Viking Therapeutics-Aktie: Hopp oder top?
Die Aktie von Viking Therapeutics steht exemplarisch für die enorme Dynamik im Markt für Abnehmmedikamente und spiegelt zugleich die noch ungelösten Bewertungsfragen im Biotech-Sektor wider. Trotz deutlicher Fortschritte bleibt das Papier weit von seinen Höchstständen aus 2024 entfernt und bietet damit reichlich Stoff für Diskussionen unter Investoren.
Wettbewerb bei oralen Abnehmpräparaten gewinnt an Tempo
Nachdem führende Hersteller ihre Ergebnisse zu oralen GLP-1-Wirkstoffen vorgelegt und Zulassungen beantragt haben, präsentiert sich Viking Therapeutics in einer deutlich verbesserten Ausgangslage. Zwar profitierte das Unternehmen von der Übernahmefantasie rund um Metsera, doch notiert die Aktie weiterhin klar unter den Höchstständen aus dem Jahr 2024 und auch deutlich unter den Bewertungen, die Wettbewerbern im GLP-1-Segment zugestanden werden.
Jüngst erhielt Novo Nordisk die Zulassung für eine orale Version seines Blockbusters Wegovy, die Anfang 2026 auf den Markt kommen soll. In einer 64-wöchigen Studie führte die tägliche Einnahme von 25 Milligramm Semaglutid zu einem durchschnittlichen Gewichtsverlust von 16,6 Prozent, wobei rund ein Drittel der Studienteilnehmer mehr als 20 Prozent ihres Körpergewichts verlor. Diese Ergebnisse lagen über denen des oralen GLP-1-Präparats von Eli Lilly, gelten jedoch nicht als uneinholbare Messlatte für neue Wettbewerber.
Fortschritte bei VK2735 stärken die Position
Viking Therapeutics treibt derzeit eine vollständig rekrutierte Phase-3-Studie zu VK2735 voran, einem dualen GLP-1- und GIP-Agonisten. Bereits in einer Phase-2-Studie zeigte der Wirkstoff nach 13 Wochen einen Gewichtsverlust von 14,7 Prozent, ohne Anzeichen einer frühzeitigen Abschwächung der Wirkung. Zusätzlich wurden überzeugende Daten für die orale Variante von VK2735 vorgelegt, bei der in der höchsten Dosierung ein Gewichtsverlust von bis zu 12,2 Prozent innerhalb von 13 Wochen erzielt wurde. Der Start der entscheidenden Phase-3-Studie ist für 2026 vorgesehen.
Besonders aufmerksam verfolgen Marktteilnehmer die Entwicklung über längere Behandlungszeiträume. Mehrere Dosierungen oberhalb von 15 Milligramm deuteten bereits in der frühen Phase auf weiter zunehmenden Gewichtsverlust hin, was die Hoffnung auf starke Ergebnisse in der über 78 Wochen laufenden Vanquish-Studie nährt.
Rückschläge und strategische Anpassungen
Nach Veröffentlichung der Phase-2-Daten geriet die Aktie im vergangenen Sommer unter Druck, da sich Anleger auf Abbrüche innerhalb der Studie konzentrierten. Das Management reagierte mit einer klaren Strategieanpassung und will sich künftig auf Dosierungen zwischen 20 und 75 Milligramm konzentrieren, bei denen eine günstige Balance zwischen Wirksamkeit und Verträglichkeit erzielt wurde. Gleichzeitig sollen niedrigere Einstiegsdosen und feinere Dosisschritte mögliche Nebenwirkungen reduzieren.
Bewertungslücke im Branchenvergleich
Der milliardenschwere Metsera-Deal hat die wirtschaftlichen Dimensionen des Marktes eindrucksvoll verdeutlicht. Während Viking Therapeutics aktuell mit etwas mehr als vier Milliarden Dollar bewertet wird, lag der Kaufpreis für Metsera bei rund zehn Milliarden Dollar. Sowohl Pfizer als auch Novo Nordisk hatten demnach deutlich höhere Bewertungen akzeptiert.
Parallel dazu hat Viking Therapeutics die Weichen für eine spätere Vermarktung gestellt und mit CordenPharma eine Vereinbarung zur Produktion getroffen, die im Erfolgsfall die Herstellung von bis zu einer Milliarde Tabletten sowie hundert Millionen Autoinjektoren ermöglicht. Anzeichen für eine kurzfristige Übernahmebereitschaft gibt es jedoch nicht, nachdem bereits ein Angebot von Eli Lilly im Bereich von 40 bis 50 Dollar je Aktie abgelehnt worden war.
Solide Finanzierung, aber hohe Risiken
Dank umfangreicher Kapitalmaßnahmen verfügt das Unternehmen über liquide Mittel von rund 700 Millionen Dollar und sieht sich damit finanziell in der Lage, die laufenden Phase-3-Studien bis zu deren Auswertung zu stemmen. Dennoch bleibt das Risiko hoch. Enttäuschende Wirksamkeitsdaten, Probleme bei der Verträglichkeit oder Verzögerungen beim Produktionshochlauf könnten die Perspektiven deutlich eintrüben. Zudem erschwert die starke Konkurrenz durch etablierte Marktführer den späteren Weg zur Profitabilität.
Bewertung und Ausblick
Unterm Strich erscheint Viking Therapeutics im Verhältnis zum Marktpotenzial seiner GLP-1-Pipeline weiterhin günstig bewertet. Das Unternehmen liegt zeitlich vor vergleichbaren Projekten wie Metsera und könnte theoretisch jederzeit eine ähnliche Transaktion anstoßen. Solange dies nicht geschieht, bleibt die Aktie vor allem für risikobereite Anleger interessant, die in Kursrücksetzern eine Chance sehen, sich frühzeitig an einem möglichen künftigen Schwergewicht im Markt für Abnehmmedikamente zu beteiligen.
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