Rheinmetall-Aktie -6%: Warum will sie plötzlich niemand mehr?
Die Talfahrt der Rheinmetall-Aktie setzt sich fort. Nachdem der Kurs des deutschen Rüstungskonzerns bereits am Donnerstag um -6% nachgegeben hat, setzt sich der Einbruch am Freitagvormittag in derselben Größenordnung fort. Warum wollen Anleger plötzlich nichts mehr von einstigen Börsenliebling wissen und haben sie denn Recht mit dem Abverkauf?
Die Zahlen kommen nicht gut an
Den aktuellen Einbruch der Rheinmetall-Aktie kann man als klassische Reaktion auf eine Enttäuschung auf hohem Niveau beschreiben. Er ist auf die jüngsten Quartalszahlen und neue Einschätzungen von Analysten zurückzuführen. Erst die Zahlen, dann die Analystenstimmen.
Mit einem Umsatz von 1,94 Milliarden € wuchs Rheinmetall im ersten Quartal zwar um 8% gegenüber dem Vorjahr, verfehlte aber deutlich die Erwartungen der Analysten. Sie lagen um rund 400 Millionen € höher. Grund für den gewaltigen Umsatz-Miss war die nicht rechtzeitige Auslieferung von Fahrzeugen und Munition im Wert von rund 300 Millionen €. Diese Umsätze werden nun erst im zweiten Quartal verbucht.
Der operative Gewinn von Rheinmetall kletterte um 33 Millionen € gegenüber dem Vorjahr auf 224 Millionen €. Auch hier verfehlte der Rüstungskonzern den Analystenkosens von 262 Millionen €. Die operative Marge erhöhte sich auf Jahressicht von 10,5 auf 11,6%.
Der Ausblick auf das Gesamtjahr wurde von Rheinmetall bestätigt. Das Management um CEO Papperger rechnet mit einem Umsatzwachstum von 40 bis 45% auf 14,0 bis 14,5 Milliarden €. Die operative Marge soll sich von ca. 18,5% im Vorjahr auf 19,0% verbessern.
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Das ist eine Klatsche
Neben den unerwartet schwachen Zahlen sorgte zweifellos auch eine drastische Abstufung einer renommierten Bank für Verkaufsdruck auf die Rheinmetall-Aktie. Die US-Großbank JPMorgan senkte ihr Rating von bislang „Übergewichten“ auf nunmehr „Neutral“ und verringerte im gleichen Atemzug ihre Kursziel für die Rheinmetall-Aktie von 2.130 auf 1.500 €.
Damit sehen die Experten von JPMorgan zwar immer noch ein Upside von +20% für den Rüstungswert. Aber eine Kurszielreduktion von 30% ist bei einem DAX-Unternehmen ein seltenes Ereignis und kann als ziemliche Klatsche bezeichnet werden.
Grund für die Neubewertung der Rheinmetall-Aktie durch JPMorgan ist die Einschätzung, dass der Konzern derzeit nicht die hohen Erwartungen des Marktes erfüllen kann. Laut US-Bank verfehlte Rheinmetall in den letzten zwei Quartalen die Marktprognosen. Vor diesem Hintergrund schraubten die Analysten ihre Gewinnerwartungen für dieses und die kommenden Jahr(e) zurück.
Ein rabenschwarzer Tag
Charttechnisch ist heute ein rabenschwarzer Tag für die Rheinmetall-Aktie. Sie durchbricht ihren bisherigen Support und stürzt auf ein neues 12-Monatstief.
Nun ist sogar der Weg frei bis zur Kursmarke von 1.180 €. Spätestens dort sollte die Rheinmetall-Aktei einen Halt finden, um nicht in Gefahr zu geraten, auf dreistellige Kurswerte abzurutschen.
Analysten sind bullisch und die Bewertung stimmt
Fast alle Analysten raten immer noch zum Kauf der Rheinmtall-Aktie. Die Kursziele vieler Banken und Analysehäuser, darunter Jefferies, die Deutsche Bank und Bernstein Research, liegen über 2.000 €. Selbst Banken, die ihre Kursziele zuletzt deutlich nach unten korrigierten, wie JPMorgan und Goldman Sachs, sehen noch ein weiteres Upside für den DAX-Titel.
Auch ich sehe im jüngsten Kursrückgang der Rheinmetall-Aktie eine gute Kaufgelegenheit, denn die Bewertung ist inzwischen vorteilhaft. Rheinmetall wird im laufenden Jahr wahrscheinlich mit knapp über 40% wachsen. Für 2027 rechnen Analysten mit einem leichten Wachstumsrückgang auf rund 35%.
Gleichzeitig dürfte dem Rüstungskonzern eine leichte Margenverbesserung gelingen. In Summe ist das für mich eine Geschäftsentwicklung, die ein ambitioniertes Forward-KGV von 40 rechtfertigt.
An dieser Stelle: Die globale Aufrüstung treibt die Nachfrage nach kritischen Rohstoffen – unser exklusiver Report „Rüstung – Megatrend im Rohstoffsektor“ identifiziert zwei Unternehmen, die von dieser Entwicklung maximal profitieren werden.
Meiner Ansicht nach leidet die Rheinmetall-Aktie derzeit auch unter einem negativen „Nachrichtensentiment“. Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran ist momentan eingefroren. Und im Ukraine-Krieg scheinen weder Russland noch die Ukraine die Kraft und die Mittel zu besitzen, irgendeine Wende herbeizuführen. Für einen Rüstungskonzern wie Rheinmetall sind das nicht unbedingt gute Nachrichten.
ℹ️ Rheinmetall in Kürze
- Rheinmetall (WKN: 703000) ist ein deutscher Rüstungskonzern und Automobilzulieferer mit Sitz in Düsseldorf.
- Nach Airbus ist Rheinmetall der zweitgrößte deutsche Hersteller von Rüstungsgütern.
- Schwerpunkte der Waffenproduktion sind militärische Rad- und Kettenfahrzeuge wie Kampf- und Schützenpanzer sowie Munition.
- Rheinmetall ist Mitglied in den Leitindizes DAX und EuroStoxx 50. Der Börsenwert liegt aktuell bei rund 59 Milliarden €.
Fazit
Ich glaube, dass Anleger auf dem aktuellen Kursniveau mit einem Investment in die Rheinmetall-Aktie wenig falsch machen können. Das Downside halte ich inzwischen für gering. Dafür bietet der DAX-Wert ein langfristig immer noch interessantes Upside.