POET Technologies-Aktie: Nerven behalten oder Nerven verlieren?
Aktionäre von POET Technologies brauchen nach wie vor Nerven aus Stahl. Nach einer atemberaubenden Kursexplosion in den ersten beiden Maiwochen kollabierte der Kurs der POET Technologies-Aktie am Freitag um -22%. Am Montagmorgen sieht es aber wieder nach einem freundlichen Start in die Handelswoche aus. Wie könnte es mit der POET-Aktie nun weitergehen?
Ein strategischer Meilenstein
Bevor ich eine Antwort auf diese Frage gebe, will ich kurz auf die Gründe für die jüngste Kursrallye und den -einbruch der POET Technologies-Aktie eingehen. Auslöser der Rallye war eine Vereinbarung von POET mit dem Interconnect-Unternehmen Lumilens, die man mit Fug und Recht als strategischen Meilenstein bezeichnen muss. Das Abkommen umfasst eine Kombination aus technischer Zusammenarbeit, einem massiven Liefervertrag und einer tiefen finanziellen Verflechtung.
Lumilens platzierte eine feste Erstbestellung für POETs optische Engines im Wert von 50 Millionen US$. Das Geld fließt allerdings nicht sofort, sondern ist an die erfolgreiche Entwicklung, Qualifizierung und das fehlerfreie Skalieren der Produktion gekoppelt.
Zudem sieht die Vereinbarung zwischen POET Technologies und Lumilens einen Fünf-Jahres-Rahmen vor, in dem sich das Bestellvolumen auf über 500 Millionen US$ erweitern kann. Voraussetzung ist auch hier die erfolgreiche Skalierung der Produktion.
Daüber hinaus vereinbarten die beiden Tech-Unternehmen die gemeinsame Entwicklung von Wafer-Level-Fotoni-Modulen. Diese integrieren optische und elektronische Komponenten direkt auf Chipebene. Das spart im Vergleich zur klassischen Montage massiv Kosten und erhöht die Übertragungsraten für KI-Infrastrukturen extrem (z. B. für 800G- und 1.6T-Transceiver). Erste Engineering-Samples werden für Ende 2026 erwartet. Der eigentliche Produktionshochlauf für den kommerziellen Einsatz bei großen Hyperscale-Rechenzentren ist für 2027 geplant.
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Und nicht zuletzt werden sich POET und Lumilens auch über eine finanzielle Partnerschaft langfristig aneinander binden. Lumilens erhielt im Rahmen des Deals ein neunjähriges Optionsrecht zum Kauf von bis zu 22,9 Millionen POET-Stammaktien. Der Ausübungspreis wurde auf 8,25 US$ pro Aktie festgelegt.
Nur rund ein Zehntel dieser Optionen ist sofort ausübbar. Der große Rest ist an strikte Bedingungen geknüpft – Lumilens kann diese günstigen Aktien nur dann erwerben, wenn sie im Gegenzug weitere verbindliche Bestellungen bei POET einreichen.
Warum dann der Kurssturz?
Nach der Euphorie rund um den Lumilens-Deal sorgte POET Technologies zum Wochenschluss für extrem schlechte Laune an der Börse. Das Tech-Unternehmen schockierte die Börse nämlich mit der Ankündigung einer gewaltigen Kapitalerhöhung.
POET will 400 Millionen US$ an frischem Kapital aufnehmen. Hierfür werden 19,05 Millionen neue Stammaktien ausgegeben. Der Haken für Aktionäre ist, dass es zu jeder neuen Aktie einen Optionsschein für eine weitere Aktie gibt (mit einem Ausübungspreis von 26,15 $). Das bedeutet für die bestehenden Aktionäre eine massive Verwässerung ihrer Anteile.
Angesichts dieser Kapitalmaßnahme gingen die Quartalszahlen von POET Technologies völlig unter. Der Umsatz in Höhe von 0,5 Millionen US$ war zwar doppelt so hoch wie der Analystenkonsens, aber unter dem Strich stand ein Nettoverlust von -0,08 US$ je Aktie, der über der Markterwartung von -0,05 US$ je Aktie lag.
Kommt jetzt die Trendumkehr?
Eine Chartanalyse der POET Technologies-Aktie ist dieser Tage kaum möglich. Der Aktienkurs reagiert extrem sensibel auf jede Meldung.
Der jüngste Aufwärtstrend wurde durch den Kurssturz am Freitag zwar nach unten durchbrochen. Das muss aber meiner Meinung nach nicht heißen, dass es nun zu einer Trendumkehr kommt.
Das darf einen nicht abschrecken
Ich habe die POET Technologies-Aktie nach ihrem Kurssturz Ende April spekulativ eingestellten Anlegern zum Kauf empfohlen und bislang mit meiner Empfehlung Recht behalten. Ich stehe auch weiterhin zu meiner Kaufempfehlung.
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Die strategische Partnerschaft mit Lumilens zeigt, dass die Technologie von POET der Halbleiterbranche einen extrem großen Mehrwert bringt. Dass das Unternehmen zum Ausbau seiner Produktion auf frisches Kapital angewiesen ist, darf niemanden verwundern.
Lumilens hat zweifellos einen sehr attraktiven Ausübungspreis für seine Optionsscheine ausgehandelt. Aber das ist eben der Preis, den ein junges Technologieunternehmen wie POET, das seine Technologie groß skalieren will, bezahlen muss. Auch das schreckt mich nicht.
ℹ️ POET Technologies in Kürze
- POET Technologies (WKN: A3DWD8) mit aktuellem Sitz in Toronto ist ein Technologieunternehmen and der Schnittstelle von Elektronik und Lichtwellenleitertechnik (Photonik).
- Das Unternehmen entwickelt Lösungen, um den massiven Energieverbrauch und die Geschwindigkeitsbegrenzungen moderner KI-Rechenzentren zu überwinden.
- Das Herzstück des Tech-Unternehmens ist der POET Optical Interpose — eine Plattform, die es ermöglicht, elektronische Komponenten (wie Mikrochips) und optische Komponenten (wie Laser) auf einem einzigen Chip zu vereinen.
- Statt Daten mühsam und energieintensiv über Kupferkabel oder komplexe externe optische Module zu schicken, ermöglicht POET die Kommunikation mit Licht direkt auf der Chipebene.
- POET Technologies notiert an der Technologiebörse Nasdaq und ist ca. 2,40 Milliarden US$ wert.
Fazit
Ich rate Anlegern, größere Kursrücksetzer der POET Technologies-Aktie für einen Kauf zu nutzen. Das Unternehmen ist und bleibt einer der spannendsten Werte der gesamten Tech-Branche. Die Bewertung von POET ist jenseits von Gut und Böse. Aber auch ist für einen Hotstock mit so viel Potenzial völlig normal.