Small Modular Reactors: Der neue Atom-Boom nimmt Fahrt auf
Neue Projekte bringen Bewegung in den SMR-Markt
Small Modular Reactors rücken weltweit stärker in den Mittelpunkt der Energiepolitik. Die Internationale Energieagentur verweist darauf, dass derzeit wieder ungewöhnlich viele Reaktoren im Bau sind. Parallel suchen Staaten und Unternehmen nach grundlastfähigem Strom für Rechenzentren, Industrie und Stromnetze. Hier sollen SMRs eine Rolle spielen, weil sie kleiner, modularer und theoretisch schneller skalierbar sind als klassische Großreaktoren.
Der wichtigste Fortschritt kommt derzeit aus den USA. Die US-Atomaufsicht NRC genehmigte TerraPower den Bau eines Natrium-Reaktors in Wyoming. Das Projekt wird von Bill Gates unterstützt und soll 345 Megawatt liefern, mit einem Speichersystem sogar zeitweise bis zu 500 Megawatt. Die Genehmigung gilt als Meilenstein, weil es sich um den ersten kommerziellen Baufortschritt für einen fortgeschrittenen Reaktortyp in den USA seit Jahren handelt.
Auch der Tech-Sektor treibt das Thema an. Google arbeitet mit Kairos Power an einer Flotte fortschrittlicher Reaktoren, die langfristig bis zu 500 Megawatt sauberen Strom liefern sollen. Kairos baut in Tennessee bereits an Hermes-Projekten, die als wichtiger Schritt für Generation-IV-Reaktoren gelten. Der Hintergrund ist klar: KI-Rechenzentren benötigen enorme Mengen verlässlichen Strom, und erneuerbare Energien allein lösen das Problem der durchgehenden Versorgung nicht vollständig.
In Europa zieht die Politik ebenfalls nach. Die EU-Kommission stellte im März 2026 eine Strategie vor, um erste SMRs und Advanced Modular Reactors Anfang der 2030er-Jahre ans Netz zu bringen. Das Ziel ist nicht nur Klimaschutz, sondern auch Energie-Sicherheit und industrielle Wettbewerbsfähigkeit.
Großbritannien geht bereits konkreter vor. Rolls-Royce SMR wurde als bevorzugter Technologiepartner ausgewählt, anschließend folgte ein Vertrag mit Great British Energy Nuclear. Die Regierung hatte dafür bereits 2,6 Milliarden £ eingeplant. Geplant sind erste Standorte, darunter Wylfa in Wales. Rolls-Royce sieht darin auch eine Chance, eine exportfähige SMR-Industrie aufzubauen.
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Warum der Durchbruch trotzdem nicht garantiert ist
Trotz der vielen Fortschritte bleibt der SMR-Markt weit von einer echten Massenproduktion entfernt. Die größte offene Frage lautet weiterhin: Können kleinere Reaktoren wirklich günstiger gebaut werden, wenn noch keine Serienfertigung existiert? Der Kostenvorteil entsteht erst, wenn viele gleiche Module produziert werden. Bis dahin bleiben erste Anlagen teuer, regulatorisch komplex und technisch anspruchsvoll.
Ein weiterer Engpass ist der Brennstoff. Viele fortschrittliche Reaktoren benötigen HALEU, also höher angereichertes Uran. Dieses Material ist heute nur begrenzt verfügbar. Die USA fördern deshalb neue Produktionskapazitäten, weil ein großer Teil der bisherigen Lieferketten historisch mit Russland verbunden war. Ohne verlässliche Brennstoffversorgung bleibt der Ausbau vieler fortgeschrittener SMR-Projekte schwierig.
Auch Kritiker warnen vor überzogenen Erwartungen. Ein Briefing der Heinrich-Böll-Stiftung kommt für Europa zu dem Schluss, dass viele SMR-Designs noch in frühen Entwicklungsphasen stecken und Strom im großen Maßstab kaum vor den 2030er- oder 2040er-Jahren liefern dürften. Genannt werden hohe Kosten, ungelöste Abfallfragen und unterschiedliche Reaktordesigns, die Standardisierung erschweren.
Trotzdem wächst der politische Druck, neue Lösungen zu finden. Südafrika prüft laut Reuters ein neues Atomprogramm, das auch bis zu 400 Megawatt SMR-Kapazität enthalten könnte. Helsinki wiederum plant Investitionen zwischen einer und 5 Milliarden € in kleine Reaktoren, um nach dem Kohleausstieg Strom- und Wärmebedarf besser abzudecken.
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Fazit
SMRs sind derzeit kein sicherer Selbstläufer, aber das Thema ist deutlich weiter als noch vor wenigen Jahren. Der wichtigste Unterschied liegt darin, dass nicht mehr nur Energiepolitiker darüber sprechen. Tech-Konzerne, Staaten und Versorger suchen aktiv nach grundlastfähigem Strom. Wenn erste Projekte wie TerraPower, Kairos oder Rolls-Royce technisch und finanziell funktionieren, könnte daraus einer der wichtigsten Energie-Trends der kommenden Jahre entstehen.