Tesla-Aktie: Viel Vision, wenig Bodenhaftung

Aktie nicht klein zu kriegen?

Tesla polarisiert. Und ja, vieles an dem Unternehmen ist operativ beeindruckend. Elektromobilität bleibt ein Zukunftsmarkt, das Energiegeschäft ist spannend, die technologische Ambition unbestritten. Trotzdem bleibt aus redaktioneller Sicht ein großes Problem bestehen – und das ist nicht Elon Musks Persönlichkeit. Es ist die Bewertung.

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Die Tesla-Aktie gilt seit Langem als massiv überteuert. 2025 sollte, so unsere frühere Einschätzung, ein schwieriges Jahr für Anleger werden. Zwischenzeitlich verlor das Papier rund 40 Prozent, erholte sich dann aber wieder. Nicht wegen harter Zahlen, sondern wegen neuer Versprechen. Unterm Strich steht trotzdem eine klare Unterperformance: Während der Gesamtmarkt deutlich zulegte, trat Tesla monatelang auf der Stelle oder rutschte weiter ab.

Klammern an eine Vision

Das Muster ist bekannt. Große Ankündigungen, viel Aufmerksamkeit – und am Ende wenig Substanz. Das zeigt sich besonders deutlich beim Thema Robotaxi. Die Vision klingt gut, die Realität hinkt hinterher. Andere Anbieter sind technologisch weiter, Teslas Systeme bleiben auf Assistenzniveau. Autonome Durchbrüche? Fehlanzeige.

Nun richtet sich der Scheinwerfer auf das nächste große Versprechen: humanoide Roboter. Optimus heißt das Projekt, vorgestellt vor Jahren, weiterentwickelt in kleinen Schritten. Es gab Demos, neue Versionen, nette Videos. Doch selbst Anfang 2025 musste das Management einräumen: Die Roboter leisten in den eigenen Fabriken keine wirklich produktive Arbeit. Autonomie? Noch nicht. Serienproduktion? Frühestens am Jahresende – vielleicht.

Trotzdem setzt Tesla jetzt alles auf diese Karte. In Fremont werden Produktionslinien für Modelle wie S und X aufgegeben, um Platz für Roboter zu schaffen. Das wirkt weniger wie strategische Weitsicht und mehr wie ein riskanter Befreiungsschlag. Denn das Kerngeschäft schwächelt. Absatzrückgänge, massive Probleme in Europa, zunehmender Wettbewerb in den USA. Gleichzeitig sorgt politische Rhetorik an der Unternehmensspitze für zusätzlichen Gegenwind.

Günstige Bewertung – in 20 Jahren?

Natürlich: Der Markt für humanoide Roboter könnte riesig werden. Langfristig. Irgendwann. Doch selbst sehr optimistische Szenarien reichen nicht aus, um die aktuelle Marktbewertung zu rechtfertigen. Selbst bei hohen Stückzahlen und starken Margen bleibt der Beitrag zum Gesamtergebnis überschaubar – gemessen an einer Marktkapitalisierung jenseits der Billionenmarke.

Auch andere Hoffnungsträger tragen kaum. Robotaxis liegen zurück. FSD-Abos wachsen, aber langsam. Selbst zweistellige Milliardenumsätze pro Jahr ändern nichts am grundlegenden Problem: Die Erwartungen sind astronomisch, die Ergebnisse nicht.

Unser Fazit fällt daher nüchtern aus. Tesla ist kein langweiliges Unternehmen. Aber eines der riskantesten an der Börse. Die Robotik-Offensive wirkt wie der nächste Versuch, Fantasie zu erzeugen und Zeit zu gewinnen. Sollte Tesla tatsächlich liefern, werden wir das anerkennen. Doch selbst dann bleibt die Bewertung schwer zu verteidigen. Aus heutiger Sicht bleibt die Aktie klar ein Verkaufskandidat.

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ℹ️ Tesla in Kürze

  • Der 2003 gegründete US-Autohersteller mit Hauptsitz in Austin im US-Bundesstaat Texas ist derzeit der weltweit zweitgrößte Hersteller von Elektroautos. Neben Fahrzeugen stellt Tesla (WKN: A1CX3T) auch Batteriespeicher und Photovoltaikanlagen her.
  • Die Fahrzeuge und teilweise auch die Batterien werden in Gigafactories genannten Großfabriken produziert. Derzeit betreibt Tesla Gigafactories in den USA, Deutschland und China.
  • Tesla ist Mitglied in den US-Leitindizes Nasdaq 100 und S&P 500. Der Unternehmenswert liegt aktuell bei 1,54 Billionen US$.
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