Novo Nordisk-Aktie: Ist das ein kluger Schachzug?
Die Novo Nordisk-Aktie dümpelt seit über einem Monat knapp über der Marke von 30 €. Könnte diese Nachricht dem dänischen Pharmakonzern neuen Schwung geben?
Wegovy zukünftig im Abo
Novo Nordisk bekommt den Preisdruck bei Abnehmmitteln in den USA voll zu spüren. Nachdem die Dänen bereits Ende Februar den Listenpreis ihres Adipositas-Medikaments Wegovy deutlich gesenkt haben, um dem politischen Druck und der Konkurrenz durch andere Anbieter zu begegnen, kommen sie nun mit einer neuen Idee um die Ecke: Wegovy ist als Spritze und Pille ab sofort im Abonnement erhältlich.
Selbstzahler können das Abnehmpräparat nun über ein 3-, 6- oder 12-Monatsabo beziehen. Diese Abonnements ermöglichen Patienten eine deutliche Senkung ihrer Medikamentenkosten. Bei der Spritze beträgt das jährliche Einsparpotenzial bis zu 1.200 US$, bei der Pille sind es bis zu 600 US$.
Seit gestern können Wegovy-Kunden ein Abo über LifeMD, Ro und WeightWatchers abschließen. Weitere Telemedizin-Anbieter wie Hims & Hers und Sesame sollen in den kommenden Wochen folgen.
In meinen Augen ist das Abo-Modell ein kluger Schachzug von Novo Nordisk. Es dürfte den dänischen Pharmakonzern aufgrund der niedrigeren Preise zwar etwas Marge kosten, stärkt aber die Visibilität der Umsätze und Cashflows sowie die Kundenbindung. Kunden, die ein Abo abschließen, bleiben einem Unternehmen bekanntermaßen über einen längeren Zeitraum treu als Einmalkäufer.
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Im Seitwärtstrend gefangen
Die Novo Nordisk-Aktie steckt seit über einem Monat in einem Seitwärtstrend fest. Der Kurs pendelt seitdem in einem engen Korridor zwischen 30 und 34 € auf und ab. Kurskatalysatoren, die für einen Ausbruch der Aktie aus diesem Band sorgen könnten, sind derzeit nicht in Sicht.
Der First Mover-Vorteil ist dahin
Obwohl ich das Abo-Modell von Wegovy für eine kluge Entscheidung halte, sehe ich derzeit kein nennenswertes Upside für die Novo Nordisk-Aktie. Mit dieser Meinung stehe ich übrigens nicht alleine da. Auch die meisten Banken sind derzeit sehr verhalten in Bezug auf die zukünftige Kursentwicklung eingestellt und sehen nur ein minimales Upside.
Diese Einschätzung hat im Wesentlichen mit der Wettbewerbssituation im Adipositas-Markt zu tun. In Kürze wird auch der Erzrivale Eli Lilly seinen Abnehmwirkstoff Orfoglipron in Tablettenform auf den Markt bringen. Der First Mover-Vorteil der Wegovy-Pille von Novo Nordisk hielt demnach nicht einmal ein halbes Jahr.
Eine bedrohliche Entwicklung
Zudem hat Eli Lilly aufgrund seines großen kommerziellen Erfolgs die tieferen Taschen und kann Novo Nordisk mit Akquisition stark unter Druck setzen. Vor wenigen Tagen übernahm der US-Pharmakonzern das Unternehmen Insilico Medicine.
Insilico ist ein Spezialist für die KI-gestützte Wirkstoffsuche. In Zukunft soll diese nicht mehr Jahre im Labor dauern, sondern auf Basis von Künstlicher Intelligenz auf mehrere Monate oder sogar Wochen reduziert werden. Mittels Deep-Learning-Verfahren sollen biologische Zielstrukturen im Körper analysiert und passende Moleküle digital konstruiert werden. Insilico gelang bereits der Nachweis, dass die Entwicklungszeit eines neuen Wirkstoffs auf unter 18 Monate gedrückt werden kann.
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Für Novo Nordisk birgt das das Risiko, dass Eli Lilly (und auch andere größere Pharmakonzerne) in Zukunft durch die KI-gestützte Wirkstoffentwicklung schneller marktreife Ergebnisse liefern und sich die Machtverhältnisse im Adipositas-Markt weiter zugunsten der Amerikaner verschieben.
ℹ️ Novo Nordisk in Kürze
- Novo Nordisk mit Sitz in Bagsværd bei Kopenhagen produziert und vermarktet pharmazeutische Produkte und Dienstleistungen.
- Der Konzern ist der weltweit führende Hersteller von Insulin. Fast jedes dritte Diabetes-Präparat weltweit stammt vom dänischen Pharmakonzern. Außerdem ist Novo Nordisk in den Bereichen Blutgerinnungsmedikamente und Hormonersatztherapien aktiv.
- Darüber hinaus ist Novo Nordisk eines der weltweit führenden Unternehmen in der Herstellung von Adipositas-Medikamenten (Mittel zur Gewichtsabnahme).
- Das Unternehmen wird aktuell mit rund 109 Milliarden € bewertet.