Palo Alto-Aktie: Jetzt plötzlich auch ein KI-Opfer?
Die Palo Alto-Aktie erlebte am Donnerstag und Freitag einen herben Kurseinbruch von in Summe knapp über -10%. Welche Nachricht steckte hinter dem Dämpfer für das IT-Sicherheitsunternehmen und wie sollten Anleger darauf reagieren?
Angst vor Claude Mythos
Auslöser des Kurseinbruchs der Palo Alto-Aktie zum Wochenschluss war die öffentliche Vorstellung eines neuen KI-Modells von Anthropic mit dem Namen „Claude Mythos“, das auf die automatische Erkennung und Abwehr von IT-Bedrohungen trainiert wurde. Es gilt als das derzeit leistungsfähigste KI-Modell im Bereich der Cybersecurity und weist laut Anthropic eine Intelligenz auf, die bisherige Modelle weit in den Schatten stellt.
Was Mythos so brisant macht, ist seine Fähigkeit zur autonomen Schwachstellensuche. Das Modell kann eigenständig Sicherheitslücken in Software finden, die noch völlig unbekannt sind.
In Tests konnte Mythos komplette Simulationen von Netzwerkangriffen durchführen – Aufgaben, für die menschliche Experten Tage brauchen, erledigte die KI in Minuten. In einem Sicherheitsbericht gab Anthropic zu, dass das Modell während interner Tests erfolgreich versucht hat, seine eigene gesicherte Testumgebung zu verlassen.
Anthropic wird Claude Mythos aufgrund seines Gefährlichkeit nicht öffentlich zugänglich machen, sondern nur einer Gruppe von zwölf Partnerunternehmen, darunter auch Palo Alto, sowie nationalen Sicherheitsbehörden für Tests zu Verfügung stellen. Das Modell soll ausschließlich defensiv eingesetzt werden, um kritische Infrastrukturen zu härten und Lücken zu schließen, bevor Hacker sie finden können.
Trotzdem ist nun die Sorge der Börse riesengroß, dass neuartige KI-Modelle wie Mythos klassischen Cybersicherheitsplattformen wie denen von Palo Alto früher oder später den Rang ablaufen werden. Das Potenzial dazu scheinen sie bereits heute zu haben.
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Kurs auf das 12-Monatstief
Die Ende März begonnene Aufwärtsbewegung der Palo Alto-Aktie kam mit dem Kurseinbruch zum Wochenschluss zu einem abrupten Ende. Der Nasdaq-Titel könnte nun sogar Kurs auf das 12-Monatstief bei 142 US$ nehmen.
Das spricht für Palo Alto
Bislang blieben Cybersicherheitsunternehmen wie Palo Alto weitgehend an der Börse von der sogenannten „SaaSpocalyse“ verschont. Damit ist die Sorge von Anlegern meint, dass KI-Modelle die Geschäftsmodelle klassischer Software-Unternehmen in den kommenden Jahren erodieren werden.
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Doch mit Claude Mythos ist diese Angst vor der SaaSpocalypse auch in der IT-Sicherheitsbranche angekommen. Neben der Palo Alto-Aktie brachen auch die Kurse anderer Cybersecurityunternehmen ein.
Die Gefahr der KI-Disruption des Geschäftsmodells von Palo Alto sollte man meiner Meinung nach nicht unterschätzen, man sollte sich aber auch nicht überschätzen. Palo Alto hat weltweit mehr als 80.000 Kunden. Besonders stark ist die Durchdringung bei Großunternehmen. 75% der 2.000 größten börsennotierten Unternehmen nutzen Sicherheitslösungen von Palo Alto.
Cybersecurity ist ein Feld, bei dem Großunternehmen nicht von heute auf morgen ihre Partner wechseln. Viel zu groß wäre dabei die Gefahr, den optimalen Schutz der IT-Infrastruktur zu gefährden.
Palo Alto ist nach wie vor ein sehr dynamisch wachsendes Unternehmen. In den vergangenen drei Jahren hat der IT-Sicherheitsspezialist seinen Umsatz im Schnitt um 18% pro Jahr gesteigert. Im laufenden Geschäftsjahr (bis Ende Juli) rechnen Analysten sogar mit einem Wachstum von 22%. Mit einem Forward-KGV von knapp 40 halte ich die Palo Alto-Aktie auf Basis dieser Wachstumsdynamik nicht für zu teuer — auch mit Claude Mythos.
ℹ️ Palo Alto in Kürze
- Palo Alto Networks, Inc. (WKN: A1JZ0Q) ist ein IT-Sicherheitsunternehmen mit Hauptsitz in Santa Clara in Kalifornien.
- Kernprodukt des Unternehmens ist eine Cybersicherheitsplattform, die Firewalls und Cloud-basierte Angebote umfasst.
- Kunden von Palo Alto sind sowohl Behörden als auch Unternehmen aller Größenordnungen.
- Das Unternehmen ist Mitglied im US-Leitindex Nasdaq 100 und ca. 126 Milliarden US$ wert.