Incyte-Aktie: Entsteht hier ein Pharma-Gigant?

Starke zweite Jahreshälfte 2025
Redaktion

Die Aktie der Incyte Corporation hat seit unseres Tipps im Juli eine bemerkenswerte Entwicklung von über +50% Kursgewinn hingelegt und sich deutlich vom schwachen Stimmungsbild des Vorjahres gelöst. Was zunächst wie eine defensive Erholung wirkte, entpuppt sich zunehmend als strukturelle Neubewertung des Geschäftsmodells.

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Noch in der ersten Jahreshälfte 2025 dominierte an der Börse die Annahme, dass das umsatzstärkste Medikament Jakafi nach enttäuschenden Ergebnissen im vierten Quartal 2024 in einen dauerhaften Abwärtstrend geraten würde. Die zurückhaltende Prognose des Managements verstärkte diese Wahrnehmung, obwohl sich bereits Hinweise auf eine wachsende kommerzielle Breite des Unternehmens abzeichneten.

Deutliche Kursgewinne dank operativer Überraschungen

Seitdem hat die Aktie um 56 Prozent zugelegt und den breiten Markt klar hinter sich gelassen. Ausschlaggebend waren zwei Entwicklungen. Zum einen widerlegten die Jakafi-Umsätze die These eines strukturellen Niedergangs und stiegen im dritten Quartal 2025 um 6,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zum anderen entwickelte sich Opzelura nach der internationalen Einführung und der Zulassung für pädiatrische atopische Dermatitis zu einem Wachstumstreiber mit einem Plus von 35 Prozent. In der Summe führten diese Effekte zu einem Umsatzanstieg von 20 Prozent, deutlich über den Erwartungen der Analysten. Besonders bemerkenswert war dabei das Wachstum des Geschäfts außerhalb von Jakafi, das um nahezu 45 Prozent zulegte.

Stabilisierung vor dem Patentauslauf von Jakafi

Nach den Zahlen zum dritten Quartal zeigt sich ein klar veränderter Ausblick. Zwar läuft der Patentschutz für Jakafi im Jahr 2028 aus, doch soll eine Version mit verlängerter Wirkstofffreisetzung den Übergang abfedern. Gleichzeitig verliert das Szenario eines drastischen Einbruchs der Gewinne ab 2029 an Plausibilität, da das übrige Produktportfolio rasant wächst. Hinzu kommen mehrere Pipeline-Projekte, die auf der jüngsten Investorenkonferenz vorgestellt wurden und zwischen 2027 und 2031 Marktreife erreichen könnten. Diese Perspektive relativiert das Risiko des Patentauslaufs erheblich.

Das aktuelle Produktportfolio im Überblick

Jakafi bleibt mit einem Umsatz von rund 791 Millionen US-Dollar das wichtigste Produkt und steht weiterhin für knapp 58 Prozent der Erlöse. Das Medikament war der erste orale JAK1-2-Inhibitor mit Zulassung für Hochrisiko-Myelofibrose und wurde im Laufe der Jahre auf weitere Indikationen ausgeweitet. Die zwischenzeitliche Ablehnung einer Retardversion im Jahr 2023 hatte die Marktstimmung belastet, doch eine Markteinführung einer einmal täglich einzunehmenden Variante wird weiterhin für 2026 erwartet. Zusätzlich tragen Lizenzzahlungen aus dem Ausland signifikant zum Umsatz bei.

Opzelura entwickelte sich zuletzt zum zweitwichtigsten Produkt und erreichte einen Umsatz von 188 Millionen US-Dollar. Die Creme basiert auf dem gleichen Wirkstoff wie Jakafi und ist für leichte bis mittelschwere atopische Dermatitis zugelassen.

Darüber hinaus wächst das Geschäft jenseits von Jakafi dynamisch. Medikamente wie Niktimvo, Monjuvi, Zynyz, Pemazyre und Iclusig tragen inzwischen knapp 30 Prozent zum Gesamtumsatz bei. Zusammen erzielten sie zuletzt Erlöse von 1,26 Milliarden US-Dollar bei einer Wachstumsrate von 45 Prozent.

Wachstumsperspektiven bis zum Ende des Jahrzehnts

Das Management geht davon aus, dass sich der Umsatz außerhalb von Jakafi bis 2030 auf drei bis vier Milliarden US-Dollar verdreifachen kann. Selbst das untere Ende dieser Prognose entspräche einem jährlichen Wachstum von rund 19 Prozent und würde einen Großteil des erwarteten Umsatzrückgangs nach dem Patentauslauf kompensieren. Bei stärkerem Wachstum könnte sogar mehr als vier Fünftel der heutigen Jakafi-Umsätze ersetzt werden.

Patentrückgang als kalkulierbares Risiko

Historische Beispiele zeigen, dass Umsätze von Wirkstoffen nach dem Eintritt von Generika zwar deutlich zurückgehen, sich jedoch nicht vollständig auflösen. Unter konservativen Annahmen ließe sich selbst in einem ungünstigen Szenario ein erheblicher Teil der Erlöse stabilisieren. Eine erfolgreiche Umstellung auf eine Retardversion könnte den Einschnitt zusätzlich abmildern und den abrupten Rückgang in einen flacheren Verlauf verwandeln.

Die Pipeline als strategische Absicherung

Parallel dazu treibt Incyte mehrere Entwicklungsprojekte voran, die das Unternehmen langfristig breiter aufstellen sollen. Insgesamt sieben potenzielle Produkte mit einem kumulierten Spitzenumsatz von über zehn Milliarden US-Dollar befinden sich in fortgeschrittenen Entwicklungsphasen. Mehrere dieser Wirkstoffe werden derzeit in entscheidenden Studien geprüft und könnten rechtzeitig zur Markteinführung gelangen, um den Übergang nach 2028 zu erleichtern.

Analysten bleiben trotz Fortschritten vorsichtig

Trotz der operativen Erholung spiegeln die aktuellen Analystenschätzungen weiterhin ein eher defensives Szenario wider. Für 2026 wird lediglich ein Umsatzwachstum von gut elf Prozent erwartet, deutlich weniger als im dritten Quartal 2025. Auf dieser Basis wird die Aktie mit einem moderaten Bewertungsniveau gehandelt, das implizit weiterhin einen strukturellen Rückgang unterstellt. Sollte sich jedoch zeigen, dass der Patentauslauf weniger gravierend ausfällt, eröffnet sich erhebliches Aufwärtspotenzial.

Fazit

Incyte hat sich in kurzer Zeit von einem als auslaufend wahrgenommenen Geschäftsmodell zu einem wachstumsorientierten Biopharmaunternehmen gewandelt. Die Rückkehr von Jakafi auf den Wachstumspfad, das dynamische Portfolio jenseits des Blockbusters und eine vielversprechende Pipeline bilden gemeinsam ein solides Fundament für die kommenden Jahre. Für langfristig orientierte Anleger ergibt sich damit weiterhin ein attraktives Chancen-Risiko-Profil, das vom Markt bislang nur unzureichend gewürdigt wird.

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