Celestica-Aktie +8%: Nimmt die Rallye wieder Fahrt auf?

Heimlicher KI-Profiteur

Die Aktie von Celestica hat seit dem Spätsommer 2025 eine bemerkenswerte Kursentwicklung hingelegt und den breiten Markt deutlich hinter sich gelassen. Der starke Anstieg spiegelt hohe Erwartungen an Wachstum, Margenverbesserungen und die Rolle des Elektrotechnik-Unternehmens in der globalen KI-Infrastruktur wider.

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Der langfristige Investmentansatz bei Celestica beruht auf der strategischen Abkehr vom klassischen Auftragsfertigungsmodell hin zu einem margenstärkeren Entwicklungs- und Plattformgeschäft. Während das traditionelle EMS-Geschäft stark standardisiert ist und geringe Margen bietet, bindet das ODM-Modell die eigenen Designs tief in die Produktstrategien der Kunden ein. Ein Anbieterwechsel wird dadurch komplex und teuer, was Celestica einen strukturellen Wettbewerbsvorteil verschafft und höhere Bewertungen rechtfertigen kann.

Segmentstruktur mit erklärungs­bedürftigen Abgrenzungen

Die Umsatzberichterstattung des Unternehmens wirkt auf den ersten Blick wenig intuitiv. Celestica gliedert seine Erlöse in zwei Segmente, die nicht deckungsgleich mit den drei zugrunde liegenden Geschäftsmodellen sind.

Advanced Technology Solutions bedient Kunden aus den Bereichen Medizintechnik, Industrie sowie Luft- und Raumfahrt und deckt die gesamte Wertschöpfung von der Entwicklung bis zur Auslieferung ab. Dieses End-to-End-Modell kommt ausschließlich in diesem Segment zum Einsatz.

Connectivity and Cloud Solutions ist komplexer aufgebaut, da hier sowohl klassische Fertigung als auch das ODM-Geschäft gebündelt sind. Das margenstarke ODM-Geschäft wird intern als Hardware Platform Solutions bezeichnet, ohne dass die verbleibenden Fertigungsumsätze separat ausgewiesen werden.

Wachsende Bedeutung margenstarker Umsätze

Im vierten Quartal 2025 stieg der Umsatz im HPS-Bereich gegenüber dem Vorjahr um 72 Prozent auf 1,4 Milliarden US-Dollar. Damit entfielen bereits 38 Prozent des Konzernumsatzes auf dieses Geschäft, nach 31 Prozent ein Jahr zuvor. Diese Verschiebung unterstreicht den strategischen Wandel hin zu profitableren Erlösquellen.

Zwar weist das Management keine eigenständigen HPS-Margen aus, doch die Entwicklung der CCS-Marge liefert einen klaren Hinweis. Die Margen legten über mehrere Quartale hinweg kontinuierlich zu, was teilweise auch die operative Marge des Gesamtkonzerns stützte. Gleichzeitig bleibt das ATS-Segment anfällig für Schwankungen, die temporär gegenläufig wirken können.

Rückgrat des Wachstums: KI-Netzwerktechnik

Den Großteil der HPS-Umsätze generiert Celestica mit Hochleistungs-Netzwerkswitches für KI-Rechenzentren. Diese Systeme steuern den Datenverkehr in GPU-Clustern für maschinelles Lernen, Hochleistungsrechnen und Cloud-Infrastrukturen. Aufgrund dieser Rolle wird das Unternehmen von vielen Marktbeobachtern als Anbieter von KI-Infrastruktur eingeordnet.

Celestica gehörte zu den ersten Anbietern von 800-Gigabit-Ethernet-Switches und brachte im Herbst 2025 bereits 1,6-Terabit-Ethernet-Systeme auf den Markt. Die Serien DS6000 und DS6001 sollen ab der zweiten Jahreshälfte 2026 maßgeblich zum Umsatzwachstum beitragen.

Technologie­-Roadmap über Switches hinaus

Neben Netzwerktechnik arbeitet Celestica an kompletten KI-Rack-Lösungen sowie an fortschrittlichen Flüssigkühlungssystemen. Damit rückt das Unternehmen näher an Wettbewerber aus dem Systemintegrationsbereich heran.

Ein weiterer Entwicklungsschwerpunkt liegt bei Co-Packaged Optics. Diese Technologie ersetzt herkömmliche steckbare Optikmodule, die bei steigenden Übertragungsgeschwindigkeiten zunehmend an ihre thermischen Grenzen stoßen. Celestica entwickelt hierfür derzeit einen Prototyp und rechnet mit Marktreife, sobald Netzwerke Geschwindigkeiten von 3,2 Terabit pro Sekunde erreichen.

