AMD-Aktie: Angriff aufs Allzeithoch?

Nächster Ausbruch voraus

Die Aktie von Advanced Micro Devices hat in den vergangenen zwölf Monaten eine außergewöhnliche Kursentwicklung hingelegt und gehört weiterhin zu den meistdiskutierten Titeln im Halbleitersektor. Trotz der bereits starken Performance könnte ein zentraler Produktstart im Laufe des Jahres die nächste Wachstumsphase einläuten.

AMD
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Aktuelle Bewertung analysiert

In den vergangenen zwölf Monaten hat sich der AMD-Kurs mehr als verdoppelt. Viele Marktteilnehmer gehen daher davon aus, dass der größte Teil der Kursgewinne bereits realisiert wurde. Diese Einschätzung greift jedoch zu kurz. Der jüngste Kursanstieg wurde vor allem durch den Schwung rund um den Beschleuniger MI300X sowie das rapide wachsende Rechenzentrumsgeschäft getragen, das sich vom Randsegment zu einem ernsthaften Wettbewerber entwickelt hat. Der vermutlich wichtigste Wachstumstreiber des Unternehmens steht allerdings noch aus und soll erst in der zweiten Jahreshälfte auf den Markt kommen. Sollte dieser Start wie erwartet verlaufen, könnten die heutigen Kurse im Rückblick als günstig erscheinen.

Aktuell notiert die Aktie bei rund 220 US-Dollar. Seit Jahresbeginn beträgt das Plus lediglich knapp 3 Prozent. Im Vergleich zu vielen anderen Halbleiterwerten wirkt diese Entwicklung zunächst moderat und spiegelt das Gesamtbild nur teilweise wider. Berücksichtigt werden muss der breite Ausverkauf im Technologiesektor, der Ende 2025 einsetzte und nahezu alle großen Tech-Unternehmen erfasste. Auf Sicht von zwölf Monaten liegt die Aktie dennoch mehr als 163 Prozent im Plus, womit der langfristige Aufwärtstrend intakt bleibt.

Trotzdem fiel der Kurs seit der letzten Quartalsbilanz um nahezu zehn Prozent, bevor zuletzt wieder eine leichte Erholung einsetzte. Bemerkenswert ist dabei, dass das Unternehmen im vierten Quartal 2025 sowohl beim Umsatz als auch beim Gewinn pro Aktie die Erwartungen übertraf. Dennoch reagierte der Markt mit Verkäufen.

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Warum der Markt nach starken Zahlen skeptisch reagierte

Ein genauerer Blick zeigt, dass nicht die vergangenen Zahlen, sondern vor allem der Ausblick für Zurückhaltung sorgte. Für das erste Quartal 2026 erwartet das Management einen Umsatz von etwa 9,8 Milliarden US-Dollar. Das würde gegenüber dem vierten Quartal einen sequenziellen Rückgang von rund fünf Prozent bedeuten. Für eine Aktie, die nach einer längeren Schwächephase einen rasanten Aufschwung erlebt hatte, reichte bereits ein kleiner Dämpfer aus, um Investoren zu verunsichern.

Hinzu kam ein Sonderfaktor aus China. Im vierten Quartal sorgten unerwartete GPU-Umsätze in Höhe von rund 390 Millionen US-Dollar für zusätzlichen Rückenwind. Für das folgende Quartal stellte das Management jedoch lediglich etwa 100 Millionen US-Dollar in Aussicht. Viele Investoren interpretierten dies als potenzielles Loch in der Umsatzentwicklung, obwohl es wahrscheinlicher lediglich eine konservative Prognose darstellte.

Unabhängig davon spielte auch der Ton der Unternehmensführung eine Rolle. Die Quartalszahlen selbst waren solide, doch die Börse hatte angesichts der hohen Erwartungen an die Transformation des Unternehmens offenbar deutlich optimistischere Aussagen erwartet. Bleiben solche Versprechen aus, reagiert der Markt häufig mit Skepsis.

Bewertung im Branchenvergleich

Aus Bewertungssicht wird die Aktie derzeit mit einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 50 gehandelt und liegt damit etwa 70 Prozent über dem Median der Halbleiterbranche. Investoren zahlen somit ungefähr 50 Dollar für jeden Dollar Gewinn, der in den kommenden zwölf Monaten erwartet wird.

Zum Vergleich wird häufig Nvidia herangezogen, dessen Bewertungskennzahlen derzeit teilweise niedriger liegen. Daraus entsteht der Eindruck, AMD sei überteuert. Allerdings greift dieser Vergleich zu kurz, wenn sich ein Unternehmen gerade in einer Wachstumsphase befindet. Entscheidend ist, dass ein möglicher Gewinnsprung in der zweiten Jahreshälfte die Bewertungsrelationen schnell verändern könnte.

