stock.adobe.com/ArtStage

Rheinmetall-Aktie: Gelingt ihr denn gar nichts mehr?

Politischer Gegenwind
Die Rheinmetall-Aktie fällt zum Wochenauftakt ein weiteres Mal zeitweilig unter die Kursmarke von 1.200 €. Was drückt auf den Kurs des deutschen Rüstungskonzerns und gelingt Rheinmetall denn überhaupt kein Kursaufschwung mehr?

Ein weiteres Großprojekt vor dem Aus

Hintergrund für den Kursverlust der Rheinmetall-Aktie zum Wochenbeginn sind gleich zwei schlechte Nachrichten: die Entspannung im Nahen Osten und Sorgen um ein europäisches Rüstungsgroßprojekt.

Der konkreteste Belastungsfaktor für Rheinmetall ist ein Medienbericht, demzufolge nach dem endgültigen Aus des geplanten deutsch-französischen Kampfflugzeugs (FCAS) nun auch die Sorgen um das gemeinsame europäische Panzerprojekt MGCS (Main Ground Combat System) wachsen. Mit dem MGCS sollen bis 2040 der deutsche Kampfpanzer Leopard 2 und der französische Leclerc abgelöst werden.

Dem Bericht zufolge liegen Rheinmetall-Chef Armin Papperger Informationen vor, wonach Frankreich plant, sein Budget für das MGCS-Projekt drastisch zusammenzustreichen. An der Börse schürt dies sofort die Angst vor erheblichen Projektverzögerungen oder gar einem kompletten Scheitern dieser langfristigen Rüstungsallianz.

Beim MGCS handelt es sich um ein deutsch-französisches Rüstungsprojekt, an dem neben Rheinmetall der französische Rüstungstechnologiekonzern Thales und das deutsch-französische Unternehmen KNDS beteiligt sind. KNDS entstand aus dem Zusammenschluss von Krauss-Maffei aus Deutschland und Nexter aus Frankreich.

Da die langfristige Finanzierung des MGCS nun unsicherer denn je erscheint, arbeiten Rheinmetall und KNDS Deutschland bereits seit geraumer Zeit an einer eigenen Übergangslösung. Die ersten Kampfpanzer, die inoffiziell als „Leopard 3“ bezeichnet werden, sollen bereits Anfang der 2030er-Jahre einsatzbereit sein.

Wir halten Dich mit unserem kostenlosen SD Insider Newsletter auf dem Laufenden - nicht nur bei Rheinmetall, sondern über alle spannenden Entwicklungen in der Rüstungsbranche.

Dämpfer aus dem Nahen Osten

Flankiert wird dieser Dämpfer von einer einschneidenden geopolitischen Nachricht: Am Wochenende haben die USA und der Iran eine Vereinbarung über einen Waffenstillstand erzielt.

Für einen Rüstungstitel wie die Rheinmetall-Aktie wirkt eine solche diplomatische Annäherung wie ein Bremsklotz. Da die hohe Bewertung von Rüstungsaktien auf der Annahme dauerhaft hoher globaler Verteidigungsausgaben basieren, nehmen Anleger bei Entspannungssignalen reflexartig Gewinne mit.

Öl ins Feuer

Öl ins Feuer goss Ende vergangener Woche auch die Investmentbank Morgan Stanley. In einer neuen Studie warnten ihre Analysten vor einer mittel- bis langfristigen Kürzung der Verteidigungsausgaben.

Die Kreditaufnahmekosten vieler Länder sind laut Morgan Stanley zuletzt gestiegen. In Kombination mit wachsenden Haushaltsdefiziten schürt das die Sorge, dass Länder wie Deutschland oder Frankreich langfristig nicht das Ziel einhalten können, 3 oder gar 5% ihrer Wirtschaftsleistung für Verteidigung auszugeben.

Vor diesem Hintergrund stufte Morgan Stanley den gesamten europäischen Rüstungssektor von bislang „Übergewichten“ auf nunmehr „Neutral“ herab. Die Zeiten des „Sorgloswachstums“ der Branche ist laut Einschätzung der Investmentbank vorbei.

Sie klebt an 1.200 €

Im Chart der Rheinmetall-Aktie ist absolute Ruhe eingekehrt. Seit fast einem Monat klebt sie an der Marke von 1.200 €. Selbst größere Kurskatalysatoren bringen derzeit keine Bewegung in den Aktienkurs, weshalb ich vorerst von einer Fortsetzung des Seitwärtstrends ausgehe.

Nicht davon irritieren lassen

Ich würde mich von den aktuellen Nachrichten nicht irritieren lassen. Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran hatte sowieso keine direkten Auswirkungen auf die Rheinmetall-Aktie und auch das MGCS ist kein Kernprojekt der Düsseldorfer.

Meines Erachtens hat die Rheinmetall-Aktie inzwischen ihren Boden erreicht. Das zeigt nicht nur die minimale Kursreaktion auf die jüngsten Nachrichten im Doppelpack, sondern auch die Bewertung. Mit einem Forward-KGV von 35 ist die Rheinmetall-Aktie für einen Konzern, der 2026 und 2027 mit mehr als 35% wächst und mit einer operativen Marge von 17% ein ordentliches Profitabilitätsniveau erreicht hat, nicht zu hoch bewertet.

Auch der mögliche Beginn von Verhandlungen über einen Waffenstillstand in der Ukraine bereitet mir keine Sorgen. Zum einen glaube ich nicht daran, dass es in naher Zukunft überhaupt dazu kommen wird. Zum anderen basiert ein Großteil des zukünftigen Wachstums von Rheinmetall auf der Aufrüstung der europäischen Armeen zur Abschreckung Russlands. Diese Abschreckung ist auch nach einer Friedenslösung für die Ukraine vonnöten.

Abschließend: Die globale Aufrüstung treibt die Nachfrage nach kritischen Rohstoffen – unser exklusiver Report „Rüstung – Megatrend im Rohstoffsektor“ identifiziert zwei Unternehmen, die von dieser Entwicklung maximal profitieren werden.

ℹ️ Rheinmetall in Kürze

  • Rheinmetall (WKN: 703000) ist ein deutscher Rüstungskonzern und Automobilzulieferer mit Sitz in Düsseldorf.
  • Nach Airbus ist Rheinmetall der zweitgrößte deutsche Hersteller von Rüstungsgütern.
  • Schwerpunkte der Waffenproduktion sind militärische Rad- und Kettenfahrzeuge wie Kampf- und Schützenpanzer sowie Munition.
  • Rheinmetall ist Mitglied in den Leitindizes DAX und EuroStoxx 50. Der Börsenwert liegt aktuell bei rund 57 Milliarden €.

Wenn Du Rheinmetall beobachtest, solltest Du Dir Deinen persönlichen Informationsvorsprung sichern. Im SD Insider Newsletter berichten wir regelmäßig über Entwicklungen bei diesem und ähnlichen Werten – kompakt und ohne Umwege.

Rheinmetall weiter verfolgen – Newsletter kostenlos abonnieren »

Fazit

Die Rheinmetall-Aktie leidet dieser Tage unter (geo-)politischem Gegenwind. Trotzdem rate ich Anlegern zum Kauf des DAX-Titels. Im Gegensatz zu einigen anderen Rüstungstiteln ist die Rheinmetall-Aktie vernünftig bewertet. Das weitere Downside ist meiner Meinung nach sehr begrenzt.