ThyssenKrupp-Aktie: 2026 – das Jahr der Entscheidung?
Die ThyssenKrupp-Aktie konnte nach dem leichten Rückgang Ende 2025 wieder deutlich zulegen. Am Mittwoch verbessert sie sich aktuell um +4,6% und steht bei 10,20 €. Momentan befindet sie sich in einer kritischen Phase. Was bedeutet das für den weiteren Kursverlauf?
Verkauf der Stahlsparte zieht sich hin
Das Interesse des indischen Stahlherstellers Jindal an einer Übernahme der Stahlsparte von ThyssenKrupp sorgte im vergangenen Jahr für viel Euphorie. Thyssenkrupp Steel ist die größte Baustelle im Konzern und ist der eigentliche Bremsklotz für die Aktie.
Bevor Jindal sein Interesse bekundete, bestand eine Minderheitsbeteiligung der EP Corporate Group (EPCG) um den tschechischen Milliardär Daniel Křetínský. ThyssenKrupp und EP einigten sich und deren Anteil ging wieder an den Essener Stahlkonzern.
Genaue Details über den Einstieg von Jindal gab es offiziell nie, es wurde immer von vertraulichen Gesprächen gesprochen. Die Basis für eine endgültige Entscheidung sollte die Due-Diligence-Prüfung sein. Das ist ein normaler Vorgang: der Erwerber möchte wissen, was auf ihn zukommt und welcher Preis zu zahlen ist.
Das Thema dürfte sehr komplex sein, insbesondere welche Altlasten, insbesondere die hohen Pensionsverpflichtungen, bestehen. Zudem muss geprüft werden, welche Investitionen notwendig sind und wie die zukünftigen Erwartungen aussehen.
Geplant ist, dass die Verhandlungen Anfang 2026 abgeschlossen sein sollen.
Stufenmodell als wahrscheinlich
Wie ein Einstieg von Jindal aussehen sollte, bleibt weiterhin ungewiss. Laut Insidergerüchten deutet sich jedoch an, dass ein Stufenmodell vorgesehen ist. Dabei soll Jindal mit einem Anteil von 60% größter Anteilseigner werden. Die restlichen 40% verbleiben vorerst bei der Muttergesellschaft.
Hierdurch besteht für den Essener Konzern die Möglichkeit, die hohen Pensionsverpflichtungen von 2,5 Milliarden € besser steuern zu können. Eine volle Übernahme der Pensionsverpflichtungen durch Jindal ist nicht zu erwarten.
Seitens der Gewerkschaft und des Betriebsrats, beide sind in die Verhandlungen eingebunden, wird gefordert, dass die Standorte garantiert werden und eine langfristige Beschäftigung gesichert ist. Unabhängig von der Übernahme wurde bereits ein Abbau von 11 000 Jobs bis 2030 vereinbart.
Was bedeutet das für die Aktie?
Es kann zu zwei sehr unterschiedlichen Szenarien kommen: Die Übernahme oder der Einstieg von Jindal findet nicht statt, die zweite Möglichkeit ist, dass Jindal einsteigt.
Sollte es zu keinem Einstieg kommen, ist mit einem deutlichen Kursrückgang zu rechnen. Dann müsste ThyssenKrupp die Sanierungskosten alleine tragen. Das würde das Konzernergebnis auf Jahre negativ belasten.
Wenn der Einstieg stattfindet, ist kurzfristig mit einem stärkeren Kursanstieg zu rechnen. Das Phasenmodell ist im Prinzip eine gute Lösung. Jindal trägt das Risiko nicht alleine und ThyssenKrupp kann die bestehenden Pensionsverpflichtungen mittelfristig verteilen. Somit bestünde auch die Möglichkeit, von einer zukünftig besseren Ertragslage zu profitieren.
Aus meiner Sicht liegt die Wahrscheinlichkeit für das Gelingen der Übernahme bei 70:30. ThyssenKrupp muss hier große Zugeständnisse machen, neue Interessenten dürfte es kaum geben. Auch der Betriebsrat und die Gewerkschaften müssen Kompromisse eingehen. Die Lage in der Stahlbranche wird weiterhin schwierig bleiben.
Sollte der Deal tatsächlich gelingen, bleiben die Probleme des Konzerns weiterhin groß. Die Automotiv-Sparte kämpft ebenfalls mit großen Problemen. Ein wirklich ertragreiches Segment befindet sich nicht im Portfolio.
Mein Fazit: Wer investiert, sollte sich des Risikos bewusst sein. Mittelfristig ist das Kurspotenzial auch bei einem Deal begrenzt.
Ergänzend sei erwähnt: Während Panzerproduktion boomt, deckt „Rüstung – Megatrend im Rohstoffsektor“ zwei Unternehmen auf, die dank des Nachfrageschubs den entsprechenden Rohstoffe bald massiv profitieren werden.
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ℹ️ Thyssenkrupp in Kürze
- Thyssenkrupp mit Hauptsitz in Essen ist ein diversifizierter Industrie- und Technologiekonzern mit Schwerpunkt in der Stahlherstellung.
- Der Konzern ging 1999 aus der Fusion der beiden Traditionsunternehmen Friedrich Krupp AG und Thyssen AG hervor.
- Thyssenkrupp ist im Nebenwerteindex MDAX notiert und ist aktuell rund 6,3 Milliarden € wert.