BYD-Aktie: Ganz große Ankündigungen
Weltmarktführer nach Stückzahlen
Eigentlich lieferte die heutige Jahreshauptversammlung genügend Gründe für einen Kursaufschwung der BYD-Aktie. BYD-Gründer und Vorstandschef Wang Chuanfu machte eine ganze Reihe extrem selbstbewusster und strategisch weitreichender Ankündigungen.
Die ambitionierteste Kernbotschaft war wohl, dass BYD innerhalb der nächsten fünf Jahre Weltmarktführer nach Stückzahlen in der Automobilindustrie werden will. Angesichts der enormen Dynamik chinesischer Autobauer auf dem globalen Markt betonte er, dass die Produkte von BYD in puncto Preis, Technologie und Nutzererfahrung die ausländische Konkurrenz bereits jetzt in vielen Bereichen übertreffen.
Das ohnehin ambitionierte Ziel, im Gesamtjahr 2026 rund 1,6 Millionen Fahrzeuge außerhalb Chinas zu verkaufen, wird nach Meinung des BYD-Chefs übertroffen werden. Vor allem in Regionen wie Südamerika, Australien, Südostasien und dem Nahen Osten verzeichnet der Konzern ein extrem starkes wachsen Wachstum.
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Autonomes Fahren und neue Ladetechnologien
Gleichzeitig tritt Build Your Dreams auch in Sachen autonomes Fahren mächtig aufs Gas. Mit bereits 3,15 Millionen „intelligenten“ BYD-Autos auf den Straßen sammelt der Konzern täglich rund 200 Millionen Kilometer an Fahrdaten – ein gigantischer Schatz für das Training eigener KI-Modelle.
Wang erklärte, dass autonome Systeme der Stufen L3 und L4 viel schneller marktreif sein werden als gedacht. BYD sei technologisch bei Chips, Algorithmen und Datenökosystemen voll einsatzbereit. Sobald die gesetzlichen Regelungen in den jeweiligen Ländern stehen, könne BYD das System sofort über Over-the-Air-Updates ausrollen.
Neben dem autonomen Fahren drückt BYD auch in der Batterie- und Ladetechnologie aufs Tempo. In den nächsten zwei Jahren wird der Autokonzern die zweite Generation der Blade-Battery und eine neue „Flash“-Ladetechnologie einführen.
Und nicht zuletzt will BYD seine Postion im Premium-Bereich festigen, um dem ruinösen Wettbewerb bei Klein- und Mittelklassewagen in China ein Stück weit zu entgehen und seine Marge zu erhöhen. Zu diesem Zweck stellte der Autohersteller mit dem „Great Tang“ und dem „Great Han“ zwei neue Luxusmodelle vor, die eine Reichweite von rund 1.000 Kilometern besitzen.
Eine schlechte Nachricht
Gleichzeitig gab es aber auch negative Nachrichten — nicht von BYD selbst, sondern von der anderen Seite des Pazifiks. Die US-Regierung setzte eine Reihe chinesischer Unternehmen, darunter auch Build Your Dreams, auf eine „Schwarze Liste“, genauer gesagt auf die Section 1260H List. Auf dieser Liste werden Unternehmen verzeichnet, denen die USA Verbindungen zum chinesischen Militär nachsagen.
Laut Pentagon existieren in der Volksrepublik zahlreiche Unternehmen, die im Rahmen einer militärisch-zivilen Fusionsstrategie sowohl Konsum- als auch militärische Güter produzieren. BYD soll eines von ihnen sein. Zwar bringt die Aufnahme auf die Schwarze Liste keine Konsequenzen mit sich. Trotzdem ist es ein deutlicher Warnschuss vor den Bug von BYD.
Es sieht düster aus im Chart
Das Chartbild der BYD-Aktie sieht düster aus. Seit Anfang April befindet sich der Autotitel in einem Abwärtskanal, der auch nicht durch einen kurzzeitig Aufschwung Anfang Juni durchbrochen werden konnte.
Nun ist der Aktienkurs zum ersten Mal seit Februar wieder unter die 10 €-Marke gefallen. Ein Ende des Abwärtstrends ist derzeit nicht in Sicht.
Ankündigungen sind das eine, die Realität eine andere
Ich stehe der BYD-Aktie schon seit längerem skeptisch gegenüber. Die Ankündigungen auf der Jahreshauptversammlung mögen allesamt hervorragend klingen, aber die Realität sieht anders aus.
Auf dem chinesischen Heimatmarkt hat BYD in den letzten Monaten kontinuierlich Marktanteile verloren. Diese Verluste konnten auch nicht über das starke Wachstum im Ausland überkompensiert werden.
Anleger sollten sich nicht vom rasanten Auslandswachstum täuschen lassen. Noch ist die Basis von BYD in Übersee sehr klein, was die hohen Wachstumsraten erklärt. Ich gehe davon aus, dass die Wachstumsdynamik in den kommenden Jahren deutlich nachlassen wird.
BYD hat meiner Einschätzung nach keinen technologischen Vorsprung mehr gegenüber anderen Autoherstellern. Und die schlechte Entwicklung der Bruttomarge in jüngster Vergangenheit zeigt mir, dass der Autokonzern auch keinen wesentlichen Kostenvorteil im Wettbewerbsvergleich hat. Dass die BYD-Aktie vor diesem Hintergrund mit einem Forward-KGV von rund 19 erheblich höher bewertet ist als die anderer Massenhersteller wie Volkswagen oder Toyota, kann ich überhaupt nicht nachvollziehen.
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ℹ️ BYD in Kürze
- BYD („Build your dreams“) (WKN: A0M4W9) ist ein chinesischer Mischkonzern, der vor allem im Bereich der Herstellung von Akkumulatoren und Automobilen tätig ist.
- Der im chinesischen Shenzhen ansässige Konzern stieg 2023 zum weltgrößten Hersteller von Elektroautos auf.
- Mit einer Marktkapitalisierung von rund 101 Milliarden € zählt BYD zu den wertvollsten Konzernen Chinas.
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Fazit
Die vollmundigen Ankündigungen auf der BYD-Hauptversammlung sind eine Seite der Medaille. Die Realität ist die andere Seite der Medaille und sie sieht viel düsterer aus. Die Erfolgsgeschichte des Autokonzerns in China ist zu Ende. Nun muss sie im Ausland funktionieren — Ausgang ungewiss. Die Bewertung der BYD-Aktie nimmt aber einen Erfolg vorweg.