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Volkswagen-Aktie: Ist sie auf dem 15-Jahrestief ein Kauf?

Streit auf der Hauptversammlung
Mit einem Kursverlust von -3% hält die Volkswagen-Aktie am Montagvormittag die rote Laterne im DAX ganz fest in der Hand und fällt damit auf den tiefsten Stand seit August 2010. Ist das Papier des größten europäischen Autokonzerns auf seinem 15-Jahrestief einen Kauf wert oder drohen noch tiefere Kurse?

Die Fetzen fliegen auf der HV

Ende letzter Woche fand die 66. ordentliche Hauptversammlung von Volkswagen statt und wie in den letzten drei Jahren war es auch diesmal eine rein virtuelle Veranstaltung. Viele Aktionärsvertreter kritisierten dieses digitale Format scharf. Angesichts der dramatischen Krise, des massiven Stellenabbaus und des Gewinneinbruchs warfen Kritiker dem Management vor, sich hinter den Bildschirmen zu „verstecken“, um der direkten, physischen Konfrontation und dem ungefilterten Protest vor Ort zu entgehen.

Diese Kritik kann man nachvollziehen, denn selbst an den Bildschirmen ging es hoch her bei der VW-Hauptversammlung. Bei einer physischen Veranstaltung wären wahrscheinlich die Fetzen geflogen — zu Recht, denn Volkswagen befindet sich in der wahrscheinlich schwierigsten Lage seiner Unternehmensgeschichte.

VW-Chef Oliver Blume redete nicht lange um den heißen Brei herum und erklärte offen, dass das über Jahrzehnte erfolgreiche Geschäftsmodell von VW heute nicht mehr funktioniert. Er versuchte, die Anteilseigner auf einen radikalen Sparkurs einzuschwören. Bestätigt wurde ein massiver Stellenabbau.

Bis Ende des Jahres sollen allein bei der Kernmarke VW 19.000 Stellen wegfallen, eine Vier-Tage-Woche und verlängerte Werksferien nach dem Sommer eingeführt werden. Zudem sollen die Produktionskapazitäten in Europa und China um jeweils 500.000 Fahrzeuge zusammengestrichen werden.

Eine umstrittene Dividende

Trotzdem erntete das Management des Autokonzerns heftige Kritik von Großinvestoren und Aktionärsvertretern, da der Konzern auf die brennenden Zukunftsfragen, insbesondere beim schleppenden E-Auto-Absatz, kaum überzeugende Antworten liefern konnte. Ein massiver Streitpunkt, der Anleger aus der Aktie treibt, ist die Gewinnverwendung.

Das Konzernergebnis nach Steuern für das abgelaufene Jahr brach um schmerzhafte 44% auf nur noch 6,9 Milliarden € ein. Trotz dieses Gewinneinbruchs schüttet VW eine Dividende von insgesamt rund 2,6 Milliarden Euro aus. Das sind zwar nur rund 38% des Konzernergebnisses, aber viele Anteilseigner kritisierten, dass das Geld an allen Ecken und Enden im Unternehmen fehle, um die dringend erforderlichen, günstigen Elektroautos „Made in Germany“ zu produzieren.

Ergänzend sei erwähnt: Gerade in unsicheren Marktphasen können Dividenden-Aktien als Stabilisator dienen. Diese zehn Titel kombinieren defensiven Charakter mit interessanten Kurschancen – eine Kombination, die aktuell selten geworden ist.

Ausführliche Chartanalyse

Eine ausführliche aktuelle Chartanalyse gibt es bei meinem Kollegen Christian Kämmerer.

Bei E-Autos nicht wettbewerbsfähig

Bei E-Autos nicht wettbewerbsfähig

Die ganze Misere des Volkswagen-Konzerns bringt meiner Ansicht nach eine Kennzahl zum Ausdruck: Im vergangenen Jahr lieferte der Autohersteller rund 983.000 reine (batterieelektrische) Fahrzeuge aus. Bei einem Gesamtabsatz von rund 8,98 Millionen Autos lag der BEV-Anteil 2025 somit bei 10,9%. Bei der Kernmarke VW waren von 4,73 Millionen verkauften Autos 382.000 BEV-Modelle, also ein E-Autoanteil von 8,1%.

Dieser Anteil von Elektroautos ist schlicht und ergreifend desaströs. Wir schreiben das Jahr 2026 und gerade mal jedes 10. Auto aus dem Hause Volkswagen ist ein echtes Elektroauto.

Aber es kommt noch schlimmer. Während in Europa der reine E-Autoanteil von VW sich inzwischen der 20%-Marke nähert, sind die VW-Verkäufe in China und den USA im ersten Quartal 2026 dramatisch eingebrochen. In China ging der Absatz von E-Autos um 60% zurück, in den USA kollabierte er sogar um 80%.

Ich will an dieser Stelle Klartext reden: VW ist bis heute bei Elektroautos nicht wettbewerbsfähig. Diese Feststellung gilt vor allem für Kleinwagen. Der ID.Polo kostet bislang in der günstigsten Variante 34.000 €. Ab Juli soll es ein neues Modell für einen Einstiegspreis von 25.000 € geben.

Das ist dringend notwendig, denn mit den bisherigen Preisen sind die Wolfsburger gegenüber der chinesischen Konkurrenz absolut nicht konkurrenzfähig. Die Deutschen und Europäer haben zwar eine gewisse Präferenz für heimische Marken, aber bei zu großen Preisgefällen hört diese Liebe auf.

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ℹ️ Volkswagen in Kürze

  • Die Volkswagen AG (WKN: 766403) mit Sitz in Wolfsburg ist der nach Umsatz größte und nach Absatz zweitgrößte Fahrzeughersteller der Welt. Zusätzlich zur Kernmarke Volkswagen ist die VW AG auch Muttergesellschaft zahlreicher weiterer Autohersteller, darunter Audi, Lamborghini, Porsche, Seat und Skoda.
  • Neben dem Pkw-Bereich gehört auch der Geschäftsbereich Nutzfahrzeuge mit den Unternehmen MAN und Scania zum VW-Konzern. Zudem bietet der Konzern zahlreiche Finanzdienstleistungen an, darunter Finanzierungen und Versicherungen.
  • Volkswagen ist Mitglied im deutschen Leitindex DAX und im europäischen Leitindex EuroStoxx 50 und aktuell ca. 43 Milliarden € wert.

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Fazit

VW muss dringend auf die Kosten- und Preisbremse treten. Ansonsten wird es sehr düster in Wolfsburg und an den anderen Produktionsstandorten werden.

Ich fürchte, dass die Volkswagen-Aktie auch beim 15-Jahrestief noch keinen Boden gefunden hat. Die Autokonzern wird sehr schnell sehr gute Nachrichten liefern müssen, um seinen Absturz an der Börse zu verhindern. Nur leider sehe ich nicht, woher diese good news kommen sollen.