Gerresheimer-Aktie: Wie schlimm kommt es noch?

Fast am Allzeittief

Wer dachte, dass bei der Gerresheimer-Aktie das Schlimmste vorüber wäre, hat sich gründlich geirrt. Die Aktie setzte ihre Talfahrt in den letzten Tagen fort und auch am Donnerstagvormittag geht es um weitere -6% bergab. Inzwischen nähert sich der Verpackungsspezialist seinem Allzeittief. Was zieht Gerresheimer immer weiter in die Tiefe und sollte man noch auf einen Rebound setzen?

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Von einer Krise zu einem Skandal

Die Krise bei Gerresheimer weitet sich aus. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht prüft bekanntermaßen bereits die beiden letzten Jahresabschlüsse des Unternehmens, da es offenbar Fehler beim Ausweis der Umsatzerlöse und der Vorräte gab.

Im Zentrum der BaFin-Prüfung stehen sogenannte „Bill-and-hold-Verträge“, bei denen Waren bereits an Kunden fakturiert, obwohl sie noch nicht ausgeliefert wurden. Solche Modelle sind zwar nach deutschem Recht erlaubt, aber unter klaren Bedingungen und Vorgaben. Die Börse hat nun die Sorge, dass Gerresheimer Umsätze unrechtmäßig zu früh verbucht hat.

Doch damit nicht genug. Gestern teilte die BaFin mit, dass sie ihre laufende Prüfung erweitern und eine weitere Prüfung einleiten werde. Das deutet darauf hin, dass die Bilanzierungsfehler bei Gerresheimer offenbar nicht nur ein größeres Ausmaß als bislang erwartet haben, sondern auch neue Fehler gefunden wurden.

Diese scheinen die Abschreibungspraxis des Verpackungsherstellers zu betreffen. Die BaFin wirft Gerresheimer vor, Wertminderungen bei der Schweizer Tochter Senile Medical und der US-Tochter Moulded Glass Chicago nicht früh genug vorgenommen zu haben. Hinzu kommt auch der laut Behörde fehlerhafte Ausweis von Leasingverbindlichkeiten in Höhe von ca. 65 Millionen € und aktivierten Entwicklungskosten von 29 Millionen €.

Die Dimension des Bilanzskandals bei Gerresheimer ist inzwischen so groß, dass die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz die Prüfung von Schadenersatzansprüchen ankündigte. Die DWS forderte Aktionäre auf, sich bei ihr zu melden.

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Ein Chart zum Verzweifeln

Das Chartbild der Gerresheimer-Aktie lässt selbst alte Börsenhasen verzweifeln. Innerhalb eines Jahres hat der MDAX-Titel über -80% an Wert verloren.

Inzwischen notiert die Aktie nur noch knapp über ihrem Allzeittief bei ca. 13 € aus dem Jahr 2009. Gut möglich, dass die Gerresheimer-Aktie in den kommenden Tagen auf den tiefsten Stand ihrer Börsengeschichte fallen wird.

Die Aktie ist derzeit nicht investierbar

Nach dem Kollaps der Gerresheimer-Aktie am 11. Februar ging ich eigentlich davon aus, dass das Schlimmste überstanden sei und empfahl Anlegern mit Nerven aus Stahl, auf einen Rebound der Aktie zu setzen. Dieser zeichnete sich in den darauffolgenden Tagen auch ab.

Doch nun scheint alles anders zu sein. Die Bilanzierungsprobleme bei Gerresheimer haben sich zu einem handfesten Bilanzskandal ausgeweitet. Wenn Umsätze, Vorräte, Wertminderungen, Leasingverbindlichkeiten und aktivierte Eigenleistungen nicht korrekt verbucht wurden, dann kann man diesem Unternehmen bzw. diesem Management wirklich gar nichts mehr glauben.

Ich gehe davon aus, dass bei Gerresheimer in den kommenden Tagen Köpfe rollen werden. Die gesamte Unternehmensführung ist meines Erachtens nicht mehr tragbar.

Vor dem Hintergrund dieses Skandals empfehle ich Anlegern vorerst, die Finger von der Gerresheimer-Aktie zu lassen. Ich bin nach wie vor der Überzeugung, dass es sich hier um ein hervorragend aufgestelltes Unternehmen mit guten Perspektiven handelt, das man zu einem Schnäppchenpreis kaufen kann.

Aber dieser Skandal hat inzwischen eine Dimension erreicht, die ein Investment meiner Erachtens nicht mehr möglich macht. Auf die Watchlist gehört die Gerresheimer-Aktie aber auf jeden Fall. Sobald sich die Wogen geglättet haben und es ein abschließendes Urteil der BaFin gibt, könnte sie einen gewaltigen Rebound erleben.

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ℹ️ Gerresheimer in Kürze

  • Die Gerresheimer AG (WKN: A0LD6E) stellt Spezialprodukte in den Bereichen Glas und Kunststoff insbesondere für die Pharma- sowie Healthcare-Industrie her und gilt als weltweit führender Schlüssellieferant für diese Branchen. Die Produkte reichen vom Insulin-Pen bis zu Ampullen, aber auch schnöde Parfümflakons gehören zum Portfolio.
  • Der Hauptsitz ist in Düsseldorf, daneben ist der Konzern weltweit mit Standorten in Europa, Asien und Amerika vertreten.
  • Die Aktie ist im SDAX gelistet, die Marktkapitalisierung beträgt aktuell 550 Millionen €.
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