Apps. Diese Apps sind heute im Trend und morgen out of the Trend. Nutzer können ihre Abos problemlos kündigen. Eine Software zu tauschen ist aber nicht so gängig und auch nicht so leicht. Das Geschäftsmodell von Constellation ist damit viel planungssicherer.
ℹ️ Bending Spoons in Kürze
- Bending Spoons wurde 2013 gegründet und hat seinen Hauptsitz in Mailand, Italien.
- Das Unternehmen kauft bekannte, aber stagnierende Digitalmarken und Apps auf (wie z. B. WeTransfer, Evernote oder Vimeo) und trimmt sie durch extreme Automatisierung und Preiserhöhungen auf maximale Profitabilität. Dabei verkauft sie diese nicht mehr wieder.
- Das Wachstum wird nicht durch klassisches Risikokapital (VC) finanziert, sondern – untypisch für Tech-Unternehmen – fast ausschließlich über milliardenschwere Bankkredite (Leveraged Buyouts).
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Fazit
Ich würde die Firma aktuell nicht kaufen. Bending Spoons ist ein innovatives Geschäftsmodell mit echtem Potenzial – die Automatisierung funktioniert extrem gut, die User-Basis ist riesig. Aber ein IPO zu 19 Milliarden US$ Bewertung bei 3,6 Milliarden US$ Schulden, die potenziell steigen, ist zu ambitioniert.
Der Kurs könnte schnell nach oben fahren (Momentum-Trade), aber die fundamentale Realität ist eine nicht unwahrscheinliche wirtschaftliche Abschwächung, höhere Zinsraten und vor allem ist nie klar, wie qualitativ hochwertig die neuen Übernahmen in Zukunft sein werden.
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