Intel-Aktie +9%: Ist die Börse denn total crazy geworden?
Drei massive Kurskatalysatoren
Die Intel-Aktie profitiert zur Wochenmitte von gleich drei massiven Kurskatalysatoren: einem technologischen Meilenstein, Gerüchten über eine gigantische strategische Partnerschaft und einer möglichen Aufspaltung des Konzerns. Der Reihe nach:
Ein technologischer Meilenstein
Die Foundry-Sparte des Chipkonzerns gab auf einem Symposium auf Hawaii bekannt, dass ihr 18A-P-Prozessknoten in die Risikoproduktion übergegangen ist. Das mag hochtechnisch und superlangweilig klingen, ist für Intel aber eine Nachricht von größter Bedeutung.
Dieser Prozessknoten stellt einen bedeutenden technologischen Fortschritt in der 18A-Familie von Intel dar. Der Knotenpunkt liefert eine um 9% höhere Leistung bei gleichem Stromverbrauch oder bei gleicher Leistung einen um 18% reduzierten Stromverbrauch. In Zeiten des gewaltigen Leistungs- und Energiehungers von Rechenzentren ist das ein nicht zu unterschätzender Entwicklungsschritt.
Partnerschaft mit Apple?
Der Megakurskatalysator zur Wochenmitte sind aber Spekulationen, denenzufolge Apple ernsthaft erwägt, sich im großen Stil strategisch bei Intel einzukaufen. Apple ist zwar vor Jahren bei seinen Macs von Intel-Prozessoren auf eigene Chips umgestiegen, lässt diese aber bisher fast ausschließlich beim taiwanischen Riesen TSMC fertigen.
Angesichts der geopolitischen Spannungen um Taiwan sucht Apple händeringend nach Wegen, seine Chip-Lieferkette zu diversifizieren und die Produktion zumindest teilweise in die USA zu verlagern. Ein milliardenschwerer Einstieg bei Intel würde dem Konzern die Liquidität geben, um seine schwächelnde, aber hochmoderne Foundry-Sparte im US-Bundesstaat Ohio massiv auszubauen.
Verstärkt werden diese Gerüchte durch einen Post von US-Präsident Trump auf seiner Social-Media-Plattform Truth Social. Trump forderte die US-Technologiekonzerne ein weiteres Mal auf, die Halbleiterindustrie zurück in die USA zu bringen und listete seine bisherigen Erfolge in Sachen Reshoring auf. In diesem Zusammenhang postete der US-Präsident: „Und schließlich hat Apple zugestimmt, mit Intel zusammenzuarbeiten, um seine Chips in Amerika zu entwerfen und zu bauen.“
Vor einer Entscheidung dürfte Apple aber den Start der 18A-P-Risikoproduktion abwarten. Der iPhone-Hersteller kann es sich nicht leisten, mit Intel ein Risiko in der Auftragsfertigung einzugehen.
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Mögliche Aufspaltung
Und nicht zuletzt verdichten sich in Finanzkreisen die Anzeichen, dass das Intel-Management radikale Schritte plant. Es wird gemunkelt, dass das klassische Chip-Design-Geschäft komplett von der milliardenschweren Auftragsfertigungssparte abgespalten und separat an die Börse gebracht werden könnte.
Anleger und viele Aktionäre fordern diesen Schritt seit Langem, da die enormen Kosten für den Bau neuer Fabriken die Bilanz des profitablen Designgeschäfts seit Jahren erdrücken. Eine Aufspaltung würde wahrscheinlich umgehend massiven Shareholder Value freisetzen.
Neues Allzeithoch
Der extrem steile Aufwärtstrend der Intel-Aktie im April und Mai wurde durch die Kurskorrektur Ende Mai zwar nach unten durchbrochen, doch Mitte Juni sieht es nach einer abermaligen Fortsetzung des Trends aus. Der Kurs spring heute im europäischen Handel auf ein neues Allzeithoch und wird dies am Nachmittag auch im US-Handel tun.
Die Bewertung hat verrückt viel Fantasie
Trotz all dieser zugegebenermaßen guten Nachrichten, bin ich inzwischen skeptisch in Bezug auf die weitere Kursentwicklung der Intel-Aktie eingestellt. Die Bewertung des Chipkonzerns ist meiner Meinung nach völlig aus dem Ruder gelaufen.
Das Forward-KGV ist auf 140 hochgeschnellt. Meiner Überzeugung nach ein absolut untragbares Bewertungsniveau für ein Unternehmen, das in naher Zukunft ein knapp zweistelliges Wachstum erzielt und in den beiden letzten Jahren operativ in den roten Zahlen steckte. Die Börse preist derzeit unfassbar viel Fantasie in die Intel-Aktie ein — ich fürchte, es ist zu viel des Guten.
Zwar profitiert Intel gleichzeitig vom wachsenden Markt für Server-Prozessoren, großen technologischen Fortschritten und einer zunehmenden Renationalisierung der US-Technologiebranche. Aber eine mehr als Versechsfachung des Aktienkurses innerhalb eines Jahres ist mir einfach zu euphorisch.
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ℹ️ Intel in Kürze
- Intel, gegründet 1968 und mit Sitz in Santa Clara in Kalifornien, ist ein US-amerikanischer Technologiekonzern und historisch der weltweit größte Entwickler und Hersteller von Mikroprozessoren.
- Der Konzern besteht aus den zwei Einheiten Products (Design) und Foundry (Auftragsfertigung).
- Intel Products entwickelt Prozessoren für PCs (Core-Serie) und Rechenzentren (Xeon-Prozessoren).
- Intel Foundry produziert Chips auch für Drittkunden, wie beispielsweise Microsoft und Gerüchten zufolge zukünftig auch für Apple.
- Intel ist Mitglied in den US-Leitindizes Nasdaq 100 und S&P 500 und aktuell ca. 610 Milliarden US$ wert.
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Fazit
Ich habe Anleger bereits in meiner letzten Analyse Anfang Mai vor der exorbitant hohen Bewertung der Intel-Aktie gewarnt. Seitdem hat der Kurs zwar noch leicht zugelegt, aber in meinen Augen ist die Luft für Intel inzwischen sehr dünn geworden.
Die Aktie ist „priced to perfection“, wie man so schön auf Finanzenglisch sagt. Jetzt muss bei Intel wirklich alles perfekt laufen — ich glaube nicht, dass es das wird.