Super Micro Computer-Aktie: Kommt sie jetzt in Fahrt?

Aktie zu günstig

Wir beobachten Super Micro nun schon eine ganze Weile. Nicht jeden Tag, nicht manisch, aber regelmäßig genug, um ein Gefühl dafür zu entwickeln, wann eine Geschichte mehr ist als nur der nächste AI-Hype. Und ehrlich gesagt: Auch wir sind müde geworden. Müde von immer gleichen Superlativen, von Charts, die nur nach rechts oben zeigen dürfen, von Präsentationen, die klingen, als hätte sie ein Algorithmus geschrieben. Und trotzdem bleibt SMCI auf unserem Radar hängen. Vielleicht gerade deshalb.

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Der Kurssprung nach den Zahlen – über 14 Prozent – wirkt auf den ersten Blick wie klassische Euphorie. AI, Rekorde, alles wie gehabt. Aber je länger wir auf die Zahlen schauen, desto weniger fühlt sich das nach bloßer Stimmung an. 123 Prozent Umsatzwachstum im Jahresvergleich. Das ist kein Schönrechnen. Das ist operativ. Ja, ein Teil davon ist Nachholeffekt, verschobene Auslieferungen, Kunden, die endlich bereit waren. Fair. Aber selbst wenn man das herausrechnet, bleibt ein Wachstum, das man nicht einfach wegdiskutieren kann.

Margen zu dünn?

Was uns gleichzeitig nicht loslässt, sind diese Margen. 6,4 Prozent Bruttomarge. Das ist dünn. Unbequem dünn. Vor allem in einem Markt, der angeblich vor Nachfrage überquillt. Und genau hier beginnt der innere Widerspruch unserer eigenen Argumentation. Auf der einen Seite Hyperscaler, die CapEx-Budgets ausrufen, bei denen selbst erfahrene Marktteilnehmer kurz innehalten. Meta, Amazon, Alphabet – Summen, die eher nach Staatsausgaben klingen als nach Unternehmensplanung. Auf der anderen Seite ein Serverhersteller, der Volumen ohne Ende bewegt, aber immer härter um jeden Prozentpunkt Marge kämpfen muss.

Vielleicht liegt hier die Wahrheit, die niemand so gern ausspricht: Der AI-Boom ist kein gemütlicher Goldrausch. Er ist ein Verdrängungswettbewerb. Ein Geschäft, in dem Skalierung zählt, nicht Eleganz. Und wer glaubt, dass entlang der gesamten Wertschöpfung automatisch Traumrenditen entstehen, unterschätzt die Brutalität dieses Marktes.

Marktstellung bleibt stark

Und trotzdem – ja, schon wieder trotzdem – halten wir Super Micro für besser positioniert, als viele es aktuell einpreisen. Nicht wegen großer Worte wie „Burggraben“, sondern wegen handfester Dinge. Rack-Scale-Systeme. Liquid Cooling. Die Fähigkeit, komplette, funktionsfähige Einheiten auszuliefern, nicht nur einzelne Komponenten. Das ist komplex. Fehleranfällig. Und genau deshalb ein Feld, in dem nicht jeder mitspielen will oder kann.

Vera Rubin ist in diesem Kontext weniger Marketing-Name als Auslöser. Jedes neue GPU-Release von Nvidia hat in der Vergangenheit Investitionswellen ausgelöst. Nicht sofort, nicht linear, aber zuverlässig. Neue Plattformen liefern neue Argumente für Budgets, neue Benchmarks, neue Rechtfertigungen. Und Super Micro sitzt dabei nicht am Rand des Spielfelds. Früher Zugang, enge Verzahnung, schnelle Umsetzung. Das sind operative Vorteile, keine Storytelling-Elemente.

Was wir bewusst kontrovers sehen: Die aktuelle Fixierung des Marktes auf die Margen halten wir für überzogen. Ja, sie sind niedrig. Ja, der Wettbewerb ist brutal, Dell sitzt nicht untätig daneben. Aber Volumen ist nicht wertlos. Volumen schafft Verhandlungsmacht, Lernkurven, Effizienz. Wenn sich der Umsatzmix in Richtung höherwertiger Systeme verschiebt, kann sich das Margenbild schneller verändern, als heutige Modelle nahelegen. Vielleicht liegen wir falsch. Das gehört dazu. Aber wir haben zu oft erlebt, dass der Markt operative Hebel erst dann erkennt, wenn sie schon greifen.

Günstig bleibt günstig

Die Bewertung spiegelt diese Skepsis deutlich wider. Ein Forward-KGV im niedrigen zweistelligen Bereich – das ist kein klassisches AI-Multiple, das ist fast schon defensiv. Wäre das Geschäftsmodell strukturell kaputt, könnten wir das nachvollziehen. Aber das ist es nicht. Das Risiko liegt nicht im Absatz, sondern in der Profitabilität. Und das ist ein entscheidender Unterschied.

Was uns wirklich vorsichtig stimmen würde, wäre ein echter Bruch bei den CapEx-Plänen. Kein langsameres Wachstum, sondern ein Umschwenken. Davon sehen wir aktuell wenig. Im Gegenteil: Viele Hyperscaler investieren schneller, als ihre Cashflows wachsen. Das ist riskant. Vielleicht sogar irrational. Aber es ist Realität.

Unser Fazit bleibt daher klar, wenn auch nicht bequem: Wir halten Super Micro für unterbewertet und den Markt für zu kurzfristig fokussiert. Wer perfekte Zahlen sucht, wird hier nervös werden. Wer bereit ist, operative Reibung, Preisdruck und Wettbewerb auszuhalten, findet hier eine Chance. Keine saubere. Keine sichere. Aber eine, die wir ernst nehmen.

Ob das aufgeht? Das wissen wir nicht. Aber genau deshalb beschäftigen wir uns weiter mit dieser Aktie.

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ℹ️ Super Micro Computer in Kürze

  • Super Micro Computer (WKN: A0MKJF) mit Sitz in San José in Kalifornien ist ein US-Anbieter von Server- und Speichertechnologien.
  • Das Unternehmen verfügt über eine sehr breite Produktpalette, die von Hauptplatinen und Barebones über Server bis zu Computergehäusen und Kühlungslösungen reicht.
  • Die Hauptbörse der Aktie von Super Micro Computer ist die Technologiebörse Nasdaq, in Deutschland ist sie über Tradegate handelbar. Das Unternehmen wird aktuell mit rund 20 Milliarden $ bewertet.
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