Verbio-Aktie: Iran-Konflikt entscheidet kurzfristig – und danach?
Korrelation mit dem Ölpreis
Verbio produziert neben Biodiesel auch Bioethanol. Beide Produkte stehen in engem Zusammenhang mit der Entwicklung des Erdölpreises. Aus Erdöl werden Benzin und Diesel hergestellt, während Bioethanol Benzin beigemischt wird (E10) und Biodiesel dem herkömmlichen Diesel (B7).
Steigende Kraftstoffpreise erhöhen häufig die Nachfrage nach günstigeren Alternativen wie E10. Sinkende Ölpreise wirken hingegen belastend. Die erste Reaktion auf die Meldungen über ein mögliches Abkommen mit dem Iran zeigte sich daher in deutlich fallenden Ölpreisen.
Hoffnung auf eine dauerhafte Entspannung im Nahen Osten
Nach Aussagen von Donald Trump und pakistanischen Vermittlern soll eine Vereinbarung erzielt worden sein, die in der Schweiz unterzeichnet werden könnte. Offizielle Details liegen bislang jedoch nicht vor. Unter anderem soll die Straße von Hormus wieder vollständig geöffnet werden.
Ob die Tanker den Schiffsverkehr tatsächlich kurzfristig wieder aufnehmen, bleibt abzuwarten. Zudem besteht weiterhin ein Restrisiko durch die Spannungen zwischen Israel und der Hisbollah.
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Langfristig entscheiden die Unternehmenszahlen
Während die kurzfristige Kursentwicklung stark von der geopolitischen Lage beeinflusst wird, sind mittel- und langfristig vor allem die wirtschaftlichen Kennzahlen des Unternehmens entscheidend.
Hier zeigt sich eine deutliche Verbesserung. Neben höheren Absatzmengen bei Biokraftstoffen stiegen auch die Erlöse aus dem Handel mit THG-Zertifikaten erheblich. Mineralölunternehmen, die ihre CO₂-Minderungsziele nicht erreichen, müssen entsprechende Zertifikate erwerben.
In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres erhöhte sich der Konzernumsatz um 16,9% auf 1,34 Milliarden €. Besonders dynamisch entwickelte sich das Segment Bioethanol mit einem Wachstum von 35%. Positiv wirkte sich dabei insbesondere der Hochlauf der Anlage in Nevada aus.
Dank höherer Absatzmengen und verbesserter Preise vervielfachte sich das operative EBITDA von 22,4 auf 105,7 Millionen €. Aus einem Vorjahresverlust von 40 Millionen € wurde ein Gewinn von 22,3 Millionen €. Gleichzeitig sank die Nettofinanzverschuldung auf 127 Millionen €.
Insgesamt präsentierte Verbio sowohl für das dritte Quartal als auch für die ersten neun Monate überzeugende Geschäftszahlen.
Prognose angehoben
Bereits Ende März hatte das Unternehmen seine Prognose deutlich angehoben. Die verbesserte Ertragslage zeichnete sich damals bereits ab. Dieser Trend könnte sich auch im vierten Quartal fortsetzen.
Statt eines EBITDA im hohen zweistelligen Millionenbereich rechnet Verbio nun mit 100 bis 140 Millionen €. Die breite Prognosespanne trägt den Unsicherheiten im Zusammenhang mit dem Iran-Konflikt Rechnung.
Auch bei der Nettofinanzverschuldung wurde die Prognose konkretisiert. Statt eines moderaten Rückgangs erwartet das Unternehmen nun einen Wert von rund 140 Millionen €.
Verbesserte regulatorische Rahmenbedingungen
In der Vergangenheit litt die Branche unter Billigimporten, insbesondere aus China. Zudem gab es immer wieder Vorwürfe hinsichtlich gefälschter Nachhaltigkeitszertifikate.
Mit der Umsetzung der europäischen RED-III-Richtlinie wurden wichtige Schritte eingeleitet, um faire Wettbewerbsbedingungen zu schaffen. Gleichzeitig werden die THG-Quoten gestärkt, was die Rahmenbedingungen für Biokraftstoffhersteller verbessert.
Von diesen Entwicklungen dürfte auch Verbio profitieren.
ℹ️ Verbio in Kürze
- Die Verbio SE ist einer der führenden Bioenergieproduzenten und gleichzeitig der einzige großindustrielle Hersteller von Biodiesel.
- Neben dem Hauptsitz in Leipzig befinden sich Produktionsstätten in Deutschland, Polen und den USA. In Indien ist eine Anlage im Bau.
- Das im SDAX gelistete Unternehmen wird mit rund 2 Milliarden € bewertet.
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Fazit
Sollte sich die geopolitische Lage im Nahen Osten dauerhaft entspannen, könnten die Ölpreise stabil bleiben oder weiter sinken.
Kurzfristig würde dies die Verbio-Aktie belasten. Mittelfristig sprechen jedoch die verbesserte Ertragslage für das Unternehmen. Vorerst sollten Anleger jedoch abwarten.
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Interessenkonflikt: Der Autor hält Aktien des besprochenen Unternehmens Verbio. Somit besteht konkret und eindeutig ein Interessenkonflikt. Der Autor beabsichtigt, die Aktien – je nach Marktsituation auch kurzfristig – zu kaufen oder zu veräußern und könnte dabei von erhöhter Handelsliquidität profitieren.