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Novo Nordisk-Aktie: Mit Amazon zum nächsten Blockbuster?

Spannende Kooperation
Vincent Uhr
Novo Nordisk macht bei künstlicher Intelligenz ernst. Was zunächst wie der Aufhänger für einen Artikel über eine andere Aktie klingt, hat einen ernsten Hintergrund: Denn der dänische Pharmakonzern hat Amazon Web Services zum bevorzugten Cloud-Anbieter und strategischen KI-Partner ernannt. Gemeinsam wollen beide Unternehmen die Entwicklung neuer Medikamente beschleunigen. Für die zuletzt mehrfach enttäuschende Pipeline könnte die Kooperation zum wichtigen Baustein werden.

Von der Zielstruktur zur klinischen Studie

Kern der Partnerschaft ist ein gemeinsames Innovationszentrum in London. Dort sollen Entwickler und KI-Spezialisten von AWS unmittelbar mit den Forschungsabteilungen von Novo Nordisk zusammenarbeiten. Das Ziel besteht darin, den Weg von der Identifikation eines möglichen Angriffspunkts bis zur ersten Verabreichung eines Wirkstoffs an Menschen zu verkürzen.

Novo Nordisk erhält dafür Zugriff auf Amazon Bio Discovery und Amazon Bedrock. Mithilfe dieser Anwendungen lassen sich genetische, bildgebende und klinische Daten miteinander verbinden. Die KI soll mögliche Wirkstoffziele erkennen, neue Moleküle entwerfen und Erkenntnisse aus der frühen Forschung direkt in die Planung klinischer Studien einfließen lassen.

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Darüber hinaus will Novo Nordisk KI-Agenten einsetzen, um interne Arbeitsabläufe zu automatisieren. Die bisherige Zusammenarbeit mit AWS hat laut Unternehmen bereits die Erstellung klinischer Dokumentationen beschleunigt und die Produktivität von mehr als 25.000 Beschäftigten erhöht.

Die Pipeline muss besser werden

Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Novo Nordisk benötigt dringend neue Erfolge in der Medikamentenentwicklung. Bei CagriSema blieben die Studienergebnisse hinter den hochgesteckten Erwartungen zurück. Die Entwicklung von Monlunabant wurde eingestellt, während Ziltivekimab in einer wichtigen Phase-3-Studie scheiterte.

Allein im zweiten Quartal verbuchte der Konzern Wertminderungen auf Pipelineprojekte von 6,3 Milliarden DKK. Davon entfielen 4 Milliarden DKK auf Monlunabant. KI kann dabei helfen, aussichtsreiche Wirkstoffe früher zu erkennen und ungeeignete Kandidaten schneller auszusortieren.

Die Amazon-Kooperation ergänzt eine im April geschlossene Partnerschaft mit OpenAI. Während OpenAI seine Modelle konzernweit in Forschung, Produktion und Verwaltung einbringen soll, liefert AWS zusätzlich die Cloud-Infrastruktur und spezielle Anwendungen für die Arzneimittelforschung.

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Zahlen entwickeln sich besser

Operativ hat sich die Lage zuletzt stabilisiert. Der bereinigte Umsatz stieg im zweiten Quartal währungsbereinigt um +7% auf 78,49 Milliarden DKK. Beim bereinigten operativen Gewinn meldete Novo Nordisk ein Plus von +11% auf 33,39 Milliarden DKK.

Daraufhin hob das Management die Jahresprognose an. Statt eines Rückgangs von -4 bis -12% erwartet Novo Nordisk beim bereinigten Umsatz und operativen Gewinn nun eine Entwicklung zwischen 0 und -6%. Die Wegovy-Pille erzielte seit dem US-Start mehr als 5 Millionen Verschreibungen, verfehlte mit einem Quartalsumsatz von 3,22 Milliarden DKK aber knapp die Erwartungen.

Die Aktie reagiert auf die Amazon-Nachricht kaum und notiert weiterhin bei rund 41 €. Mit einem KGV von etwa 14 und einer Dividendenrendite von rund 3,6% wird Novo Nordisk deutlich günstiger bewertet als Eli Lilly.

ℹ️ Novo Nordisk in Kürze

  • Novo Nordisk (WKN: A3EU6F) mit Sitz in Bagsværd bei Kopenhagen produziert und vermarktet pharmazeutische Produkte und Dienstleistungen.
  • Der Konzern ist der weltweit führende Hersteller von Insulin. Fast jedes dritte Diabetes-Präparat weltweit stammt vom dänischen Pharmakonzern. Außerdem ist Novo Nordisk in den Bereichen Blutgerinnungsmedikamente und Hormonersatztherapien aktiv.
  • Darüber hinaus ist Novo Nordisk eines der weltweit führenden Unternehmen in der Herstellung von Adipositas-Medikamenten (Mittel zur Gewichtsabnahme).
  • Das Unternehmen wird aktuell mit rund 195 Milliarden € bewertet – inklusive der nicht handelbaren A-Aktien.

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Vincent Uhr

Fazit

Die AWS-Partnerschaft löst Novo Nordisks Pipelineprobleme nicht kurzfristig, kann Forschung und Entwicklung aber effizienter machen. Entscheidend bleiben erfolgreiche Studien und neue Zulassungen. Gemessen an den soliden Zahlen und der günstigen Bewertung mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von ca. 14 halte ich die Aktie bei rund 41 € für günstig. Die aktuelle Kursschwäche eignet sich meiner Meinung nach, um sich eine erste Position auf- oder eine noch kleine Position auszubauen.