ThyssenKrupp-Aktie: Kaufen, halten oder Verkaufen – was ist ratsam?

Eine Analyse

Die ThyssenKrupp-Aktie bleibt weiterhin hoch volatil. Nach einem Anstieg auf rund 12 € fiel sie bis März wieder auf 7,20 €. Mittlerweile erholte sie sich wieder und steht am Montag aktuell bei 9,05 €. Besitzt sie weiteres Potenzial und was sollten Anleger beachten?

ThyssenKrupp
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Verhandlungen gehen weiter

Bei den zurzeit laufenden Verhandlungen mit Jindal über einen Kauf oder Einstieg der Stahlsparte gibt es bisher immer noch keine Klarheit. Anfangs war ein Abschluss bis Anfang 2026 geplant. Das zeigt, dass es wahrscheinlich sehr unterschiedliche Einschätzungen über die Zukunftsaussichten der Stahlsparte gibt. Ein großes Problem dürften die Pensionsrückstellungen sein. Jindal dürfte an der Übernahme dieser Verpflichtungen wenig Interesse haben.

In einem Spiegel-Interview äußerte sich der CEO Miguel López wie folgt:

Ich werde den Stahl nicht verramschen. Das gelte für alle, die daran interessiert sind.

Das bedeutet, dass der Essener Stahlkonzern notfalls die Stahlsparte in Eigenregie fortführe. Es gilt weiterhin abzuwarten, wie die Due-Diligence-Prüfung ausfällt. Eine Entscheidung sollte aus meiner Sicht bis spätestens Ende Juni getroffen werden.

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Rohstahlerzeugung erholt sich

Zuletzt meldete der Verband der Stahlerzeuger, dass sich die produzierte Stahlmenge im ersten Quartal auf 9 Millionen € erhöhte. Auf das Jahr hochgerechnet bedeutet das ein Herstellungsvolumen von 37 Millionen Tonnen. 2025 lag sie bei 34,1 Millionen Tonnen.

Laut Verbandsaussagen bedarf es einer Menge von 40 Millionen Tonnen für eine vernünftige Auslastung der Kapazitäten.

Ein wichtiger Baustein für die Erholung sind die EU-Zölle auf Billigimporte. Die Menge der zollfreien Importe wurde um 47% auf 18,3 Millionen Tonnen reduziert. Auf darüber hinausgehende Mengen werden zukünftig 50% Zölle erhoben.

Was bedeutet das für die Aktie?

Der starke Kursrückgang im März beruhte hauptsächlich auf dem Iran-Konflikt und den damit gestiegenen Kosten für Erdöl und Erdgas. Die derzeitige Waffenruhe führte zu einer Erholung der Aktie. Für den kurzfristigen Kursverlauf sind die weiteren Entwicklungen im Iran-Konflikt entscheidend.

Sollte der Einstieg von Jindal scheitern, führt das zu einem kurzfristigen Kursrückgang. Durch das Restrukturierungsprogramm sieht sich der Konzern jedoch gut gerüstet, um die Stahlsparte in Eigenregie weiterzuführen. Die Kapazitäten werden angepasst. Verbunden ist das mit einem erheblichen Personalabbau.

Positive Impulse kamen zuletzt von der Marinetochter TKMS. Hier nehmen die Auftragseingänge weiter zu. Brasilien ist an weiteren Fregatten interessiert.

Bei dem jetzigen Kursniveau halte ich das Kurspotenzial für begrenzt und rechne mit einem Kursverlauf in der Range von 8 bis 11 €. Kurse wie zuletzt unter 8 € eignen sich für einen Einstieg.

Die Analysten kommen zu sehr unterschiedlichen Zielkursen; deren Bandbreite reicht von 9 bis 13 €. Jefferies bleibt weiterhin sehr zuversichtlich und verweist auf die neuen EU-Zölle.

Mein Fazit: Die Belastungsfaktoren bestehen weiterhin. Wer hier einsteigt, sollte eine konsequente Trading-Strategie verfolgen.

Übrigens: KI sorgt für Disruption bei Software-Firmen. Welche Unternehmen stark betroffen sind, lest Ihr im The Unlucky Seven Report.

ℹ️ Thyssenkrupp in Kürze

  • Thyssenkrupp mit Hauptsitz in Essen ist ein diversifizierter Industrie- und Technologiekonzern mit Schwerpunkt in der Stahlherstellung.
  • Der Konzern ging 1999 aus der Fusion der beiden Traditionsunternehmen Friedrich Krupp AG und Thyssen AG hervor.
  • Thyssenkrupp ist im Nebenwerteindex MDAX notiert und ist aktuell rund 5,6 Milliarden € wert.
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