AST SpaceMobile-Aktie: Der gefährlichste Wettbewerber von SpaceX?
Was macht AST eigentlich?
Bevor ich eine Antwort auf diese Frage geben will, möchte ich einleitend ein paar Worte zur Geschäftstätigkeit von AST SpaceMobile sagen. Das Unternehmen ist in Deutschland wahrscheinlich nur ein paar eingefleischten Raumfahrtfans bekannt.
Das Geschäftsmodell von AST SpaceMobile lässt sich mit einem einfachen Satz zusammenfassen: Das Unternehmen baut die ersten echten Mobilfunktürme im Weltall.
Während klassische Satelliten-Internet-Anbieter wie Starlink (von SpaceX) oder Eutelsat OneWeb spezielle Empfangsantennen, Satellitenschüsseln oder teure Spezial-Handys (wie beim alten Iridium-Netz) auf der Erde benötigen, bricht AST SpaceMobile mit einer völlig neuen Technologie durch.
Das Ziel von AST ist es, dass ein stinknormales, unverändertes Smartphone (auch ältere Modelle) eine direkte Verbindung zu einem Satelliten aufbauen kann. Wer sich in einem tiefen Funkloch befindet – sei es auf dem Ozean, in der Wüste oder in einem Wald –, bucht sich über sein Smartphone automatisch in ein Weltraumnetz ein und kann dann ganz normal über 4G und 5G telefonieren, streamen und Nachrichten verschicken.
Um dieses Ziel zu erreichen, muss AST SpaceMobile gigantische Megasatelliten ins All bringen. Ein normales Smartphone hat nämlich eine winzige Antenne mit sehr wenig Sendeleistung. Um dieses schwache Signal aus über 500 Kilometern Höhe im Weltall einzufangen, müssen die Satelliten von AST SpaceMobile riesengroß sein.
Die neuen Satelliten der BlueBird-Klasse entfalten sich im Orbit zu riesigen, flachen Antennen-Arrays mit einer Fläche von bis zu 220 Quadratmetern. Das entspricht fast der Fläche eines Tennisdoppelfeldes.
Die Satelliten von AST SpaceMobile kann man sich demnach wie einen Mobilfunkmast vorstellen, der aber nicht auf einem Gebäude oder einem Hügel steht, sondern mit 27.000 km/h in 500 Kilometer Höhe um die Erde rast.
Das aktuell größte Duell im Weltraum
Diese Technologie macht AST SpaceMobile zum größten und auch gefährlichsten Wettbewerber von Starlink, dem Satellitendienst von SpaceX. Allerdings muss man hier genau hinschauen, um welche Technologie es geht. Das ursprüngliche Starlink-Netzwerk, das schnelles Satelliten-Internet über die bekannten weißen Schüsseln an Häuser liefert, konkurriert nicht mit AST.
Die direkte Konkurrenz entsteht durch Elon Musks neues Produkt Starlink Direct-to-Cell (Starlink Mobile). Beide Unternehmen jagen exakt denselben Markt: Das weltweite Mobilfunknetz direkt auf normale, unveränderte Smartphones ins Weltall zu verlängern.
Es ist das vielleicht spannendste Duell der Raumfahrtbranche – mit völlig unterschiedlichen technologischen Ansätzen, um das Signal von einem normalen Smartphone einzufangen. AST setzt wie beschrieben auf wenige, aber gigantisch große Satelliten. Der Vorteil dieser Megasatelliten ist die hohe Bandbreite. Durch die riesigen Antennen können sofort 4G/5G-Datenraten, Videoanrufe und Streaming übertragen werden.
Starlink setzt hingegen auf Masse statt Größe. Die SpaceX-Tochter nutzt tausende kleinere Satelliten (aktuell rund 650 mit "Direct-to-Cell"-Modulen im All). Die Bandbreite dieser Satelliten ist im Gegensatz zu AST SpaceMobile beschränkt. Starlink bietet derzeit nur SMS, Messenger-Dienste und Notrufe an.
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Ein harter Zweikampf
AST SpaceMobile und SpaceX konkurrieren um dieselben Kunden. Beide Unternehmen adressieren ihr Angebot im Direct-to-Device-Bereich nicht an private Endkunden, sondern an Telekomkonzerne. Über 50 der weltweit größten Netzbetreiber haben bereits Verträge mit AST.
Besonders hart ist der Wettbewerb um die drei großen US-amerikanischen Telekomgiganten AT&T, T-Mobile und Verizon. Bislang sind sie in zwei Lager gespalten. Während AT&T und Verizon mit AST zusammenarbeiten, hat sich T-Mobile für Starlink entschieden.
Im Mai gab es eine fundamentale Nachricht, die AST langfristig massiv stützen könnte: Die drei US-Telekom-Riesen planen ein gemeinsames Joint Venture, um den Direct-to-Device-Markt zu standardisieren. AST SpaceMobile hat diese Pläne ausdrücklich begrüßt, da das Unternehmen als der logische technologische Partner für dieses Vorhaben gilt.
