Verbio-Aktie: Droht hier eine Überhitzung?
Die Verbio-Aktie kennt momentan keine Obergrenzen. Am Dienstag gewinnt sie aktuell +7,6% und steht bei 30,80 €. Damit verdreifachte sie sich seit September letzten Jahres und steht wieder auf dem Niveau von Ende 2023. Was ist jetzt noch zu erwarten?
Bisherige Problemfelder
Nachdem das Unternehmen in den vergangenen Jahren immer schlechtere Zahlen gemeldet hatte, war das Interesse der Anleger sehr gering. Es gab auch keinen Grund, in die Aktie zu investieren.
Die Probleme des Unternehmens lagen allerdings außerhalb des eigenen Bereichs. Einerseits waren es Billigimporte aus China und Brasilien. Hinzu kam, dass Importe aus China angeblich falsch deklariert waren. Statt hochwertigem Öl wurde billiges Palmöl verwendet. Hierfür wurden demnach falsche THG-Zertifikate ausgestellt.
Mit der neuen Regierung lag der Fokus auch nicht mehr so stark auf der erneuerbaren Energie. Biogas war zu einer Randaktivität geworden.
Rückkehr zur Normalität
Gegen diese Missstände geht die EU vor, insbesondere bezüglich des Verdachts der Falschdeklarierung. Das Ziel ist, den Missbrauch mit den Zertifikaten zu beseitigen und für einen fairen Wettbewerb zu sorgen.
Zudem gewinnen die EU-Regeln RED II und RED II immer mehr an Bedeutung. Hier geht es um die Zielerreichung der erneuerbaren Energien. Dabei geht es unter anderem auch um die Beimischung von Biokraftstoffen. Die erneuerbaren Energien sollen bis 2030 bei RED II bei 32% liegen und bei RED III bei 42,5%.
Die Maßnahmen der EU helfen insgesamt Verbio.
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Ertrag deutlich gesteigert
Neben den regulatorischen Maßnahmen erholen sich auch die wirtschaftlichen Daten. Im Halbjahresbericht vom 12. Februar zeigte sich, dass die Profitabilität wieder deutlich zunahm. Das operative EBITDA verbesserte sich von 14,3 Millionen € im Vorjahreszeitraum auf 45,5 Millionen €. Der Nettoverlust sank von 26,4 auf 0,7 Millionen €. Hierzu trug hauptsächlich der Umsatzanstieg von 751,6 auf 893,7 Millionen € bei. Auf Jahressicht wird mit einem hohen zweistelligen EBITDA gerechnet.
Was bedeutet das für die Aktie?
Trotz vieler Turbulenzen an den Börsen blieb der Aufwärtstrend intakt. Der Iran-Konflikt dürfte sich sogar vorteilhaft auswirken. Die Reduzierung von Erdgas und Öl wird wieder in den Vordergrund rücken. Biogas und Biokraftstoffe können die Abhängigkeit reduzieren.
Dennoch ist aus meiner Sicht mittlerweile ein Kursniveau erreicht, in dem viel Positives eingepreist ist. Das weitere Potenzial halte ich daher für begrenzt. Vielmehr gehe ich von einer Korrektur aus. Wer gute Kursgewinne erzielte, sollte gelegentlich über eine Mitnahme oder Teilmitnahme nachdenken.
Die Analysten sind unterschiedlicher Meinungen. Jefferies sieht den fairen Wert bei 25 €, die Deutsche Bank bei 29,60 € und mwb Research bei 32 €.
Mein Fazit: Ein Einstieg auf dem jetzigen Kursniveau ist wenig ratsam.
Am Rande erwähnt: Die globale Aufrüstung treibt die Nachfrage nach kritischen Rohstoffen – unser exklusiver Report „Rüstung – Megatrend im Rohstoffsektor“ identifiziert zwei Unternehmen, die von dieser Entwicklung maximal profitieren werden.
Interessenkonflikt: Der Autor hält Aktien des besprochenen Unternehmens Verbio. Somit besteht konkret und eindeutig ein Interessenkonflikt. Der Autor beabsichtigt, die Aktien – je nach Marktsituation auch kurzfristig – zu kaufen oder zu veräußern und könnte dabei von erhöhter Handelsliquidität profitieren.
ℹ️ Verbio in Kürze
- Die Verbio SE ist einer der führenden Bioenergieproduzenten und gleichzeitig der einzige großindustrielle Hersteller von Biodiesel.
- Neben dem Hauptsitz in Leipzig befinden sich Produktionsstätten in Deutschland, Polen und den USA. In Indien ist eine Anlage im Bau.
- Das im SDAX gelistete Unternehmen wird mit knapp 2 Milliarden € bewertet.