Gold: Ist nun endlich der Boden erreicht?
Der Goldpreis ist zu Wochenbeginn weiter abgestürzt. Zeitweise verbilligte sich das gelbe Edelmetall um knapp -9% auf 4.098 US$ je Feinunze und kostete damit so wenig wie zuletzt Ende November. Im Tagesverlauf wurden die Verluste aber wieder deutlich eingedämmt. Was dahintersteckt und wie es nun weitergehen könnte.
Auf dem absteigenden Ast
Seit Beginn des Iran-Krieges befindet sich der Goldpreis auf dem absteigenden Ast. In der vergangenen Woche hat sich der Ausverkauf noch einmal dramatisch verschärft. Verluste von über -10% bedeuteten den höchsten wöchentlichen Preisverfall seit 1983. Und auch zu Beginn der neuen Woche schien sich der Gold-Crash zunächst fortzusetzen. Von Krisen-Währung keine Spur.
Bis US-Präsident Donald Trump den „Taco-Trade“ wiederbelebte. Noch am Wochenende hatte der Mann im Weißen Haus noch mit scharfer Rhetorik damit gedroht, die Kraftwerke im Iran zerstören lassen, falls das Mullah-Regime die Straße von Hormus nicht freigibt – innerhalb der nächsten 48 Stunden.
Taco-Trade sorgt für Euphorie
Nun die Kehrtwende: Nach angeblich tiefgründigen und konstruktiven Gesprächen mit der Führung im Iran kündigte Trump an, das Ultimatum um fünf Tage zu verlängern und spricht plötzlich wieder von einem möglichen Kriegsende. Auch wenn Teheran Verhandlungen mit den USA dementiert, reagieren die Märkte euphorisch.
Gleichzeitig geben der Ölpreis und der US-Dollar, die klaren Profiteure des Konflikts, spürbar nach. Das wiederum spielt Edelmetallen wie Gold in die Karten, das seine anfänglichen Verluste komplett aufholt und nun wieder auf dem Niveau vom Freitag steht.
Darum ist diesmal alles anders
Sollte die Eskalation nun tatsächlich der Diplomatie weichen und die Konfliktparteien an einer Lösung arbeiten, wäre dies dem Goldpreis sicherlich zuträglich. Denn anders als in früheren Krisen hat der Goldpreis in den letzten Wochen keineswegs den Status eines sicheren Hafens innegehabt.
Grund sind die Verwerfungen auf dem Öl- und Gasmarkt und die damit verbundene Dollar-Aufwertung. Da Gold in US-Dollar handelt, wird das Edelmetall für Käufer außerhalb des Dollarraums teurer, was die Nachfrage schmälert.
Hinzu kommen die Auswirkungen der hohen Ölpreise auf die Inflation, da sich hierdurch die Erwartungen an Zinssenkungen noch in diesem Jahr quasi in Luft aufgelöst haben. Stattdessen rechnen Marktteilnehmer mittlerweile sogar mit potenziellen Zinserhöhungen, um die Inflation wieder einzudämmen.
Da Edelmetalle aber keine Zinsen abwerfen, steigen auch die Opportunitätskosten, was die Attraktivität von Gold und Silber aus Renditesicht ebenfalls schmälert.
Jetzt auf die Erholung setzen?
Durch ein rasches Ende des Krieges könnten all diese negativen Szenarien wieder umgekehrt werden und Gold und Silber entsprechend in eine Erholung einschwenken.
Denn auch saisonal spricht einiges dafür, dass der Boden bei den Edelmetallpreisen erreicht sein könnte, da sich dieser historisch betrachtet oftmals Ende März ausgebildet hat.
Auch aus charttechnischer Sicht befindet sich Gold an einer sehr interessanten Stelle. Der Doppel-Support aus dem Oktober-Hoch und dem Februar-Tief bei bei 4.381 US$/4.402 US$ kommt für eine mögliche Trendwende in Folge, nachdem es am Morgen sogar fast zum Kontakt mit der 200-Tage-Linie (SMA200) bei 4.072 US$ gekommen war.
Natürlich sollten Anleger mit Blick auf die Unberechenbarkeit von Donald Trump weiterhin vorsichtig bleiben, doch langfristig könnte das aktuelle Niveau in meinen Augen eine gute Einstiegschance bei Gold darstellen.
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