Auch in Japan zeichnet sich ein Zweikampf zwischen AST und SpaceX ab. Die japanische Regierung vergibt im Juni das „J-LEO“-Projekt – einen mit rund 1 Milliarde US$ dotierten Auftrag für ein nationales Satelliten-Handynetz (vor allem für den Katastrophenschutz). Im Finale stehen ein Konsortium aus KDDI und Starlink und die Allianz aus Rakuten Mobile und AST SpaceMobile.
Nicht nur Wettbewerber, sondern auch Partner
Das Interessante an der Beziehung von AST SpaceMobile und SpaceX ist, dass die beiden Unternehmen nicht nur erbitterte Konkurrenten, sondern auch Geschäftspartner sind. Die Falcon-9-Raketen von SpaceX bringen die Satelliten von AST ins All.
Auch heute findet wieder ein Raumtransport statt. Eine Falcon-9-Rakete wird die nächsten drei Großsatelliten von AST (BlueBird 8, 9 und 10) ins All transportieren. Der erfolgreiche Start ist die Voraussetzung dafür, dass AST SpaceMobile wie geplant im Laufe dieses Sommers erste, limitierte Testmobilfunkdienste direkt auf normale, unveränderte Smartphones anbieten kann.
Zuletzt gab es in diesem Zusammenhang einen herben Rückschlag. Eine New-Glenn-Rakete von Jeff Bezos' Raumfahrtunternehmen Blue Origin versagte bei einem Testflug. Sie setzte den Satelliten BlueBird 7 in einer viel zu niedrigen Umlaufbahn ab, sodass dieser kontrolliert zum Absturz gebracht werden musste.
Obwohl Versicherungen den finanziellen Schaden decken, verzögert dieser Unfall den Aufbau der vollen Satellitenkonstellation. Laut Analysten verschiebt sich der vollumfängliche, kommerzielle Start des Netzwerks dadurch um drei bis sechs Monate in das erste Halbjahr 2027.
Ist AST SpaceMobile eine Gewinneraktie?
Meine Antwort auf diese Frage ist ein klares „Ja“. Das Forward-KUV auf Basis der Umsatzschätzung von 170 Millionen US$ für 2026 beträgt zwar fast 200, aber in die AST SpaceMobile-Aktie muss man einfach verdammt viel Fantasie einpreisen.
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Mein Optimismus in Bezug auf den Satellitenbetreiber basiert auf zwei Grundlagen:
Erstens: AST setzt auf die richtige Technologie. Die Megasatelliten des Unternehmens ermöglichen von Anfang an Internet-Breitbanddienste über das Handy. Das ist meiner Meinung nach ein entscheidender Vorteil gegenüber Starlink von SpaceX.
Wer sich in einem Funkloch befindet, egal wo auf der Welt, will nicht nur einen Notruf absetzen oder eine Kurznachricht verschicken. Vielmehr glaube ich, dass Nutzer an diesen Orten Breitbanddienste wie Streaming konsumieren wollen. Das ist ein sehr gutes Argument für AST, um Telekomkonzerne von sich zu überzeugen.
Zweitens: Das Geschäftsmodell von AST SpaceMobile erfordert kein Endkundenmarketing. Das Unternehmen hat Telekomkonzerne als Gegenüber in den Verhandlungen. Das Gute daran: AST teilt sich die Einnahmen aus den Satellitendiensten mit den Telekoms. Es handelt sich also um eine klassische Win-Win-Situation.
ℹ️ AST SpaceMobile in Kürze
- AST SpaceMobile (WKN: A3CL8W) ist ein 2017 gegründetes Raumfahrttechnologieunternehmen mit Sitz in Midland im US-Bundesstaat Texas.
- Das Unternehmen entwickelt sehr große Satelliten, mit denen das erste weltweite Mobilfunknetz im Weltraum errichtet wird, das direkt mit herkömmlichen, unveränderten Smartphones funktioniert (Direct-to-Device).
- Im Gegensatz zu traditionellem Satelliteninternet entfällt für den Endnutzer der Kauf von teuren Spezialantennen, Satellitenschüsseln oder speziellen Satelliten-Handys.
- Die Blue Bird-Satelliten von AST SpaceMobile ermöglichen an allen Orten der Erde Breitbandinternetdienste.
- Partner von AST sind über 50 Mobilfunkanbieter weltweit, die zusammen einen Kundenstamm von rund 3 Milliarden Menschen besitzen.
- AST SpaceMobile notiert an der Nasdaq und ist ca. 32 Milliarden US$ wert.
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Fazit
Ich rate mutigen Anlegern mit einem Faible für den Weltraum zu einem Investment in die AST SpaceMobile-Aktie. Sie ist für mich einer der spannendsten Weltraum-Infrastruktur-Aktien überhaupt. Kursrücksetzer wie zuletzt sind eine gute Gelegenheit, in die AST-Aktie einzusteigen. Das zeigt die Kursentwicklung über die letzten drei Jahre klar und deutlich.