Ein Hinweis darauf liefert bereits das PEG-Verhältnis auf Non-GAAP-Basis, das aktuell bei etwa 0,78 liegt und damit rund 41 Prozent unter dem Branchenmedian. Der Markt scheint somit einen Teil der kurzfristigen Unsicherheit einzupreisen, während das erwartete Wachstum der kommenden Jahre noch nicht vollständig berücksichtigt wird.

Neue Rechenzentrumsplattform als möglicher Wachstumstreiber

Der wichtigste Wachstumsmotor für die kommenden zwölf bis achtzehn Monate dürfte die Einführung der Helios-Rack-Scale-Plattform zusammen mit dem Beschleuniger MI450 sein. Beide Produkte sollen in der zweiten Hälfte des Jahres 2026 ausgeliefert werden.

Dabei handelt es sich nicht lediglich um eine weitere GPU-Generation. Die neue Plattform stellt ein vollständig integriertes Rack-System dar. AMD wird künftig komplette Rechenzentrumsracks anbieten, anstatt nur einzelne Chips zu liefern, die Kunden selbst in Systeme integrieren müssen. Solche Komplettlösungen versprechen nicht nur höhere Margen, sondern positionieren das Unternehmen auch direkt im Wettbewerb mit den GB200-Systemen von Nvidia.

Diese Strategie erweitert die Rolle von AMD im Rechenzentrumsmarkt deutlich. Gleichzeitig unterstreicht eine Partnerschaft mit OpenAI die Ambitionen des Unternehmens. Die Kooperation umfasst eine GPU-Bereitstellung im Umfang von sechs Gigawatt und demonstriert die Leistungsfähigkeit der Technologie im großen Maßstab.

Ausbau des Partnernetzwerks

Parallel wächst auch das Ökosystem rund um die neue Plattform. Nach Angaben des Managements laufen bereits Gespräche mit weiteren Großkunden über umfangreiche Implementierungen der Helios-Systeme und des MI450-Beschleunigers.

Mehrere Hardwarehersteller haben zudem angekündigt, ab 2026 eigene Systeme auf Basis dieser Plattform anzubieten. Dazu gehört unter anderem Hewlett Packard Enterprise, das Helios-Racks mit Juniper-Ethernet-Switches kombinieren will.

Diese Kooperationen sind strategisch bedeutsam. Einer der größten Wettbewerbsvorteile von Nvidia liegt in der vertikalen Integration seiner Technologie, bei der GPUs, Interconnects und Netzwerkhardware aus einer Hand stammen. Durch Partnerschaften mit etablierten Infrastrukturherstellern kann AMD eine ähnliche Systemarchitektur aufbauen, ohne sämtliche Entwicklungskosten allein tragen zu müssen.

Die Strategie erinnert an den Weg, mit dem AMD zuvor Marktanteile im Server-CPU-Segment gewann. Statt sämtliche Systeme selbst zu entwickeln, setzt das Unternehmen auf ein Netzwerk aus OEM-Partnern, die ihre Produkte an die Nachfrage großer Cloud-Anbieter anpassen. Dass diese Hersteller bereits Ressourcen in die Entwicklung investieren, deutet darauf hin, dass die Nachfrage seitens der Hyperscaler vorhanden ist.

Fortschritte bei der Entwicklung der neuen Generation

Auch aus technischer Sicht scheint das Projekt planmäßig voranzuschreiten. Der MI450 befindet sich sowohl auf Chip-Ebene als auch im vollständigen Rack-Testbetrieb. Laut Unternehmensführung verläuft die Entwicklung nach Zeitplan, sodass der Marktstart in der zweiten Jahreshälfte realistisch bleibt.

Die Beziehungen zu Großkunden gelten als stabil, insbesondere zur KI-Organisation OpenAI. Gleichzeitig arbeitet eine wachsende Zahl weiterer Kunden daran, ihre Systeme im gleichen Zeitraum hochzufahren. Dadurch hängt der Erfolg der Plattform nicht ausschließlich von einem einzelnen Großkunden ab.

Langfristig strebt das Management an, dass die Umsätze im Rechenzentrumsgeschäft über drei bis fünf Jahre hinweg mit einer jährlichen Rate von mehr als 60 Prozent wachsen.

Operativer Hebel könnte Gewinne stark erhöhen

Auch auf der Kostenseite deutet vieles auf steigende Profitabilität hin. Die Unternehmensführung erwartet, dass der Umsatz im Jahr 2026 schneller wächst als die operativen Ausgaben. Dadurch könnte der Gewinn pro Aktie deutlich über dem Niveau von 2025 liegen.

Im Jahr 2025 lagen die Non-GAAP-Betriebskosten bei rund 10,4 Milliarden US-Dollar bei einem Umsatz von 34,6 Milliarden. Das entspricht etwa 30 Prozent des Umsatzes. Sollte der Gesamtumsatz 2026 in den Bereich von Mitte 40 Milliarden Dollar steigen und die Kosten gleichzeitig moderater wachsen, könnte der Anteil der Betriebskosten auf rund 27 Prozent sinken.

