Porsche-Aktie: Plötzlich die einzige erfolgreiche deutsche Autoaktie
Eine schonungslose Vergangenheitsanalyse
Bei Porsche dreht sich heute alles um die virtuelle Hauptversammlung. Der neue Chef des Sportwagenbauers Michael Leiters legte dabei den Aktionären eine schonungslose Analyse der aktuellen Krise vor, präsentierte aber gleichzeitig einen Fahrplan für die kommenden Jahre. Zuerst zur Analyse, dann zum Fahrplan.
Leiters räumte ein, dass Porsche in einer schwierigen Phase steckt. Anders lassen sich die Zahlen für das abgelaufene Jahr auch gar nicht interpretieren. Die operative Rendite der Stuttgarter ist im vergangenen Jahr auf extrem magere 1,1% zusammengeschrumpft. 2024 lag sie noch bei 14,1%.
In absoluten Zahlen verkleinerte sich der operative Gewinn von 5,64 Milliarden € auf 413 Millionen €. Vor allem Sonderaufwendungen für Restrukturierungen und US-Zölle belasteten das Ergebnis.
Trotz des extrem herausfordernden Umfelds hat der Vorstand die Finanzprognose für das laufende Geschäftsjahr 2026 bestätigt. Die Umsatzerwartung liegt bei 35 bis 36 Milliarden € und die operative Rendite soll zwischen 5,5 und 7,5% betragen. In dieser Marge sind bereits 800 bis 900 Millionen € an außerordentlichen Aufwendungen für die Neuausrichtung des Autokonzerns und 700 Millionen € für zusätzliche Zollbelastungen enthalten.
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So soll die Zukunft aussehen
Um Porsche krisenfester zu machen und wieder zu einer nachhaltig gesunden Profitabilität zurückzuführen, stellte Leiters die „Strategie 2035“ vor. Sie beruht auf drei Säulen:
Erstens: Porsche will zu seiner Sportwagen-DNA zurückkehren. Die reine Jagd nach Absatz soll in Zukunft vorbei sein und vielmehr die Exklusivität der Marke wieder im Vordergrund stehen – sprich mehr Begehrlichkeit und höhere Preise statt schieres Volumen. Leiters betonte: „Porsche bleibt die Marke für Menschen, die bewusst selbst fahren wollen.“
Zweitens: Die Produktpalette wird ausgemistet. Um Komplexität und Kosten zu senken, wird die Zahl der Modelluntervarianten spürbar reduziert.
Drittens: Die Organisation soll verschlankt werden. Der Konzern wird strukturell angepasst und über alle Ebenen hinweg personell und operativ schlanker aufgestellt. Zudem wird geprüft, Plattformen und Baukästen des VW-Konzerns künftig flexibler zu nutzen.
Charttechnische Spannung
Die Porsche-Aktie befindet sich seit Ende März in einem steilen Aufwärtstrend und kletterte vor wenigen Tagen auf ein neues 12-Monatshoch. Diese Woche könnte es allerdings charttechnisch spannend werden.
Sollte sich der leichte Kursrückgang der vergangenen Tage fortsetzen, würde der Aufwärtstrend durchbrochen werden. Dann könnte der MDAX-Titel wieder auf den Support bei 44,60 € zurückfallen.
Die Bewertung stimmt nicht
Ich kann den jüngsten Kursaufschwung der Porsche-Aktie überhaupt nicht nachvollziehen. Die Bewertung des deutschen Sportwagenbauers ist nach wie vor viel zu ambitioniert.
Das Forward-KGV beträgt gegenwärtig 27. Das ist für einen Autobauer, der in diesem Jahr 2% an Umsatz verlieren und im kommenden Jahr voraussichtlich nur mit ca. 2% wachsen wird sowie operativ fast kein Geld mehr verdient, eine völlig irrationale Bewertung.
Die Profitabilität von Porsche ist ein einziges Trauerspiel. Wie man bei einem durchschnittlichen Neuwagenpreis von rund 137.000 € unter dem Strich kein Geld verdienen kann, ist mir ein komplettes Rätsel. Die operative Marge eines Herstellers von exklusiven Sportwagen sollte weit im zweistelligen Prozentbereich liegen.
Aber „Exklusivität“ ist genau der wunde Punkt von Porsche. Die Sportwagen aus Stuttgart werden immer weniger als exklusiv wahrgenommen. War ein Porsche früher ein absolutes Statussymbol, ist er das heute bei vielen Käufern nicht mehr.
Das gilt vor allem für Autokäufer in China. Sie greifen bei „exklusiven“ Sportmodellen immer häufiger zu Modellen heimischer Hersteller, die bei E-Antrieben Porsche locker das Wasser reichen können.
Porsche ist nicht Ferrari
Ich sehe nicht, wie Porsche angesichts der veränderten Wettbewerbslage wieder zu einer begehrenswerten Automarke werden kann. Mir kommt es so vor, als würden die Schwaben verzweifelt versuchen, die „Klasse statt Masse“-Strategie von Ferrari zu kopieren.
Aber ein Porsche ist nun mal kein Ferrari. Die Italiener produzieren pro Jahr keine 15.000 Autos, die Deutschen hingegen fast 300.000 Stück. Das hat zur Folge, dass ein Ferrari ein extrem knappes und begehrtes Gut ist, für das Sportwagenliebhaber fast jeden Betrag der Welt auf den Tisch legen.
Aktien, an die wir im Gegensatz zu Porsche glauben, findest Du in unserem kostenlosen Report Top-Picks 2026.
ℹ️ Porsche AG in Kürze
- Die Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG (WKN: PAG911) mit Sitz in Stuttgart ist der größte reine Sportwagenhersteller der Welt.
- Die Produktion erfolgt überwiegend in Stuttgart-Zuffenhausen sowie in Leipzig und Bratislava.
- Porsche ist im deutschen Nebenwerteindex MDAX gelistet und an der Börse ca. 21,5 Milliarden € wert.
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Fazit
Wie Porsche in Zukunft wieder eine begehrenswerte Marke werden soll, will das Management erst auf dem Kapitalmarkttag im Oktober verraten. Bis dahin bleibt vieles im Unklaren.
Klar ist aber für mich, dass die aktuelle Bewertung der Porsche-Aktie den Erfolg der neuen Strategie bereits eingepreist hat. Diese Erfolg sehe ich allerdings noch nicht kommen.