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Jungheinrich-Aktie: Sind Kurse über 30 € gerechtfertigt?

Ertragsschwäche hält an
Die Jungheinrich-Vorzugsaktie musste seit dem Hoch im Februar bei knapp 40 € herbe Verluste hinnehmen. Seit dem Tief im Juni bei etwa 22,50 € geht es jedoch wieder aufwärts. Am Dienstag notiert sie aktuell bei 24,90 €. Damit stellt sich die Frage: Ist der Kurseinbruch wirtschaftlich gerechtfertigt oder bietet das aktuelle Niveau bereits wieder attraktive Einstiegschancen?

Prognose angepasst

Mit der Veröffentlichung der vorläufigen Zahlen zum zweiten Quartal am 23. Juli wurde auch die Jahresprognose angepasst. Dabei zeigt sich ein deutlich unterschiedliches Bild bei Umsatz und Ertrag.

Aufgrund intensiver Vertriebsaktivitäten wurde die ursprüngliche Umsatzprognose leicht angehoben. Statt eines Konzernumsatzes von 5,4 bis 6,0 Milliarden € werden nun 5,5 bis 6,1 Milliarden € erwartet.

Bei der Ertragslage sieht die Situation dagegen deutlich schlechter aus.

Hoher Wettbewerbsdruck und gestiegene Materialkosten belasten die Profitabilität. Zusätzlich wirkt sich der Streik im Lüneburger Werk negativ aus.

Beim operativen EBIT werden jetzt nur noch 340 bis 400 Millionen € erwartet. Zuvor lag die Prognose bei 380 bis 450 Millionen €. Damit reduziert sich die erwartete EBIT-Marge von 7,2 bis 8,0% auf 6,2 bis 7,0%.

Besonders deutlich ist die Verschlechterung beim Free Cashflow. Dieser soll nun bei mehr als 50 Millionen € liegen, nachdem zuvor rund 250 Millionen € erwartet worden waren.

Die Ertragsprobleme sind damit noch nicht überwunden. Allerdings ist auch zu berücksichtigen, dass die erwarteten Werte weiterhin über dem Vorjahresniveau liegen.

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Ertragslage bleibt unter Druck

Die angespannte Wirtschaftslage setzte sich auch im zweiten Quartal fort. Gegenüber dem ersten Quartal ist allerdings eine leichte Verbesserung zu erkennen.

Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entwickelte sich die Ertragslage dagegen rückläufig.

Das operative EBIT sank von 106 auf 88 Millionen €. Die operative Marge reduzierte sich auf 6,3%.

Auch beim Nettogewinn musste Jungheinrich einen Rückgang hinnehmen. Dieser verringerte sich von 70 auf 47 Millionen €.

Auf der Umsatzseite zeigte sich dagegen ein positives Bild. Der Umsatz stieg von 1,3 auf 1,4 Milliarden € und lag damit auch über dem Wert des Vorquartals von 1,27 Milliarden €.

Damit zeigt sich ein wichtiges Muster: Das Geschäft wächst auf der Umsatzseite, während die Profitabilität noch unter dem schwierigen Marktumfeld leidet.

Transformation bleibt entscheidend

Für die weitere Kursentwicklung wird deshalb entscheidend sein, ob Jungheinrich seine Profitabilität wieder verbessern kann.

Der Konzern verfügt über eine starke Marktposition und profitiert langfristig von der zunehmenden Automatisierung von Lagern und Produktionsprozessen. Gerade in Zeiten steigender Personalkosten gewinnt die Automatisierung der innerbetrieblichen Logistik an Bedeutung.

Kurzfristig bleibt das Umfeld jedoch schwierig. Hoher Wettbewerb, Materialkosten und eine schwache Konjunktur drücken auf die Margen.

Positiv ist deshalb zu werten, dass der Umsatz weiter wächst und die Nachfrage nicht eingebrochen ist. Sollte sich das wirtschaftliche Umfeld verbessern und gleichzeitig das Transformationsprogramm greifen, dürfte sich dies überproportional auf die Ertragslage auswirken.

BaFin-Prüfung sorgt nur begrenzt für Unsicherheit

Zusätzliche Aufmerksamkeit erhielt Jungheinrich durch die Prüfung des Halbjahresberichts 2025 durch die BaFin.

Dabei geht es um die Bewertung von Vermögenswerten im Zusammenhang mit der Veräußerung des Russland-Geschäfts.

Nach aktuellem Stand handelt es sich damit nicht um eine operative Belastung des laufenden Geschäfts. Entsprechend dürfte dieser Faktor für die langfristige Kursentwicklung eine untergeordnete Bedeutung besitzen.

Bewertung

Der starke Kursrückgang seit dem Jahresanfang lässt sich fundamental durchaus teilweise erklären. Insbesondere die gesenkte EBIT-Prognose und der massive Rückgang der Free-Cashflow-Erwartung zeigen, dass Jungheinrich noch mit erheblichen Herausforderungen zu kämpfen hat.

Der Kursverlust von knapp 40 € auf zeitweise rund 22,50 € erscheint aus meiner Sicht jedoch übertrieben.

Denn gleichzeitig wächst der Umsatz, die Marktposition ist weiterhin stark und die aktuellen Prognosen liegen trotz der Anpassung über dem Vorjahresniveau.

Damit bietet die Aktie ein interessantes Chance-Risiko-Verhältnis, sofern Anleger bereit sind, die derzeit schwächere Profitabilität über einen längeren Zeitraum auszuhalten.

ℹ️ Jungheinrich in Kürze

  • Jungheinrich (WKN: 621993) zählt zu den international führenden Anbietern von Geräten in den Bereichen Flürförderzeug-, Lager- und Materialflusstechnik. Eines der Hauptprodukte sind Gabelstapler. Bei allen Unternehmen mit einem Lager sind diese Produkte und Systeme sehr wichtig. Das Unternehmen ist international auf Rang 3, und in Europa auf Rang 2.
  • Neben dem Hauptsitz in Hamburg ist der Konzern in rund 120 Ländern mit Niederlassungen oder Vertragspartnern vertreten.
  • Die Aktie ist im MDAX gelistet und wird aktuell mit knapp 1,2 Milliarden € bewertet.

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Fazit

Aus meiner Sicht ist der Kursrückgang seit dem Hoch bei knapp 40 € zu weit gegangen. Das aktuelle Niveau um 24,70 € bietet daher für Anleger mit längerem Anlagehorizont wieder interessante Einstiegschancen.

Mein erstes Kursziel liegt bei 30 €. Das entspricht einem Potenzial von rund +21%. Gelingt es Jungheinrich, die Profitabilität wieder nachhaltig zu verbessern, halte ich anschließend auch Kurse im Bereich von 35 € für realistisch.

Am Rande erwähnt: Die globale Aufrüstung treibt die Nachfrage nach kritischen Rohstoffen – unser exklusiver Report „Rüstung – Megatrend im Rohstoffsektor“ identifiziert zwei Unternehmen, die von dieser Entwicklung maximal profitieren werden.