Uber-Aktie nach Korrektur: Gibt sie langsam wieder Gas?

Nach -30% vom Hoch

Die Aktie von Uber hat in den vergangenen Wochen deutlich nachgegeben und notiert spürbar unter ihrem jüngsten Hoch. Trotz des Kursrückgangs sprechen die operativen Kennzahlen weiterhin für ein robustes Geschäftsmodell mit wachsender Ertragskraft.

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Die Zahlen: Kein Anlass zur Sorge

Über den letzten Monat hat die Uber-Aktie noch einmal fast 15 Prozent verloren. An den fundamentalen Rahmendaten für den Mobilitätsdienstleister hat sich jedoch wenig geändert, vielmehr hat sich der Geschäftsausblick nach dem vierten Quartal sogar verbessert.

Der Umsatz erreichte im Schlussquartal 14,37 Milliarden US-Dollar und lag damit 20 Prozent über dem Vorjahreswert. Die Bruttobuchungen stiegen um 22 Prozent, während die Zahl der monatlich aktiven Nutzer die Marke von 200 Millionen überschritt.

Für das Gesamtjahr meldete das Unternehmen ein bereinigtes EBITDA von 8,7 Milliarden US-Dollar, ein Plus von 35 Prozent im Jahresvergleich. Der freie Cashflow näherte sich der Schwelle von 10 Milliarden US-Dollar und wuchs um 42 Prozent. Damit steht außer Frage, dass Uber inzwischen in erheblichem Umfang liquide Mittel generiert und Wert aufbaut.

Das Fahrgeschäft bleibt zwar die tragende Säule, doch auch das Liefersegment überzeugt weiter mit beschleunigtem Wachstum. Impulse kommen insbesondere aus den Bereichen Lebensmittel, Einzelhandel sowie aus der Expansion in weniger dicht besiedelte Regionen. Zudem entwickelt sich der Versicherungsbereich, lange Zeit ein struktureller Belastungsfaktor, zunehmend positiv.

Ungeachtet dieser operativen Stärke liegt der Aktienkurs rund 30 Prozent unter den letztjährigen Kurshochs von knapp 102 US-Dollar.

Autonome Mobilität als Chance statt Bedrohung

Die Skepsis des Marktes scheint sich vor allem auf die Themen Künstliche Intelligenz und autonome Fahrzeuge zu richten. Befürchtet wird, dass kapitalintensive Investitionen in autonome Flotten die Margen unter Druck setzen oder Uber langfristig verdrängen könnten.

Diese Sichtweise greift jedoch zu kurz. Uber positioniert sich nicht als Entwickler eigener Fahrzeugtechnologie, sondern als zentrale Nachfrageschicht im Mobilitätsökosystem. Konzernchef Dara Khosrowshahi betonte im Aktionärsbrief zum vierten Quartal, dass die Auslastung auf der Uber-Plattform strukturell höher sei als bei isolierten autonomen Angeboten. In das Netzwerk integrierte Fahrzeuge erzielten Berichten zufolge mehr als 30 Prozent zusätzliche Fahrten pro Tag. Entscheidend ist die Dichte der Nachfrage.

Hinzu kommt, dass rund 70 Prozent der US-Gewinne außerhalb der 20 größten Städte erwirtschaftet werden. Autonome Flotten dürften sich auf Jahre hinaus vor allem auf urbane Zentren konzentrieren. International entfallen etwa 60 Prozent der Bruttobuchungen auf Mobilitätsdienste außerhalb der USA. Ein kurzfristiger Ersatz des bestehenden Gewinnpools erscheint daher unrealistisch.

Auch die Sorge vor steigender Kapitalintensität wirkt überzogen. Selbst wenn autonome Fahrzeuge zum Standard würden, ist Uber nicht darauf angewiesen, eigene Flotten zu besitzen. Stattdessen setzt das Unternehmen auf Liefervereinbarungen und Minderheitsbeteiligungen, ohne selbst Fabriken zu errichten.

