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AT&S-Aktie: Nach +630%-Rally ist es noch nicht zu spät

Langfristiger Engpass treibt die Rally
Polina Dmitrovskaya
Der neueste Kandidat im STOXX Europe 600 ist eine österreichische Firma, die im Verborgenen zur spektakulärsten KI-Aktie Europas aufgestiegen ist: AT&S legte seit Jahresanfang +630% zu – und wird an der Börse trotzdem mit einem Forward-KGV von nur 13 bewertet. Was auf den ersten Blick wie eine überhitzte Rally wirkt, offenbart sich bei genauerer Betrachtung als fundamentales Kraftpaket. Könnte der Markt das enorme Gewinnpotenzial dieser Firma jahrelang schlicht unterschätzt haben? Falls ja, dann dürfte die Rally erst am Anfang stehen.

Kein Nvidia ohne AT&S

Ganz grob gesagt operiert das Unternehmen rund um KI-Chips, aber um zu verstehen, warum es in so kurzer Zeit so steil nach oben ging, muss man tiefer einsteigen.

Wenn Nvidia-Chips die Hochleistungs-Autos sind, dann sind die Substrate von AT&S die Autobahn. Das österreichische Unternehmen baut die präzise Infrastruktur, auf der tausende elektrische Signale gleichzeitig fließen müssen und ohne die auch der beste Nvidia-Chip nutzlos ist.

Mit wachsender Komplexität der KI-Chips entstehen massive Engpässe. Es gibt weltweit nur eine Handvoll Hersteller, die Substrate in der erforderlichen Qualität produzieren können. Das Resultat ist brutal für den Markt, aber lukrativ für AT&S: Explodierende Preise, volle Auftragsbücher, lange Lieferzeiten. Die US-Bank Morgan Stanley rechnet damit, dass sich die Angebotslücke bis 2030 auf etwa 15% ausweiten wird – ein strukturelles Defizit, das Jahre anhalten dürfte.

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Morgan Stanley erwartet viel

Die japanische Konkurrenz Ibiden (+300% YTD) ist ebenfalls ein Top-Hersteller, doch AT&S hat einen entscheidenden strukturellen Vorteil: Das Unternehmen beherrscht nicht nur die Substrate-Produktion, sondern stellt auch die großen Leiterplatten her, auf denen die Substrate letztendlich zusammenlaufen. Das ist vertikale Integration statt Spezialisierung und macht AT&S zur Schlüsselfirma für Datacenter-Hersteller.

Morgan Stanley hat das durchkalkuliert: Bei Nvidias nächster GPU-Generation „Vera Rubin" werden Server-Racks fast doppelt so teuer wie die Vorgänger. Aber der Preistreiber ist nicht die GPU (Graphics Processing Unit, auf Deutsch: Grafikprozessor), sondern das, was drum herum verbaut wird. Also Leiterplatten und Substrate – AT&S-Komponenten, mit anderen Worten.

Das Unternehmen war jahrelang strukturell unprofitabel und litt unter Überkapazitäten aus der Vergangenheit. Doch der Hebel hat sich gedreht und Analysten rechnen damit, dass AT&S von derzeitigen 40 bis 50 Millionen € Jahresgewinn auf fast 790 Millionen € bis 2029 wächst – ein 15-faches in nur drei Jahren.

Westliche Alternative statt Asia-Abhängigkeit

Der andere entscheidende Vorteil ist geografisch. Während die Konkurrenz in Asien sitzt, ist das europäische AT&S als einer der Top-5-Hersteller strategisch wertvoll für westliche Kunden, die ihre Abhängigkeit von Asien reduzieren wollen. Und AT&S setzt alles auf diesen Trend: Das Unternehmen hat erst vor wenigen Tagen angekündigt, Investitionen von bis zu 2 Milliarden € in die Expansion von Werken in Malaysia und China zu tätigen.

On top hebt die Firma gleichzeitig die Umsatzprognose für 2026/27 auf 45 bis 55% Wachstum bei einer EBITDA-Marge von 32 bis 37%.

Auch die neuen Großkunden sind beeindruckend: AMD ist offizieller Partner, und Insider sprechen von Intel als zweitem Schwergewicht. Das ist die Champions League der Halbleiterindustrie.

Eine überraschende Bewertung

Die AT&S-Aktie hat gerade All-Time-Highs um 230 € erreicht und doch: Auf die Forward-Earnings (2027/28) berechnet, notiert AT&S mit einem KGV um 13. Das ist überraschend günstig für ein Unternehmen mit über 50% Gewinnwachstum. Zum Vergleich: Der breite Markt wird mit KGVs von 17 bis 20 bewertet.

Die Aufnahme in den STOXX Europe 600 am 22. Juni 2026 dürfte weitere institutionelle Käufer anziehen, was zusätzlichen Rückenwind geben könnte.

Risiken

Doch eine Palette an Risiken gibt es dennoch:

ℹ️ AT&S in Kürze

  • Die AT&S Austria Technologie & Systemtechnik (WKN: 922230), kurz AT&S, ist einer der weltweit führenden Hersteller von hochwertigen Leiterplatten und IC-Substraten. AT&S ist ein bedeutender Lieferant für die Mobilfunkbranche, Automobilelektronik, Industrieelektronik und Medizintechnik.
  • Das österreichische Unternehmen mit dem Hauptsitz in Leoben verfügt über eine globale Präsenz. Der Schwerpunkt der Produktionsstätten liegt im asiatischen Bereich.
  • Die Marktkapitalisierung beträgt aktuell rund 8,7 Milliarden €.

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Polina Dmitrovskaya

Fazit

AT&S ist einer der seltenen Fälle: ein europäischer Industriekonzern, der nicht nur vom KI-Boom profitiert, sondern unverzichtbar für ihn ist. Die Kombination aus Engpass-Situation, westlicher Nähe, Top-Kundenstamm und noch moderater Bewertung macht das Unternehmen interessant, trotz seiner enormen Rally seit Januar diesen Jahres.

Das Risiko liegt in der Zyklik und dem steilen Erwartungsanstieg – aber für Investoren mit längerer Zeithorizont bietet AT&S eine seltene Gelegenheit: Teilhabe an der physischen Infrastruktur der KI, nicht nur an den Chips selbst.

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