Ein solcher Effekt würde bei einem Umsatz von etwa 46 Milliarden Dollar mehr als eine Milliarde Dollar zusätzlichen operativen Gewinn bedeuten. Nach Steuern entspräche das ungefähr 0,53 Dollar zusätzlichem Gewinn je Aktie, noch bevor der Beitrag des Umsatzwachstums selbst berücksichtigt wird.

Wachstumsschub durch das Rechenzentrumsgeschäft

Besonders entscheidend wird die Entwicklung des Rechenzentrumssegments sein. Im vierten Quartal 2025 erzielte dieser Bereich rund 5,4 Milliarden Dollar Umsatz. Für die kommenden Jahre prognostiziert das Management ein Wachstum von mehr als 60 Prozent.

Ausgehend von einem Umsatz von 16,6 Milliarden Dollar im Jahr 2025 könnte das Segment damit bis 2026 etwa 26,5 Milliarden Dollar erreichen. Langfristig hält die Unternehmensführung sogar ein Volumen von bis zu 174 Milliarden Dollar bis zum Geschäftsjahr 2030 für möglich.

Da der Ausblick für das erste Quartal 2026 eher verhalten ausfällt, dürfte ein Großteil dieses Wachstums erst in der zweiten Jahreshälfte sichtbar werden. Genau diese Dynamik könnte den Unterschied zwischen einer zunächst ruhigen ersten Jahreshälfte und einer Bewertung darstellen, die rückblickend gerechtfertigt erscheint.

Risiken durch steigende Kosten

Trotz der vielversprechenden Perspektiven bestehen auch Risiken. Ein zentraler Punkt ist die Geschwindigkeit, mit der steigende Betriebskosten in zusätzliche Umsätze umgewandelt werden.

Bereits im vierten Quartal 2025 lagen die Betriebskosten bei rund drei Milliarden Dollar und damit 42 Prozent über dem Vorjahreswert. Ein Teil dieses Anstiegs hängt mit der Übernahme von ZT Systems zusammen, die zusätzliche Personalkosten verursachte.

Für das Jahr 2026 rechnet das Management zudem mit weiterhin hohen Investitionen. Dazu zählen die Entwicklung der kommenden MI450- und MI500-Generationen, zusätzliche Softwareinvestitionen zur Verringerung des Rückstands gegenüber Nvidia sowie der Ausbau des Vertriebsteams.

Allein im ersten Quartal 2026 werden Non-GAAP-Betriebskosten von etwa 3,05 Milliarden Dollar erwartet. Hochgerechnet entspricht das rund 12 Milliarden Dollar jährlich, noch bevor die Einnahmen aus den neuen Produkten vollständig anlaufen.

Sollte sich der Produktionshochlauf auch nur um ein Quartal verzögern, könnte das Unternehmen vorübergehend hohe Kosten bei gleichzeitig schwächerem Umsatz tragen müssen. Verzögerungen in der Lieferkette, etwa bei HBM4-Speicher, könnten dieses Szenario zusätzlich begünstigen.

In einem Umfeld, in dem der Markt bereits steigende Margen erwartet, könnte eine solche Diskrepanz schnell zu Enttäuschungen führen.

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Entscheidende Monate für die Investmentthese

Die kommenden zwei Quartale dürften entscheidend sein. Der Bericht zum zweiten Quartal 2026 wird der letzte sein, bevor nennenswerte Umsätze aus MI450 und Helios sichtbar werden. Die Prognosen zu diesem Zeitpunkt werden maßgeblich darüber entscheiden, ob die Erwartungen an eine starke zweite Jahreshälfte bestätigt werden.

Unabhängig davon verfügt AMD derzeit über eine der stärksten Produktpaletten seiner Geschichte und adressiert einen enorm wachsenden Markt im Bereich künstlicher Intelligenz und Rechenzentren. Die Bewertung ist anspruchsvoll und mit Unsicherheit verbunden. Gelingt jedoch ein reibungsloser Produktionshochlauf, könnte sich das Unternehmen in Richtung von sieben bis acht Milliarden Dollar Rechenzentrumsumsatz pro Quartal entwickeln und gleichzeitig von deutlichem operativem Hebel profitieren.

Unter diesen Voraussetzungen bleibt die langfristige Investmentthese für die Aktie von Advanced Micro Devices weiterhin intakt und der Titel damit kaufenswert.

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ℹ️ AMD in Kürze

  • Advanced Micro Devices (AMD) mit Hauptsitz in Santa Clara im US-Bundesstaat Kalifornien entwickelt und vertreibt Mikroprozessoren, Chipsätze und System-on-a-Chip-Lösungen.
  • Eine eigene Fabrikationsstätte hat das Unternehmen seit der Ausgründung der eigentlichen Halbleiterherstellung im Jahr 2009 in Globalfoundries nicht mehr.
  • AMD ist Mitglied in den US-Leitindizes Nasdaq 100 und S&P 500 und hat Marktkapitalisierung von rund 359 Milliarden US$.
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