BayWa-Aktie: Die Lage bleibt kritisch
Sanierungskonzept gerät unter Druck
Derzeit belasten mehrere Faktoren die Entwicklung des Unternehmens. Besonders kritisch sind die Finanzierungslücke beim geplanten Verkauf der Tochtergesellschaft BayWa r.e. sowie die Unsicherheiten rund um den Verkauf der neuseeländischen Beteiligung T & G. Hinzu kommen juristische Risiken, die das Vertrauen der Investoren zusätzlich beeinträchtigen.
Niedrigere Bewertung von BayWa r.e.
Ein zentraler Baustein des Sanierungskonzepts war bislang der geplante Verkauf von BayWa r.e. zu einem Unternehmenswert von rund 1,7 Milliarden €. Diese Annahme basierte auf der Erwartung, dass die Tochtergesellschaft im Jahr 2028 ein EBITDA von etwa 230 Millionen € erzielen würde.
Aufgrund der verschlechterten Marktbedingungen gilt dieses Szenario inzwischen als unrealistisch. Aktuell wird nur noch mit einem EBITDA von rund 150 Millionen € gerechnet.
Damit dürfte auch der ursprünglich erwartete Verkaufserlös deutlich niedriger ausfallen. Die daraus entstehende Finanzierungslücke müsste durch zusätzliche Kredite oder alternative Finanzierungslösungen geschlossen werden.
Die finanzierenden Banken haben einem Stillhalteabkommen bis Herbst 2026 zugestimmt. Bis dahin muss BayWa gemeinsam mit den Gläubigerbanken und den beiden Hauptaktionären eine tragfähige Lösung erarbeiten.
Ebenfalls von großer Bedeutung ist der Jahresabschluss 2025, der laut Unternehmensangaben Ende Oktober vorgelegt werden soll. Die Banken benötigen einen testierten Abschluss als Grundlage für die weitere Kreditvergabe.
Verkauf von T & G gestaltet sich schwierig
Ein weiterer wichtiger Bestandteil des Sanierungsplans ist die Veräußerung der neuseeländischen Tochtergesellschaft T & G Global. BayWa hält dort rund 74% der Anteile.
Mit der Suche nach einem Käufer wurde Goldman Sachs beauftragt. Dabei wird ein Verkaufserlös von etwa 300 Millionen € angestrebt.
Allerdings gibt es Hinweise, dass der zweitgrößte Anteilseigner Wo Yang Limited den Verkaufsprozess kritisch sieht. Dies könnte die Verhandlungen erschweren und den Zeitplan verzögern. Offizielle Stellungnahmen von BayWa zu diesen Berichten liegen bislang nicht vor.
Juristische Risiken nehmen zu
Zusätzlichen Druck erzeugen die laufenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft München gegen die ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Klaus Josef Lutz und Marcus Pöllinger.
Im Mittelpunkt stehen Verdachtsmomente wegen Untreue sowie möglicher fehlerhafter Darstellungen im Jahresabschluss 2023. Die Ermittler prüfen insbesondere, ob die finanzielle Schieflage und die hohe Verschuldung des Konzerns ausreichend transparent dargestellt wurden. Hausdurchsuchungen haben bereits stattgefunden.
Darüber hinaus bereitet die Tübinger Kanzlei TILP Aktionärsklagen vor. Grundlage sind Vorwürfe, wonach Risiken im Zusammenhang mit milliardenschweren Kreditverpflichtungen nicht ausreichend offengelegt worden sein sollen.
Selbst wenn solche Verfahren erst langfristig entschieden werden, belasten sie bereits heute das Vertrauen der Kapitalmärkte und erschweren eine Stabilisierung der Aktie.
Solider Jahresauftakt
Operativ verlief das erste Quartal besser als von vielen Marktteilnehmern erwartet.
Zwar veröffentlichte BayWa bislang lediglich den Umsatz, der bei 2,3 Milliarden € lag. Das EBITDA soll nach Unternehmensangaben jedoch über den Vorgaben des Sanierungsplans gelegen haben. Auch die Liquidität wurde als stabil bezeichnet.
Diese Entwicklung zeigt, dass das operative Geschäft trotz der finanziellen Herausforderungen weiterhin funktioniert.
ℹ️ BayWa in Kürze
- Die bayerische BayWa AG ist ein international tätiges Handels- und Dienstleistungsunternehmen. Schwerpunkte der Handelsaktivitäten sind der Agrarbereich sowie der Handel mit Solarmodulen und Solarparks.
- Der Münchener Konzern betreibt seine Geschäfte überwiegend in Deutschland, Österreich und Osteuropa. Insgesamt hat der Konzern inklusive Franchise- und Partnerfirmen mehr als 3.000 Vertriebsstandorte in 16 europäischen Ländern.
- Die im SDAX gelistete Aktie wird aktuell mit 263 Millionen € bewertet.
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Fazit
Die entscheidende Frage bleibt, ob es gelingt, die Finanzierungslücke im Sanierungskonzept zu schließen. Insbesondere der niedrigere als ursprünglich erwartete Verkaufserlös für BayWa r.e. stellt eine erhebliche Belastung dar.
Gleichzeitig haben Banken und Großaktionäre ein großes Interesse daran, eine Insolvenz zu vermeiden, da ihre Verluste in diesem Fall deutlich höher ausfallen könnten. Denkbar wären daher alternative Finanzierungslösungen oder Vereinbarungen mit den Gläubigern.
Solange jedoch keine konkrete und tragfähige Lösung vorliegt, bleibt die Aktie ein hochspekulatives Investment. Das Risiko weiterer Kursverluste ist aus heutiger Sicht weiterhin erheblich.
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