AMD-Aktie: +86% nach Kauftipp in 7 Wochen – und jetzt?
Immer wieder hatten wir im März auf den kommenden Kursausbruch bei der AMD-Aktie und die Aufholchancen gegenüber Nvidia verwiesen. Seit unseres Kauftipps Anfang März standen bis letzte Woche bereits +86% Kursgewinn zu Buche. Hinter der Dynamik steckt jedoch mehr als kurzfristige Euphorie, denn strukturelle Veränderungen im Server- und KI-Markt könnten dem Unternehmen eine neue Wachstumsphase eröffnen.
Erwartungsdruck vor den Quartalszahlen
Der Chiphersteller wird seine nächsten Quartalszahlen nach Börsenschluss am 5. Mai vorlegen. Inzwischen sind die Erwartungen im Markt deutlich gestiegen. Analysten rechnen derzeit mit einem Umsatz von rund 9,89 Milliarden Dollar sowie einem Gewinn je Aktie von etwa 1,29 Dollar.
Auffällig ist vor allem die Entwicklung der Prognosen. In den vergangenen drei Monaten gab es rund 30 Anpassungen der Umsatzschätzungen nach oben und lediglich zwei nach unten. Auch beim Gewinn je Aktie wurden die Erwartungen überwiegend angehoben. Diese Entwicklung deutet auf solide Rückmeldungen aus Vertriebskanälen und Lieferketten hin.
Entscheidend wird jedoch weniger das einzelne Quartal sein als der Ausblick. Das Management stellt für das laufende Jahr eine deutliche Beschleunigung in Aussicht. Die Erlöse sollen von etwa 9,9 Milliarden Dollar im ersten Quartal auf rund 14,7 Milliarden Dollar im vierten Quartal steigen.
Beobachter achten dabei besonders auf drei Faktoren. Erstens, ob die Nachfrage nach EPYC-Serverprozessoren weiterhin stärker ausfällt als saisonal üblich. Zweitens, ob Engpässe in der Lieferkette bestehen bleiben und damit Preissetzungsspielraum schaffen. Drittens, wie schnell die nächste GPU-Generation rund um MI450 in der zweiten Jahreshälfte anlaufen kann.
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Die unterschätzte Rückkehr der CPU
Lange Zeit dominierte die Vorstellung, dass Grafikprozessoren der zentrale Baustein beim Aufbau von KI-Infrastruktur sein würden. Diese Einschätzung beruhte vor allem auf der frühen Phase der KI-Entwicklung, in der Trainingsprozesse im Vordergrund standen.
Mit zunehmender Reife der Anwendungen verschiebt sich der Schwerpunkt jedoch in Richtung Inferenz und Orchestrierung. In diesen Bereichen spielen klassische Prozessoren wieder eine deutlich größere Rolle. Genau hier positioniert sich AMD mit seinen EPYC-Chips.
Die Zahlen aus dem Rechenzentrumsgeschäft unterstreichen diese Entwicklung. Im vierten Quartal erreichten die Umsätze in diesem Segment rund 5,4 Milliarden Dollar, was einem Wachstum von etwa 39 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Gleichzeitig stellte das Management weiteres Wachstum bei Server-CPUs in Aussicht, obwohl das erste Quartal traditionell schwächer ausfällt.
Damit wird deutlich, dass der Anstieg nicht mehr ausschließlich auf Marktanteilsgewinne gegenüber Intel zurückzuführen ist. EPYC hat bereits einen Marktanteil von rund 30 Prozent erreicht. Die nächste Wachstumsphase dürfte deshalb vor allem durch steigende Gesamtnachfrage nach Infrastruktur für KI-Anwendungen entstehen.
Prognosen spiegeln diese Dynamik wider. Die Umsätze könnten von etwa 34,6 Milliarden Dollar im Jahr 2025 auf rund 46,8 Milliarden Dollar im Jahr 2026 steigen. Für 2027 werden sogar rund 68 Milliarden Dollar erwartet. Damit zeichnet sich kein bloßer zyklischer Aufschwung ab, sondern ein struktureller Nachfrageanstieg.
Engpässe als Treiber der nächsten Wachstumsphase
Ein zunehmend wichtiger Faktor ist die Angebotsseite. Während lange Zeit davon ausgegangen wurde, dass die Nachfrage nach AMD-Produkten die Herausforderung darstellt, deutet vieles inzwischen auf das Gegenteil hin.
Die Produktion scheint mit der steigenden Nachfrage nur schwer Schritt halten zu können. Sollten Lieferengpässe bei EPYC-Prozessoren tatsächlich bis weit ins Jahr 2026 hinein bestehen bleiben, könnte die verfügbare Kapazität zum begrenzenden Faktor werden.
In einem solchen Umfeld gewinnen Preisanpassungen an Bedeutung. Große Cloudanbieter und Hyperscaler konzentrieren sich zunehmend auf schnelle Implementierung von KI-Infrastruktur. Dadurch sinkt die Preissensibilität und ermöglicht höhere durchschnittliche Verkaufspreise.
Schon moderate Preissteigerungen kombiniert mit wachsenden Stückzahlen könnten die Gewinne überproportional steigen lassen. Parallel dazu arbeitet AMD an neuen Plattformen, bei denen CPU- und GPU-Technologien enger zusammengeführt werden.
