TUI-Aktie: Ein Verlierer des Iran-Konflikts?
Die TUI-Aktie befindet sich seit dem Hoch im Februar mit rund 9,50 € in einem steilen Abwärtstrend. Am Donnerstag verliert sie aktuell -2,3% und steht bei 6,60 €. Welchen Einfluss hat der Iran-Konflikt auf den Tourismus und auf die Aktie?
Reiseverhalten ändert sich nur geringfügig
Immer wenn Konflikte in wichtigen Urlaubsregionen auftreten, überprüfen die Deutschen und andere Personen ihre Reisepläne. Generell werden sichere Reiseziele bevorzugt. Durch den Iran-Konflikt geschieht das auch diesmal. Besonders beliebt waren die Kreuzfahrten in der Nahostregion. Insbesondere die Stadt Dubai stand dabei im Mittelpunkt.
Seitdem der Iran die Nachbarländer beschießt, sind die Urlaubsziele in der Region tot. Die dort gestrandeten Touristen wurden in aufwändigen Rückholaktionen ausgeflogen. Für den Konzern bedeutet das Kosten in zweifacher Art. Die Rückflüge gingen zu Lasten des Konzerns und die dort liegenden Schiffe sind für neue Kreuzfahrten blockiert. Eine Fahrt durch die Straße von Hormus ist momentan zu gefährlich. Somit entgehen dem Konzern Einnahmen und Erträge.
Eine Umfrage zum Reiseverhalten ergab jedoch, dass sich das Reiseverhalten insgesamt nur wenig ändert. Es werden nur andere Ziele ausgewählt. Hierbei dürften die klassischen Urlaubsziele in Europa wieder in den Vordergrund treten. Darauf werden die Reisekonzerne wie TUI sich schnell umstellen und zusätzliche Kapazitäten buchen. In der Summe ändern sich die zukünftigen Umsätze und Erträge nur geringfügig.
Ertragslage verbessert sich weiterhin
In dem Bericht für das erste Quartal vom 11. Februar wird explizit darauf hingewiesen, dass seit 10 Quartalen ein EBIT-Wachstum vorliegt. Verantwortlich hierfür ist wesentlich das Restrukturierungsprogramm. Ziel dabei ist es, die Profitabilität nachhaltig zu verbessern.
In den ersten drei Monaten des neuen Geschäftsjahres verbesserte sich das bereinigte EBIT gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 44,9 auf 50,9 Millionen €. Hierzu trugen die Segmente Hotel, Kreuzfahrten und TUI Musement (Touren und Ausflüge) mit sehr hohen zweistelligen Wachstumsraten bei. Im Segment Märkte und Airline ging das EBIT um 31% zurück. Der Konzernverlust reduzierte sich weiter von 122 auf 85,4 Millionen €.
Die Zahl der Urlauber verbesserte sich um 6% auf 3,7 Millionen. Die Nettoverschuldung mit 4,1 Milliarden € ist gegenüber dem Vorjahreszeitraum konstant geblieben.
Insgesamt entwickelt sich das Unternehmen in die richtige Richtung, dies gilt insbesondere für die Ertragslage.
Weiteres Wachstum erwartet
Dieser positive Trend soll sich laut Unternehmensangaben auch im laufenden Geschäftsjahr fortsetzen. Beim Umsatz wird mit einem Anstieg von 5 bis 10% gerechnet. Das Wachstum des bereinigten EBIT soll bei 7-10% liegen.
Bei den mittelfristigen Zielen gibt der Konzern sich ebenfalls zuversichtlich. Insgesamt soll er agiler und profitabler werden. Das bereinigte EBIT soll durchschnittlich um 7 bis 10% steigen. Im Mittelpunkt steht auch das Verhältnis von Nettoverschuldung zum EBIT, die sogenannte Netto-Leverage-Ratio, soll deutlich unter 1 sinken.
Dieses Ziel zeigt, dass der Fokus klar auf einer verbesserten Ertragslage liegt. Es bleibt jetzt abzuwarten, ob der Konzern seine Ziele durch den Iran-Konflikt anpasst.
Begrenztes Potenzial vorhanden
Der starke Kursrückgang ist wirtschaftlich übertrieben. Die Finanzkennzahlen konnten trotz Verbesserung die Marktteilnehmer nicht überzeugen; hier dürften die Erwartungen zu hoch gewesen sein.
Der Rückgang seit Anfang März ist auf den Krieg im Iran zurückzuführen. Meiner Meinung nach ist das vorläufige Kurspotenzial begrenzt, der faire Wert dürfte bei 8,50 € liegen. Aktien von Reisekonzernen leiden immer in kriegerischen Zeiten. Erst wenn die Situation sich entspannt oder der Krieg in den Hintergrund tritt, erholen sich auch die Aktien wieder.
Die Analysten sehen das mehrheitlich anders. Lediglich Jefferies mit ihrem Zielkurs von 8,20 € liegt bei meiner Einschätzung. JP Morgan mit 13,50 € und die Deutsche Bank mit 12 € sind sehr zuversichtlich.
Mein Fazit: Trotz des günstigen Kursniveaus bietet die Aktie vorerst wenig Chancen.
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ℹ️ TUI in Kürze
- Die TUI AG (WKN: TUAG50) gehört weltweit zu den größten Touristikkonzernen.
- TUI betreibt eigene Hotels, Fluggesellschaften und Kreuzfahrtschiffe sowie Reisebüros, Incoming-Agenturen und Reiseveranstalter.
- Der Konzern hat einen rechtlichen Doppelsitz in Berlin und Hannover, wobei die Konzernverwaltung in der niedersächsischen Landeshauptstadt angesiedelt ist.
- TUI ist Mitglied im deutschen Nebenwerteindex MDAX und aktuell knapp 3,4 Milliarden € wert.