AMD-Aktie unter Druck: Was bringen die Zahlen?

Spanung vor dem 3. Februar

Die AMD-Aktie steht heute in einem schwachen Gesamtmarkt unter Druck. Der Blick richtet sich auf einen Termin Anfang Februar, der für neue Impulse sorgen könnte. Die anstehende Zahlenvorlage wird das Wachstumspotenzial des Chipkonzerns im boomenden KI-Sektor erneut unterstreichen.

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Erwartungen vor den Zahlen zum vierten Quartal

AMD wird seine Zahlen für das vierte Quartal am 3. Februar nach Börsenschluss vorlegen. Trotz einer ambitionierten Bewertung, die zuletzt nicht durch nennenswerte positive Gewinnrevisionen untermauert wurde, könnte sich das nach der Veröffentlichung der Ergebnisse ändern. Der Markt rechnet damit, dass Konzernchefin Lisa Su im Rahmen der Telefonkonferenz eine deutlich steigende Nachfrage nach KI-Beschleunigern in Aussicht stellt.

Die jüngsten Quartalszahlen großer Rechenzentrumsinvestoren wie Microsoft und Meta haben gezeigt, dass Hyperscaler ihre Investitionen in KI-Infrastruktur auf absehbare Zeit nicht zurückfahren wollen. Zusätzlich deutet sich eine Wiederaufnahme umfangreicher Chipkäufe chinesischer Technologiekonzerne bei US-Herstellern an, was einen weiteren Wachstumstreiber darstellen könnte.

Vor diesem Hintergrund erscheinen die hohen Bewertungskennzahlen von AMD vertretbar, weshalb eine Anhebung der Einschätzung auf Kaufen gerechtfertigt wirkt, auch wenn die Aktie im Vergleich zu Nvidia zuletzt zurückgeblieben ist. Der adressierbare Markt wächst derzeit so schnell, dass ausreichend Raum für beide Anbieter besteht, um vom langfristigen KI-Trend zu profitieren.

Hohe Trefferquote bei Quartalsergebnissen

Ein Blick auf die Gewinnhistorie zeigt, dass AMD in den vergangenen vier Jahren nur drei Mal die Gewinnerwartungen und lediglich einmal die Umsatzschätzungen verfehlt hat. Diese hohe Erfolgsquote garantiert zwar keinen erneuten doppelten Ergebnistreffer, unterstreicht jedoch den Anspruch des Managements, die eigenen finanziellen Ziele zuverlässig zu erreichen. Darüber hinaus sprechen mehrere fundamentale Faktoren für ein starkes Quartalsergebnis.

Analysten an der Wall Street zeigen sich überwiegend optimistisch. Für das vierte Quartal wird ein Umsatz von 9,67 Milliarden US-Dollar erwartet, was einem Anstieg von 26 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspräche. Beim Gewinn je Aktie rechnen die Schätzungen mit einem Zuwachs von mehr als 20 Prozent auf 1,32 US-Dollar. Angesichts des dynamischen Wachstums der vergangenen drei Quartale mit jeweils mehr als 30 Prozent Umsatzplus wirken diese Prognosen eher konservativ.

Rückenwind durch Hyperscaler und KI-Investitionen

Die jüngsten Zahlen von Microsoft und Meta stützen diese Zuversicht. Beide Unternehmen präsentierten ehrgeizige Pläne zum Ausbau ihrer KI-Rechenkapazitäten. Microsoft überzeugte mit starkem Wachstum im Cloud-Geschäft und einer zunehmenden Verbreitung seiner Copilot-Angebote. Das Management bekräftigte den strategischen Schwerpunkt auf künstliche Intelligenz und signalisierte, dass die hohen Investitionen in die Infrastruktur langfristig abgesichert sind.