Mit der Helios-Architektur und der geplanten Einführung der MI450-GPUs erhält das Unternehmen die Möglichkeit, stärker integrierte Systeme anzubieten. Der entscheidende Vorteil besteht darin, dass AMD nicht zwingend das gesamte Softwareökosystem dominieren muss, sondern mit leistungsfähiger Hardware attraktive Alternativen schaffen kann.
Ein weiterer wichtiger Schritt ist die kommende Generation der EPYC-Prozessoren mit dem Codenamen Venice, deren Einführung für die zweite Hälfte des Jahres 2026 erwartet wird. Deutlich höhere Speicherbandbreite und gesteigerte Rechenleistung könnten die Grundlage für vollständig integrierte KI-Systeme bilden.
Sollten große Cloudanbieter künftig komplette Rack-Lösungen statt einzelner Komponenten bestellen, hätte dies erhebliche Auswirkungen auf die Umsatzstruktur. In diesem Szenario steigt nicht nur die Nachfrage, sondern auch der durchschnittliche Verkaufspreis pro System.
Neue Kursziele verändern das Bewertungsbild
Ein deutliches Signal für die veränderte Wahrnehmung im Markt kam zuletzt von der Investmentbank UBS. Analyst Timothy Arcuri hob das Kursziel für AMD von 310 auf 455 Dollar an.
Bemerkenswert ist dabei weniger die Höhe der Anpassung als der Kontext. Der Analyst gehörte zuvor zu den skeptischeren Stimmen gegenüber der Aktie. Die neue Bewertung basiert auf einem Szenario deutlich stärkerer Wachstumsannahmen.
Ein wichtiger Auslöser war die Entwicklung im Rechenzentrumsmarkt. Dort meldete Intel zuletzt ein Wachstum von rund 22 Prozent, was als Hinweis auf einen neuen CPU-Superzyklus interpretiert wird. UBS erhöhte daraufhin die Umsatzschätzung für AMD im Jahr 2026 auf etwa 50 Milliarden Dollar und geht davon aus, dass die MI450-GPUs früher zum Umsatz beitragen könnten.
Im Bewertungsvergleich wirkt AMD auf den ersten Blick teurer als NVIDIA. Das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt bei etwa 50, während Nvidia bei rund 26 notiert. Beim Verhältnis von Kurs zu Umsatz ergibt sich jedoch ein anderes Bild. Hier liegt AMD mit etwa dem 11-fachen Umsatz unter Nvidia, das etwa mit dem 14-fachen bewertet wird.
Entscheidend ist letztlich die Gewinnentwicklung der kommenden Jahre. Sollten die Gewinne je Aktie bis 2027 tatsächlich in eine Größenordnung von etwa 13,7 bis 14 Dollar steigen, wäre eine Bewertung von etwa dem 30- bis 33-fachen Gewinn im Branchenvergleich durchaus plausibel.
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Der entscheidende Unsicherheitsfaktor
Trotz der positiven Perspektiven bleibt ein zentrales Risiko bestehen. Die Einführung der MI450-Generation ist eng mit den langfristigen Umsatzprognosen verknüpft.
Das Management erwartet erste relevante Umsätze ab dem dritten Quartal 2026, mit einer deutlichen Beschleunigung im vierten Quartal. Der entscheidende Punkt wird jedoch die Geschwindigkeit sein, mit der AMD die Produktion von einzelnen Chips auf vollständige Rack-Systeme skalieren kann.
Sollte sich der Marktstart über das dritte oder vierte Quartal 2026 hinaus verzögern, könnte dies unmittelbare Auswirkungen auf Umsatzschätzungen und Bewertungsmodelle haben.
Weiteres Potenzial vorhanden
Der jüngste Kursanstieg der AMD-Aktie wirkt weniger wie ein übertriebener Hype als vielmehr wie eine frühe Reaktion auf strukturelle Veränderungen im Halbleitermarkt. Besonders die steigende Nachfrage nach EPYC-Prozessoren deutet darauf hin, dass sich ein neuer CPU-Zyklus etabliert. Die Lagerbestände bleiben niedrig, während gleichzeitig neue Produktgenerationen in Vorbereitung sind. Mit der kommenden Venice-Plattform und der Integration neuer GPU-Architekturen könnte AMD seine Position im Markt für KI-Infrastruktur weiter ausbauen.
Gewinnmitnahmen vor den Quartalszahlen halten wir zwar für gut vertretbar, jedoch dürfte die langfristige Reise hier noch lange nicht enden.
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ℹ️ AMD in Kürze
- Advanced Micro Devices (AMD) mit Hauptsitz in Santa Clara im US-Bundesstaat Kalifornien entwickelt und vertreibt Mikroprozessoren, Chipsätze und System-on-a-Chip-Lösungen.
- Eine eigene Fabrikationsstätte hat das Unternehmen seit der Ausgründung der eigentlichen Halbleiterherstellung im Jahr 2009 in Globalfoundries nicht mehr.
- AMD ist Mitglied in den US-Leitindizes Nasdaq 100 und S&P 500 und hat eine Marktkapitalisierung von rund 550 Milliarden US$.