Tesla-Aktie: Entscheidet das Cybercab das Schicksal?

Produktionsstart

Für die Tesla-Aktie läuft es 2026 bis dato nicht rund. Seit Jahresbeginn ging es mit dem Kurs des US-Autobauers um rund -9% bergab. Wird jetzt das Cybercab das Schicksal von Elon Musks Autohersteller entscheiden?

Tesla
stock.adobe.com/terryleewhite

Die Produktion beginnt

Es wurde seit vielen Monaten erwartet — nun ist es endlich da: das Cybercab von Tesla. Der Autobauer veröffentlichte diese Woche erste Fotos des Roboautos aus seiner Gigafactory in Texas.

Im April soll die Serienproduktion des Zweisitzers starten, der vollständig auf Lenkrad und Pedale verzichtet. Das Fahrzeug setzt vollständig auf Kameras und das "FSD Unsupervised“-System, also das Full Self-Driving von Tesla ohne die Aufsicht eines Fahrers.

Normalerweise ruft Elon Musk zu solchen Gelegenheiten mal wieder die Weltherrschaft von Tesla aus. Beim Produktionsstart des Cybercabs gab sich der Tesla-Boss aber untypisch kleinlaut. Er sprach von einem quälend langsamen Hochlauf der Produktion.

Trotzdem geht Musk davon aus, dass das Fahrzeug noch vor 2027 für Privatkunden erhältlich sein wird. Mit einem Preis von unter 30.000 US$ dürfte das Cybercab übrigens äußerst günstig werden.

Die Zulassung läuft hinterher

So viel zu den Plänen. Die größte Hürde dürfte aber nicht die Produktion, sondern die Zulassung der Fahrzeuge werden. Bislang ist Tesla ausschließlich in Austin und in San Francisco mit Model Y-Robotaxis unterwegs, die allerdings größtenteils noch unter Aufsicht eines Sicherheitsfahrers stehen. Von völlig autonomem Fahren kann also nicht die Rede sein.

Im ersten Halbjahr plant Tesla die Ausweitung der Testfahrten in sieben weitere Städte in den USA (Dallas, Houston, Las Vegas, Miami, Orlando, Phoenix und Tampa). In Europa gibt es aktuell noch keine Stadt, in der ein fahrerloses Tesla-Robotaxis zugelassen ist. Erster Testmarkt könnten jedoch die Niederlande werden. Die dortige Fahrzeugbehörde wird voraussichtlich in den kommenden Tagen über eine nationale Zulassung für das FSD Supervised-System entscheiden. Dies gilt als Türöffner für ganz Europa.

Und auch in China erwartet Tesla bis Ende März eine offizielle Genehmigung für den Einsatz seines FSD-Systems. Erste Pilotprojekte dürften dann in Metropolen wie Shanghai oder Peking stattfinden.

Zu viele technische Herausforderungen

Ich bin seit jeher ein Kritiker von Tesla im Allgemeinen und der Robofahrzeuge des Autobauers im Besonderen. Das hat damit zu tun, dass sich Tesla im Gegensatz zu allen anderen Autoherstellern bei seinen autonomen Fahrsystemen gänzlich auf Kameras verlässt.

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Diese Strategie führt bei schwierigen Fahrbedingungen zu einer ganzen Reihe von Problemen. Es beginnt damit, dass stark blendendes Licht von entgegenkommenden Fahrzeugen die Kameras kurzzeitig überfordern kann.

Wesentlich schwieriger wird es beim Fahrten im Regen und Nebel. Bei Starkregen oder dichtem Nebel stößt die rein visuelle Technik von Tesla an ihre Grenzen. Wenn die Kameras die Fahrbahnmarkierungen nicht mehr sehen können, fordert das System derzeit den Fahrer zur Übernahme auf oder bricht die Fahrt ab. Ein Cybercab würde damit zum Stillstand kommen.

Die größte Herausforderung für das FSD-Systems stellt aber Schnee dar. Fahren bei Schneefall verändert die visuelle Welt und klare Linien sind teilweise nicht mehr erkennbar. Das bringt das Tesla-System zum „Schwimmen“.

Und nicht zuletzt führen Schmutz, Salz oder Beschlag auf den Kameralinsen im Winter oft zu Fehlermeldungen, was FSD deaktiviert. Ein Cybercab würde schon wieder stehen.

Es wird nicht funktionieren

Weil es offenbar noch immer so viele Tesla-Fans gibt, will ich an dieser Stelle mal Klartext reden: Austin, Dallas, Houston, Las Vegas, Miami, Orlando, Phoenix und Tampa mögen alles schöne Städte sein. Vor allem ist ihnen gemein, dass sie ein einfaches rechteckiges Straßenmuster und recht gutes Wetter haben. Hier scheint an den meisten Tagen im Jahr die Sonne. Regen fällt eher selten, Nebel gibt es praktisch nicht und Schnee sowieso keinen.

So ist es kein Wunder, dass sich Elon Musk für diese Städte als Testregionen seines Autopiloten entschieden hat. Nur hier hat er überhaupt eine Chance auf das Funktionieren seines kamera-basierten Systems.

Meiner Meinung nach wird Tesla im Norden der USA und in Europa auf ganzer Linie scheitern. In Regionen, in denen Starkregen, Nebel und Schnee an der Tagesordnung sind, wird das Tesla-FSD niemals funktionieren. Das Cybercab hat eben technische Beschränkungen, die sich nicht wegdiskutieren lassen.

In der Zwischenzeit werden die Wettbewerber, die zusätzlich auf Laser-basierte Umgebungserkennung setzen, an Tesla vorbeifahren. Elon Musk ist mit seinen Roboautos schon lange auf einem Holzweg unterwegs. Er will es nur nicht zugeben.

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ℹ️ Tesla in Kürze

  • Der 2003 gegründete US-Autohersteller mit Hauptsitz in Austin im US-Bundesstaat Texas ist derzeit der weltweit zweitgrößte Hersteller von Elektroautos. Neben Fahrzeugen stellt Tesla (WKN: A1CX3T) auch Batteriespeicher und Photovoltaikanlagen her.
  • Die Fahrzeuge und teilweise auch die Batterien werden in Gigafactories genannten Großfabriken produziert. Derzeit betreibt Tesla Gigafactories in den USA, Deutschland und China.
  • Tesla ist Mitglied in den US-Leitindizes Nasdaq 100 und S&P 500. Der Unternehmenswert liegt aktuell bei 1,30 Billionen US$.
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