Auch Meta setzt weiter auf aggressive KI-Investitionen. Unternehmenschef Mark Zuckerberg verwies auf leistungssteigernde Effekte durch KI, während der Ausblick für die Investitionsausgaben bis 2026 mit 115 bis 135 Milliarden US-Dollar deutlich angehoben wurde. Da sowohl Microsoft als auch Meta ihre Rechenzentren mit EPYC-Prozessoren von AMD betreiben, gelten diese Aussagen als klares positives Signal für den Chiphersteller. Entsprechend steigen die Erwartungen, dass AMD nicht nur starke Quartalszahlen vorlegt, sondern auch einen optimistischen Ausblick für die kommenden Jahre präsentiert.

China als zusätzlicher Wachstumstreiber

Ein weiterer potenzieller Katalysator liegt in der steigenden Nachfrage chinesischer Technologiekonzerne nach leistungsfähigen US-Chips. Während das Management zuletzt noch vorsichtig auf geopolitische Risiken verwiesen hatte, hat sich die Lage inzwischen entspannt. Im Dezember bestätigte Lisa Su, dass AMD über entsprechende Lizenzen für den Export seiner MI308-Chips nach China verfügt. Zwar wächst der Wettbewerb durch lokale Anbieter, doch jüngste Genehmigungen für den Einsatz von Hochleistungschips anderer US-Hersteller deuten darauf hin, dass die Nachfrage das Angebot heimischer Produzenten übersteigt. Daraus ergibt sich auch für AMD die Chance, vom chinesischen Markt zu profitieren.

Bewertung und Risiken

Trotz der positiven Perspektiven bleibt die Reaktion der Aktie nach den Zahlen schwer vorherzusagen. Die aktuelle Bewertung signalisiert, dass ein großer Teil des Optimismus bereits eingepreist ist. Zwar erscheint das für 2028 erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis von 18 attraktiv, doch setzt dies über mehrere Jahre hinweg ein sehr starkes Gewinnwachstum voraus.

Zudem ist AMD nicht der dominierende Akteur im Markt. Nvidia verfügt dank seiner Größe und finanziellen Stärke über deutlich größere Ressourcen. Mit einem erheblich höheren Cashbestand und freiem Cashflow ist der Wettbewerber in der Lage, seine Kapazitäten massiv auszubauen und Marktanteile zu sichern. Langfristig besteht daher das Risiko, dass Nvidia seinen Vorsprung weiter ausbaut und AMD unter Druck setzt.

Hinzu kommt die Unsicherheit über die Dauer der aktuellen Investitionswelle in Rechenzentren. Solange KI-Anwendungen stark wachsen und zusätzliche Umsätze generieren, dürften die Ausgaben hoch bleiben. Wie lange dieses Niveau jedoch aufrechterhalten werden kann, lässt sich nur schwer abschätzen.

Abschließende Einschätzung

Wir gehen von einem guten Quartalsergebnis von AMD mit positiven Überraschungen bei Umsatz und Gewinn sowie einem optimistischen Ausblick auf das Datacenter-Geschäft aus. Kurzfristig könnte insbesonderer letzterer für Bewegung im Aktienkurs sorgen. Angesichts des intensiven Wettbewerbs bleibt jedoch Zurückhaltung angebracht, weshalb die Aktie derzeit als Kauf, nicht aber als klarer Spitzenwert einzustufen ist. Kursrückgänge wie der heutige dürfen aber getrost zum Positionsaufbau genutzt werden.

3 KI-Gewinner für 2026

Ergänzend sei hier erwähnt: Unser Report „KI-Gewinner 2026“ enthüllt die Unternehmen mit dem größten Wachstumspotenzial im KI-Sektor.

ℹ️ AMD in Kürze

  • Advanced Micro Devices (AMD) mit Hauptsitz in Santa Clara im US-Bundesstaat Kalifornien entwickelt und vertreibt Mikroprozessoren, Chipsätze und System-on-a-Chip-Lösungen.
  • Eine eigene Fabrikationsstätte hat das Unternehmen seit der Ausgründung der eigentlichen Halbleiterherstellung im Jahr 2009 in Globalfoundries nicht mehr.
  • Aktuell hat das Unternehmen eine Marktkapitalisierung von rund 394 Milliarden US$.
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