Infineon-Aktie: Jetzt auch noch ein Quantencomputing-Player?
Eine KI-Chip-Aktie
Infineon wird an der Börse immer mehr als KI-Chip-Aktie gesehen. Das zeigte auch der herbe Einbruch des Aktienkurses am vergangenen Freitag.
Aufgrund der stärker als erwartet ausgefallenen US-Arbeitsmarktdaten und der damit verbundenen Sorge vor einer schnelleren Zinserhöhung der US-Notenbank, gerieten vor allem hoch bewertete KI-Chipwerte massiv unter Verkaufsdruck. Infineon wurde von diesem Sog mit in die Tiefe gerissen.
Doch zum Wochenbeginn dominieren bereits wieder die Bullen das Geschehen. Das hat möglicherweise auch ein wenig mit dem Börsengang der Honeywell-Quantencomputer-Tochter Quantinuum zu tun, die den Fokus der Finanzmärkte abermals auf das Thema Quantencomputing verschob. Bislang ist Infineon gar nicht als Player in diesem Bereich bekannt — völlig zu Unrecht.
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Und auch noch eine Quantencomputing-Aktie?
Der deutsche Halbleiterkonzern hat sich in den letzten Jahren zu einem der weltweit wichtigsten Hardware-Zulieferer im Bereich des Quantencomputings entwickelt. Während Tech-Riesen wie Google oder IBM oft die fertigen Quantencomputer bauen, konzentriert sich Infineon auf das, was der Halbleiterkonzern am besten kann: die Skalierung, die Mikrochips und die Steuerungselektronik im Hintergrund, um Quantencomputer überhaupt erst massentauglich zu machen.
Ein Hauptfokus von Infineon liegt auf sogenannten Ionenfallen-Quantencomputern. Hierbei werden einzelne Ionen (geladene Atome) mithilfe von elektromagnetischen Feldern in der Schwebe gehalten und dienen als Qubits (die Recheneinheiten).
Die präzisen Fallenstrukturen müssen auf Halbleiterchips untergebracht werden. Infineon fertigt diese hochkomplexen Ionenfallen-Chips in seinen Werken. Da Infineon die Chips standardisiert und in Serie produzieren kann, löst das Unternehmen eines der größten Probleme der Quantenphysik: den Schritt aus dem Labor in die industrielle Massenfertigung.
Neben Ionenfallen arbeitet Infineon auch an supraleitenden Systemen. Das größte Problem hierbei: Diese Computer arbeiten nur bei Temperaturen nahe dem absoluten Nullpunkt (ca. -273 °C). Normale Steuerelektronik versagt bei dieser extremen Kälte.
Infineon entwickelt spezielle Kontroll- und Auslesechips (sogenannte Kryo-CMOS-Schaltkreise), die direkt in der eisigen Umgebung des Quantenprozessors sitzen können. Das verhindert ellenlange Kabelbäume, die Wärme in das System leiten und die empfindlichen Qubits stören würden.
Quantencomputer werden in Zukunft in der Lage sein, heutige Verschlüsselungsverfahren in Sekundenschnelle zu knacken. Infineon baut deshalb bereits heute Sicherheitschips, die quantensicher sind.
Das Unternehmen integriert Post-Quanten-Kryptografie (PQK) in seine Sicherheits-Mikrocontroller (z. B. für Personalausweise, Bankkarten oder automobile Steuergeräte). Diese Chips nutzen mathematische Verfahren, die selbst von den mächtigsten Quantencomputern der Zukunft nicht entschlüsselt werden können.
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Die Trendwende droht
Der steile Aufwärtstrend der Infineon-Aktie wurde durch den massiven Kursrückgang zum Wochenschluss nach unten durchbrochen. Nun muss der DAX-Titel diesen Einbruch sehr schnell aufholen, um den Trend noch intakt zu halten. Ansonsten droht eine charttechnische Trendwende.
Zu viel Fantasie in der Bewertung
Der Analystenkonsens für die Infineon-Aktie liegt derzeit bei ca. 80 € und damit leicht unter dem aktuellen Kursniveau. Diesen Pessimismus der Analysten teile ich nicht, sehe momentan aber auch kein großes Upside.
Für Infineon ist das Quantencomputing derzeit noch ein stark forschungsorientiertes Feld mit kleineren Umsätzen. Aber das kann sich in den kommenden Jahren ändern. Der Konzern schlägt die industrielle Brücke zwischen theoretischer Physik und praktischer Chip-Massenfertigung. Diese Brückenfunktion könnte Infineon noch zu einem der zukünftigen wichtigsten Player im Hintergrund machen.
Problematisch finde ich derzeit allerdings die Bewertung der Infineon-Aktie. Hier scheint bereits ziemlich viel Quantencomputerfantasie eingepreist zu sein. Das Forward-KGV auf Basis der Gewinnschätzung 2027 liegt bei 35. Das ist mir etwas zu fantasievoll.
ℹ️ Infineon in Kürze
- Infineon (WKN: 623100) gehört zu den führenden internationalen Herstellern von Halbleitern. Die Schwerpunkte dabei liegt bei der Energieeffizienz, der Mobilität sowie der Sicherheit. Die Chips von Infineon finden sich in fast allen Geräten des modernen Lebens.
- Hauptsitz des Unternehmens ist in Neubiberg bei München, daneben unterhält der Konzern weltweit Niederlassungen.
- Infineon notiert in den Leitindizes DAX und EuroStoxx 50 und ist aktuell ca. 106 Milliarden € wert.
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Fazit
Ich rate Anleger, auf eine größere Kurskorrektur der Infineon-Aktie zu warten. Sobald die Bewertung wieder auf ein etwas vernünftigeres Niveau gesunken ist, ist der Chiphersteller wieder einen Kauf wert.