Lanxess-Aktie: Werden die Shortseller nervös?
Die Lanxess-Aktie konnte sich von ihrem Tief mit 12 € wieder deutlich erholen. Am Mittwoch gewinnt sie aktuell +16,5% und steht bei 16,30 €. Der deutsche Chemiekonzern geriet in den Fokus von Leerverkäufern. Ist der Kursanstieg nur ein Strohfeuer?
Shortseller halten hohe Positionen
Shortseller, auch Leerverkäufer genannt, treten immer dann in Aktion, wenn sie mit fallenden Kursen rechnen. Bei dem Kölner Chemiekonzern beträgt die Gesamtposition laut Bundesanzeiger aktuell 13,25%.
Die Vielzahl der Leerverkäufer könnte dafür sprechen, dass die Aktie mit dem Kurs von 12 € noch immer überbewertet war. Die größten Einzelpositionen werden von den verschiedenen Tochtergesellschaften von BlackRock gehalten. Insgesamt liegen deren Positionen bei 6,33%; der Anteil von BlackRock Investment Management beträgt 4,2%.
Die hohe Anzahl der Shortseller sowie deren Gesamtsumme kommen selten vor.
Tipp: Bleibe mit unserem kostenlosen SD Insider Newsletter immer über die aktuellsten Börsen-Chancen informiert.
JP Morgan erhöht Kursziel
Ausgerechnet in dieser Situation erhöht JP Morgan ihren Zielkurs von 15 auf 18 €. Deren Argument ist, dass der Chemiekonzern der größte Nutznießer der Chancen, die sich aus den anhaltenden Produktionsproblemen im asiatisch-pazifischen Raum aufgrund des Nahost-Kriegs ergeben. Die Kölner seien einer von wenigen, wenn nicht der einzige, westliche Produzent in ihren wichtigsten Produktkategorien. Die Folge davon wäre, dass der Konkurrenzdruck merklich nachlässt.
Auch andere Analysehäuser sehen Potenzial: Goldman Sachs sieht den fairen Wert bei 23 € und Warburg Research bei 21 €.
Es gibt aber auch andere Einschätzungen. Die UBS senkte ihren Zielkurs zuletzt von 14 auf 10 €. Barclays reduzierte ihr Kursziel ebenfalls von 14 auf 11,50 €. Die beiden Analysehäuser verweisen auf die hohe Verschuldung sowie die reduzierte Prognose für das laufende Geschäftsjahr.
Sparprogramm verschärft
Zusätzlich zu dem bestehenden Sparprogramm sollen bis 2028 jährlich weitere 100 Millionen € eingespart werden. Dabei ist auch ein Abbau von 550 Stellen vorgesehen. Laut Unternehmensangaben ist das notwendig, nachdem im vergangenen Geschäftsjahr der Ertrag deutlich zurückging. Das bereinigte EBITDA reduzierte sich gegenüber dem Vorjahr um 17% auf 510 Millionen €. Für das laufende Geschäftsjahr wird nur noch ein Wert von 450 bis 550 Millionen € erwartet.
Positive Impulse werden, wenn überhaupt, erst für das zweite Halbjahr erwartet.
Was bedeutet das für die Aktie?
Die höhere Einstufung von JP Morgan kam bei den Anlegern gut an. Aus meiner Sicht fiel der Anstieg jedoch übertrieben hoch aus. Es kann sein, dass der Chemiekonzern von dem Iran-Konflikt profitiert. Dabei kommt es wesentlich darauf an, ob die asiatischen Konkurrenten tatsächlich als internationaler Lieferant längerfristig ausfallen.
Es zeichnet sich ab, dass die USA die kriegerischen Auseinandersetzungen beenden möchten. Wenn das eintritt, erfolgen die Lieferungen aus dem Nahen Osten wieder wie gewohnt. Zudem dürften die asiatischen Konkurrenten nach Ersatz aus anderen Regionen bemühen.
Ich erwarte keinen weiteren Kursanstieg und rechne vielmehr wieder mit einer Korrektur. Das schwache Umfeld sowie die hohen Verbindlichkeiten des Konzerns rechtfertigen den Anstieg nicht. Anleger sollten daher vorerst abwarten.
Am Rande erwähnt: Die globale Aufrüstung treibt die Nachfrage nach kritischen Rohstoffen – unser exklusiver Report „Rüstung – Megatrend im Rohstoffsektor“ identifiziert zwei Unternehmen, die von dieser Entwicklung maximal profitieren werden.
ℹ️ Lanxess in Kürze
- Lanxess ist ein Spezialchemiekonzern mit der Entwicklung und Herstellung von chemischen Zwischenprodukten, Spezialchemikalien und Kunststoffen.
- Neben dem Stammwerk in Leverkusen ist der Konzern in mehr als 30 Ländern vertreten. Firmensitz ist Köln.
- Der Chemiekonzern ist im MDAX gelistet und wird an der Börse mit rund 1,4 Milliarden € bewertet.