Tesla-Aktie: Wann bricht sie zusammen?

Hohe Kurssturz-Gefahr
Redaktion

Die Aktie von Tesla lebt weniger von belastbaren Geschäftsdaten als von der Hoffnung auf künftige Durchbrüche. Anleger bezahlen derzeit vor allem für Erwartungen, deren Erfüllung immer ungewisser erscheint. Vieles deutet darauf hin, dass die Aktie bald zum großen Verlierer wird.

stock.adobe.com/James_Ellis

Wer in Tesla investiert ist finanziell an eine Vision gebunden, die nicht die eigene ist, sondern maßgeblich von Elon Musk getragen wird. Seine Erfolge sind unbestritten, doch die entscheidende Frage lautet, ob Anleger weiterhin die Finanzierung neuer Versprechen übernehmen sollten, deren wirtschaftliche Tragfähigkeit bislang nicht bewiesen ist.

Das Ende des Wachstumsnarrativs

Der einstige Vorreiter der Elektromobilität zeigt seit mehreren Quartalen deutliche Ermüdungserscheinungen. Produktions- und Auslieferungszahlen sind rückläufig, und selbst die jüngsten Rekorde lassen sich vor allem durch auslaufende Steueranreize erklären. Auch auf Umsatzebene setzt sich dieser Trend fort, mit zeitweise zweistelligen Rückgängen im Jahresvergleich. Die Schwäche zieht sich durch die gesamte Gewinn- und Verlustrechnung bis hin zur Profitabilität, die seit Jahren unter Druck steht. Kurze Erholungen ändern nichts daran, dass keine neuen stabilen Niveaus erreicht werden.

Konkurrenz als selbst geschaffene Herausforderung

Ironischerweise ist Tesla Opfer des eigenen Erfolgs geworden. Das Unternehmen hat den globalen Markt für Elektrofahrzeuge erst salonfähig gemacht und damit eine Entwicklung ausgelöst, die inzwischen einen Billionenmarkt formt. Klassische Autobauer und neue Anbieter haben massiv aufgeholt, wodurch Tesla seine frühere Dominanz verloren hat. Besonders deutlich wird dies im Vergleich mit BYD, das Tesla als weltweit größten Hersteller von Elektrofahrzeugen überholt hat. Während Tesla mit einer extrem hohen Marktbewertung gehandelt wird, steht diesem Bewertungsniveau eine deutlich geringere Dynamik im Kerngeschäft gegenüber.

Bewertung jenseits der Fundamentaldaten

Der eigentliche Kern der skeptischen Einschätzung liegt weniger im operativen Rückgang als in der Bewertung. Der aktuelle Aktienkurs setzt voraus, dass Tesla in absehbarer Zeit neue Umsatzquellen in einer Größenordnung erschließt, die mit dem Fahrzeuggeschäft konkurrieren. Diese Annahme steht jedoch im starken Gegensatz zur Realität. Weder Umsatztransparenz noch Ertragsstabilität rechtfertigen Bewertungskennzahlen, die ein Vielfaches des Branchenstandards betragen. Anleger bezahlen für Versprechen, nicht für belastbare Ergebnisse.

Robotaxis als Hoffnungsträger mit hohen Hürden

Besonders häufig wird das autonome Fahren als künftiger Wachstumsmotor genannt. Doch der Markt misst den Fortschritten Teslas in diesem Bereich einen Vorschuss zu, der kaum mit der tatsächlichen Position vereinbar ist. Um die Bewertung spürbar zu entlasten, müsste ein neues Geschäftsfeld Umsätze in dreistelliger Milliardenhöhe liefern. Da das bestehende Fahrzeuggeschäft stagniert, bliebe dafür nahezu ausschließlich das Robotaxi-Modell.

Die Konkurrenz ist jedoch weit voraus. Waymo ist bereits in mehreren Städten kommerziell aktiv und baut seine Flotte sowie industrielle Kapazitäten weiter aus. In Asien betreibt Baidu mit Apollo Go autonome Dienste in zahlreichen Metropolen und verfügt über umfangreiche reale Fahrdaten aus dem Regelbetrieb. Tesla hingegen kann bislang keine nennenswerten Umsätze aus autonomen Fahrdiensten vorweisen und sieht sich zusätzlich regulatorischen Hürden gegenüber. Die Vorstellung, in einem bereits besetzten Markt innerhalb eines Jahrzehnts einen dominierenden Anteil zu erobern, erscheint äußerst unrealistisch.

Humanoide Roboter als ferne Option

Auch der humanoide Roboter Optimus wird als künftige Erlösquelle gehandelt. Der Markt befindet sich jedoch noch in einem sehr frühen Stadium, mit wenigen kommerziellen Anwendungen und klaren Vorreitern wie Boston Dynamics oder Agility Robotics. Selbst unter optimistischen Annahmen liegt eine breite wirtschaftliche Nutzung noch Jahre entfernt. Für eine seriöse Unternehmensbewertung taugt dieses Szenario derzeit nicht.

Ein Investment mit schlaflosen Nächten

Auf dem aktuellen Kursniveau fehlt eine überzeugende Grundlage für ein langfristiges Engagement. Allenfalls eine sehr kleine Position ließe sich als spekulative Wette rechtfertigen, vergleichbar mit einer Investition in ein Hochrisiko-Unternehmen mit ungewisser Zukunft. Die Wahrscheinlichkeit, dass innerhalb des bestehenden Portfolios kurzfristig ein zusätzlicher Umsatz von 100 Milliarden Dollar entsteht, ist gering.

Tesla bleibt damit weniger ein klassisches Investment als ein Dauerexperiment, das ständige Aufmerksamkeit erfordert. Wer regelmäßig Kurse, Nachrichten und Ankündigungen verfolgen muss, um beruhigt zu bleiben, hält kein solides Anlageobjekt, sondern nimmt an einem riskanten Spiel teil. Vor diesem Hintergrund bleibt die Bewertung eindeutig: Die Aktie ist auf dem aktuellen Niveau kein Kauf, sondern ein klarer Verkauf.

Tipp: Mit unserem kostenlosen Report „3 Top-Picks 2026“ ist Dein Depot in diesem Jahr gut gerüstet – nutze die Chance und schlage den Markt!

ℹ️ Tesla in Kürze

  • Der 2003 gegründete US-Autohersteller mit Hauptsitz in Austin im US-Bundesstaat Texas ist derzeit der weltweit zweitgrößte Hersteller von Elektroautos. Neben Fahrzeugen stellt Tesla (WKN: A1CX3T) auch Batteriespeicher und Photovoltaikanlagen her.
  • Die Fahrzeuge und teilweise auch die Batterien werden in Gigafactories genannten Großfabriken produziert. Derzeit betreibt Tesla Gigafactories in den USA, Deutschland und China.
  • Tesla ist Mitglied in den US-Leitindizes Nasdaq 100 und S&P 500. Der Unternehmenswert liegt aktuell bei 1,46 Billionen US$.
Zugehörige Kategorien: Industrie-Aktien Tech-Aktien