Parallel dazu arbeitet das Unternehmen mit ausgewählten Kunden an der gemeinsamen Entwicklung kompletter KI-Systeme rund um kundenspezifische Chips. Im Fall von Google betrifft dies nicht den eigentlichen Prozessor, sondern das gesamte Systemumfeld aus Hauptplatine, Netzwerktechnik, Stromversorgung, Kühlung und Rack-Architektur. Auch mit weiteren, nicht namentlich genannten Digitalunternehmen laufen ähnliche Programme mit Blick auf eine Serienfertigung ab 2027.

Diese Ausweitung der Kompetenzen verändert die Wahrnehmung bei den Kunden deutlich. Celestica wird zunehmend als Technologiepartner gesehen und nicht mehr nur als verlängerter Arm der Lieferkette, was den strategischen Ausbau des ODM-Geschäfts zusätzlich unterstützt.

Deutlich angehobene Prognosen

Nach einer deutlichen Übererfüllung der eigenen Ziele für 2025 hob das Management die Umsatzprognose für 2026 von 16 auf 17 Milliarden US-Dollar an. Treiber ist vor allem das CCS-Segment, für das ein Wachstum von rund 50 Prozent erwartet wird. Auch der Gewinn je Aktie wurde spürbar nach oben angepasst, getragen von starkem Umsatzwachstum und operativem Hebel.

Die operative Marge soll 2026 weiter steigen, was die zentrale Investmentannahme untermauert, dass der steigende ODM-Anteil strukturell höhere Profitabilität ermöglicht.

Solide Bilanz mit hoher finanzieller Flexibilität

Zum Jahresende 2025 verfügte Celestica über eine komfortable Liquiditätsposition bei gleichzeitig niedriger Verschuldung. Die Kapitalstruktur erlaubt es dem Unternehmen, umfangreiche Investitionen zu stemmen, ohne zusätzliches Eigen- oder Fremdkapital aufnehmen zu müssen. Gleichzeitig wird freier Cashflow genutzt, um eigene Aktien zurückzukaufen und so den Gewinn je Aktie zu erhöhen.

Trotz operativ starker Zahlen verlor die Aktie nach Vorlage der Quartalsergebnisse zunächst deutlich an Wert. Auslöser war die Ankündigung, die Investitionsausgaben in den Jahren 2026 und 2027 massiv auszuweiten. Für 2026 sind rund eine Milliarde US-Dollar vorgesehen, ein Vielfaches des Vorjahres.

Diese Investitionen sollen zwar die Grundlage für künftiges Wachstum schaffen, führen kurzfristig jedoch zu einer deutlichen Abschwächung des freien Cashflows. Zudem wächst die Abhängigkeit von der Investitionsbereitschaft großer Hyperscaler. Sollte sich deren Nachfrage nach KI-Infrastruktur verlangsamen, könnten die hohen Vorleistungen nur verzögert Rendite abwerfen.

Hinzu kommt eine ausgeprägte Kundenkonzentration. Ein Rückgang der Ausgaben einzelner Großkunden hätte spürbare Auswirkungen auf Umsatz und Wachstum.

Anspruchsvolle Bewertung mit zwei Lesarten

Auf Basis klassischer Kennzahlen erscheint die Aktie im historischen Vergleich hoch bewertet. Gleichzeitig sprechen überdurchschnittliche Margen, hohe Kapitalrenditen und starkes Gewinnwachstum für eine gewisse Bewertungsprämie. Wachstumsadjustierte Kennzahlen deuten eher auf eine faire bis leicht ambitionierte Bewertung hin, während Cashflow-basierte Multiplikatoren kurzfristig wenig Spielraum lassen.

Langfristige Perspektive mit erhöhtem Risiko

Der globale Markt für Rechenzentrumshardware wächst dynamisch, und Celestica gewinnt darin zunehmend an Bedeutung. Sollten die geplanten Investitionen greifen, Marktanteile steigen und Margen weiter zulegen, könnte die heutige Bewertung rückblickend gerechtfertigt erscheinen.

Kurz- bis mittelfristig bleibt die Aktie jedoch anfällig für Rückschläge, insbesondere bei Enttäuschungen im Cashflow oder bei der Nachfrage nach KI-Infrastruktur. Für kurzfristig orientierte oder stark wertorientierte Anleger ist das Chance-Risiko-Verhältnis wenig attraktiv. Für langfristig denkende, risikobereite Wachstumsinvestoren bietet Celestica hingegen weiterhin ein interessantes, wenn auch anspruchsvolles Investmentprofil.

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