Amgen-Aktie: Pharma-Tipp erklimmt Allzeithoch
Anfang Juli 2025 hatten wir die Aktie von Amgen als lohnenswertes Pharma-Invest präsentiert. Ein halbes Jahr später steht eine deutliche Outperformance gegenüber dem Wettbewerb zu Buche. Trotz auslaufender Patente und regulatorischer Unsicherheiten signalisiert der Ausblick des Konzerns weiteres Wachstum und operative Stabilität.
Amgen hat für das vierte Quartal 2025 überzeugende Ergebnisse vorgelegt und gleichzeitig eine Prognose für das Gesamtjahr 2026 präsentiert, die über den Erwartungen des Marktes liegt. Der Biotechnologiekonzern kommt besser als erwartet mit dem Wegfall der Marktexklusivität mehrerer umsatzstarker Präparate zurecht und stellt für 2026 sowohl beim Umsatz als auch beim Ergebnis weiteres Wachstum in Aussicht. Dies gilt trotz der jüngsten Markteinführung von Biosimilars und Generika zu Prolia, Xgeva und Ravicti, die im Vorjahr zusammen rund sieben Milliarden US-Dollar zum Umsatz beigetragen hatten.
Möglich wird dieser Ausblick durch ein robustes bestehendes Produktportfolio, neue positive Studiendaten zu Repatha sowie jüngste Zulassungserweiterungen für Uplizna. Diese Faktoren sollen die Belastungen aus den Patentabläufen mehr als ausgleichen.
Wachstum trotz regulatorischer Stolpersteine
Ein Unsicherheitsfaktor für das laufende Jahr ist die regulatorische Situation rund um Tavneos. Die europäische Arzneimittelbehörde hat eine Überprüfung eingeleitet, während die US-Zulassungsbehörde einen Rückzug des Medikaments vom Markt gefordert hat. Hintergrund sind Zweifel an der Integrität klinischer Daten. Amgen hat einen sofortigen Rückzug bislang abgelehnt, räumt jedoch ein, dass ein Marktaustritt nicht ausgeschlossen werden kann.
Pipeline zwischen Rückschlägen und Fortschritten
Auf der Entwicklungsseite musste Amgen zuletzt Rückschläge hinnehmen. Rocatinlimab wurde an den Partner Kyowa Kirin zurückgegeben, und die Entwicklung von Bemarituzumab wurde nach enttäuschenden Spätphasenstudien eingestellt. Demgegenüber stehen jedoch ermutigende Ergebnisse aus anderen Programmen. Repatha konnte mit neuen Studiendaten überzeugen, Daxdilimab zeigte in einer Phase-2-Studie positive Effekte, und das Adipositas-Medikament MariTide macht weiterhin zügige Fortschritte.
Insgesamt ergibt sich kein makelloses Bild, doch der Konzern kommt in Summe voran. Auch nach einem Kursanstieg von mehr als 20 Prozent seit Herbst 2025 bleibt Amgen gut positioniert für eine langfristige Wertschöpfung.
Umsatz und Ergebnis übertreffen die Erwartungen
Im vierten Quartal 2025 erzielte Amgen ein Umsatzwachstum von zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das bereinigte Ergebnis je Aktie lag mit 5,29 US-Dollar nur leicht unter dem Vorjahreswert. Der Umsatz übertraf die Markterwartungen um 440 Millionen US-Dollar, während das bereinigte Ergebnis je Aktie um 0,53 US-Dollar über dem Konsens lag.
Die Zahlen fallen auch dann solide aus, wenn ein einmaliger Lagerbestandseffekt von rund 250 Millionen US-Dollar berücksichtigt wird, der sich Anfang 2026 in einen Gegenwind verwandeln dürfte.
Starke Marken treiben das operative Geschäft
Das Umsatzwachstum wurde vor allem von mehreren etablierten Marken getragen, darunter Repatha, Evenity, Imdelltra, Tezspire, Uplizna und Tavneos. Zusätzlich trug die starke Nachfrage nach Pavblu, dem Biosimilar zu Eylea, zum positiven Bild bei.