Frühe Daten aus Städten wie San Francisco und Austin deuten zudem darauf hin, dass die Bruttobuchungen in Märkten mit wachsender Präsenz autonomer Fahrzeuge zulegen. Künstliche Intelligenz stärkt damit Effizienz und Netzwerkeffekte. Gerade diese Netzwerkeffekte gelten als zentraler Wettbewerbsvorteil, den weder neue Anbieter noch technologische Trends leicht ersetzen können.

Bewertung im Widerspruch zur Geschäftsdynamik

Gemessen an den aktuellen Kennzahlen erscheint die Bewertung moderat. Die Aktie wird mit dem 21-Fachen des erwarteten Non-GAAP-Gewinns gehandelt, das Verhältnis von Unternehmenswert zu Umsatz liegt bei rund 2,5, während das erwartete EV/EBITDA etwa 13 beträgt. Das Forward-PEG liegt unter eins, das Kurs-Cashflow-Verhältnis unter 15.

Diese Multiplikatoren treffen auf ein Unternehmen, dessen freier Cashflow um rund 40 Prozent wächst, während das EBITDA im mittleren 30-Prozent-Bereich zulegt und die Nutzerbasis weiter expandiert. Gleichwohl preist der Markt offenbar erhöhte Risiken oder begrenzte Wachstumsperspektiven ein.

Dabei ist die Marktdurchdringung weiterhin vergleichsweise niedrig. Nach Angaben des Managements nutzen in den wichtigsten Märkten lediglich etwa 15 Prozent der Erwachsenen die Plattform. Die Nutzung mehrerer Produktkategorien liegt bei rund 20 Prozent. Der Spielraum für weiteres Wachstum bleibt beträchtlich, während bereits heute jährlich rund 10 Milliarden US-Dollar an freiem Cashflow generiert werden.

Charttechnik signalisiert potenzielle Stabilisierung

Auch aus technischer Sicht rückt eine entscheidende Unterstützungszone in den Blick. Der Kurs notiert knapp oberhalb des 200-Wochen-Durchschnitts, einem Bereich, der häufig als langfristige Unterstützung dient. Der Relative-Stärke-Index hat sich deutlich abgekühlt und nähert sich dem überverkauften Bereich.

Sollte es dennoch zu weiteren Rücksetzern kommen, verläuft im Bereich um 55 US-Dollar eine markante Volumenunterstützung. Auf dem aktuellen Niveau erscheint das Chance-Risiko-Verhältnis jedoch eher zugunsten der Käufer verschoben.

Wettbewerbs- und Regulierungsrisiken bleiben präsent

Trotz der positiven Perspektiven bestehen Risiken. Technologiekonzerne wie Alphabet und Tesla investieren massiv in autonome Systeme und streben eine führende Rolle in diesem Zukunftsmarkt an.

Zudem könnten regulatorische Eingriffe die Geschäftstätigkeit erschweren, sei es durch strengere Vorgaben für autonome Fahrzeuge oder durch neue Regelungen im Verhältnis zwischen Plattform und Fahrern. Schließlich ist nicht auszuschließen, dass der anhaltende Abverkauf im Technologiesektor die Aktie weiter belastet, solange keine klare Trendwende erkennbar ist.

Langfristig intakte Investmentthese

Der jüngste Kursrückgang reiht Uber in die allgemeine Schwäche vieler Technologie- und Softwarewerte ein, obwohl das Unternehmen operativ weiter an Dynamik gewinnt und von technologischen Fortschritten profitieren dürfte. Die Plattform zählt zu den wertvollsten Mobilitätsnetzwerken weltweit und verfügt über ausgeprägte Skaleneffekte.

Vor diesem Hintergrund erscheint das aktuelle Bewertungsniveau im Verhältnis zu Wachstum, Cashflow und strategischer Positionierung attraktiv.

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