ThyssenKrupp-Aktie: Was, wenn die Übernahme platzt?
Die Thyssen-Aktie befindet sich wieder in einem stärkeren Abwärtstrend. Seit dem Hoch Mitte Februar mit 12,30 € beträgt der Kursverlust insgesamt rund -28%. Am Donnerstag verliert sie aktuell weitere -1,6% und steht bei 8,90 €. Wie sind die weiteren Aussichten?
Verkauf der Stahlsparte zieht sich hin
Das Interesse des indischen Stahlherstellers Jindal an einer Übernahme der Stahlsparte von ThyssenKrupp sorgte im vergangenen Jahr für viel Euphorie. Thyssenkrupp Steel ist die größte Baustelle im Konzern und ist der eigentliche Bremsklotz für die Aktie.
Bevor Jindal sein Interesse bekundete, bestand eine Minderheitsbeteiligung der EP Corporate Group (EPCG) um den tschechischen Milliardär Daniel Křetínský. ThyssenKrupp und EP einigten sich und deren Anteil ging wieder an den Essener Stahlkonzern.
Genaue Details über den Einstieg gab es offiziell nie, es wurde immer von vertraulichen Gesprächen gesprochen. Laut Unternehmensangaben befinden sich die Verhandlungen in der Due-Diligence-Phase. Das ist ein normaler Vorgang, der Erwerber möchte wissen, was auf ihn zukommt und welcher Preis zu zahlen ist.
Das Thema dürfte sehr komplex sein, insbesondere welche Altlasten, insbesondere die hohen Pensionsverpflichtungen, bestehen. Zudem muss geprüft werden, welche Investitionen notwendig sind und wie die zukünftigen Erwartungen aussehen.
Geplant ist, dass die Verhandlungen Anfang 2026 abgeschlossen sein sollen. Ob die Verhandlungen noch im ersten Quartal abgeschlossen werden, ist eher unwahrscheinlich.
Stufenmodell als Lösung
Wie ein Einstieg von Jindal aussehen sollte, bleibt weiterhin ungewiss. Laut Insidergerüchten deutet sich jedoch an, dass ein Stufenmodell vorgesehen ist. Dabei könnte Jindal mit einem Anteil von 60% größter Anteilseigner werden. Die restlichen 40% verbleiben vorerst bei der Muttergesellschaft.
Hierdurch besteht für den Essener Konzern die Möglichkeit, die hohen Pensionsverpflichtungen von 2,5 Milliarden € besser steuern zu können. Eine volle Übernahme der Pensionsverpflichtungen durch Jindal ist nicht zu erwarten.
Seitens der Gewerkschaft und des Betriebsrats, beide sind in die Verhandlungen eingebunden, wird gefordert, dass die Standorte garantiert werden und eine langfristige Beschäftigung gesichert ist. Unabhängig von der Übernahme wurde bereits ein Abbau von 11 000 Jobs bis 2030 vereinbart.
Was bedeutet das für die Aktie?
Je länger die Verhandlungen dauern, umso höher dürfte die Wahrscheinlichkeit sein, dass der Übernahmedeal platzt. Entweder zieht sich Jindal komplett zurück oder stellt so hohe Forderungen, dass ein Einstieg für den Essener Konzern uninteressant ist.
Beide Szenarien würden zu deutlichen Kursverwerfungen führen. Ein Ausstieg würde kurzfristig zu einem deutlichen Kursverlust führen. Entweder führt der Konzern dann die Sanierung in Eigenregie durch oder er hält Ausschau nach einem neuen Interessenten. In letzteren Fall beginnt das Prozedere von vorn. Ich halte diese Option für unwahrscheinlich, vielmehr dürfte die Stahlsparte im Konzernverbund bleiben. Die Anzahl der Interessenten ist begrenzt.
Eine weitere Baustelle ist die Sparte Materials Service. Auch hier kann es zu einem Verkauf oder einem Börsengang kommen. Bei der Sparte Automotive sieht es ebenfalls nicht rosig aus.
Insgesamt kämpft der Konzern weiterhin mit großen Schwierigkeiten. Daher dürfte das Kurspotenzial begrenzt bleiben. Ein Ausstieg von Jindal würde kurzfristig zu einem stärkeren Kursrückgang führen. Ich erwarte weiterhin eine Seitwärtsbewegung in einer Range von 8 bis 11 €.
Mein Fazit: Es bleibt weiterhin kritisch. Anleger, die hier einsteigen, sollten eine höhere Risikobereitschaft mitbringen.
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ℹ️ Thyssenkrupp in Kürze
- Thyssenkrupp mit Hauptsitz in Essen ist ein diversifizierter Industrie- und Technologiekonzern mit Schwerpunkt in der Stahlherstellung.
- Der Konzern ging 1999 aus der Fusion der beiden Traditionsunternehmen Friedrich Krupp AG und Thyssen AG hervor.
- Thyssenkrupp ist im Nebenwerteindex MDAX notiert und ist aktuell 5,5 Milliarden € wert.