Tepezza verzeichnete im Jahresvergleich einen leichten Umsatzrückgang auf 456 Millionen US-Dollar. Belastungen durch Lagerbewegungen und Preisabschläge wurden jedoch durch ein deutliches Absatzwachstum kompensiert, was auf eine operative Stabilisierung des Produkts hindeutet.
Prognose 2026 überzeugt trotz Patentabläufen
Für 2026 rechnet Amgen mit einem Umsatz zwischen 37,0 und 38,4 Milliarden US-Dollar sowie mit einem bereinigten Ergebnis je Aktie von 21,60 bis 23 US-Dollar. Diese Spannen liegen über den bisherigen Marktschätzungen und erscheinen vor dem Hintergrund der auslaufenden Exklusivrechte besonders bemerkenswert.
Repatha soll von einer Ausweitung der Anwendung profitieren, Uplizna durch neue Indikationen zusätzliches Wachstum erzielen. Evenity bietet weiterhin erhebliches Marktpotenzial, während Imdelltra und Tezspire ihre starke Dynamik fortsetzen sollen. Tepezza bleibt dagegen angesichts zunehmender Konkurrenz ein Unsicherheitsfaktor.
Tavneos unter besonderer Beobachtung
Die Diskussionen um Tavneos gewinnen an Brisanz, da neben den regulatorischen Prüfungen auch rechtliche Auseinandersetzungen im Raum stehen. Das Medikament steuerte 2025 rund 459 Millionen US-Dollar zum Umsatz bei, der Großteil davon in den USA. Ein vollständiger Marktrückzug würde den Konzern spürbar treffen, allerdings bliebe der Effekt auf den Gesamtumsatz begrenzt.
Forschungsausblick mit begrenztem Nachrichtenfluss
Die Pipeline-Entwicklung verläuft uneinheitlich, was in dieser Phase jedoch nicht ungewöhnlich ist. Besonders positiv wurden neue Studiendaten zu Repatha aufgenommen, die erstmals auch in der Primärprävention einen signifikanten Nutzen zeigen. Daxdilimab lieferte ebenfalls ermutigende Ergebnisse, während beim wichtigen MariTide-Programm weiterhin Geduld gefragt ist, da entscheidende Phase-3-Daten erst 2027 erwartet werden.
Für das laufende Jahr ist insgesamt mit einem eher überschaubaren Nachrichtenfluss aus der Forschung zu rechnen, da mehrere Studien noch laufen oder sich in der Rekrutierungsphase befinden.
Robuste Ausgangslage für die kommenden Jahre
Amgen hat das Jahr 2025 mit einem starken Schlussquartal beendet und zeigt sich gut gerüstet, um die Auswirkungen der Patentverluste bei Prolia, Xgeva und Ravicti abzufedern. Die jüngsten Pipeline-Entscheidungen sind weitgehend eingepreist und ändern nichts am grundsätzlichen Investitionsbild.
Die langfristigen Wachstumsperspektiven hängen maßgeblich vom Erfolg im Bereich Adipositas ab. Finanzielle Spielräume sind trotz einer Nettofinanzverschuldung von 45,5 Milliarden US-Dollar vorhanden, größere Übernahmen gelten jedoch als unwahrscheinlich. Stattdessen dürfte Amgen auf gezielte Lizenzdeals setzen, um die eigene Entwicklung gezielt zu ergänzen.
Seit unseres Kauftipps vor gut einem halben Jahr konnte die Amgen-Aktie rund 30% zulegen und notiert derzeit auf Allzeithoch. Berücksichtigt man die jährliche Dividende von fast 3%, fällt die Rendite noch deutlicher aus. Trotz der Kursrallye bleibt die Aktie attraktiv und mindestens eine Halteposition.
Tipp: Mitglieder des auf Biotech-Aktien spezialisierten No Brainer Club kommen derzeit aus dem Feiern nicht mehr raus. Du möchtest das Mastermind hinter den NBC-Empfehlungen kennenlernen? Dann sichere Dir jetzt den kostenlosen Newsletter von Biotech-Profi Maximilian Ruth.