Siemens Energy zieht an, BMW stürzt ab: DAX-Ausblick
Am Ende einer positiven Woche geht die Luft aus
Letztes Wochenende hatten sich die USA und der Iran auf ein Rahmenabkommen zur Beendigung des Krieges verständigt, was am Montag eine kräftige Erleichterungsrallye zur Folge hatte. Der Schlusskurs lag aber deutlich unter dem Tageshoch. Von Dienstag bis Donnerstag konnte der DAX ebenfalls zulegen, allerdings mit deutlich gebremster Dynamik. Am Freitag stieg der Index im Tagesverlauf zwar auf ein Wochenhoch, drehte zum Handelsende aber wieder leicht ins Minus.
Die Geopolitik bleibt ein Risikofaktor
Die geopolitische Lage hat sich wieder etwas entspannt. Das Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran hat die unmittelbaren Sorgen um eine weitere Eskalation im Nahen Osten reduziert und den Aktienmärkten zuletzt Rückenwind verliehen.
Doch auch wenn die Unterzeichnung des Abkommens zwischen Washington und Teheran die Stimmung aufgehellt hat, herrscht keineswegs Entwarnung. Anleger beobachten weiterhin aufmerksam die Entwicklungen rund um die Straße von Hormus, eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten für den globalen Ölhandel.
Die Ölpreise sind nach dem Deal zwar deutlich von ihren Höchstständen zurückgekommen, zeigten zum Ende der Woche aber wieder leicht ansteigende Tendenzen. Dies dürfte auch daran liegen, dass der Iran die Straße von Hormus wieder für geschlossen erklärt hat und ihre Öffnung an ein Ende der Kämpfe im Libanon und eine Aufgabe der Seeblockade durch die USA knüpft.
Marktteilnehmer warten weiterhin auf konkrete Hinweise, dass sich der Tankerverkehr tatsächlich normalisiert und keine neuen Belastungen für die weltweiten Energiepreise hinzukommen.
Genau darin liegt ein zentrales Risiko: Steigende Energiepreise könnten die Inflation erneut anheizen und Hoffnungen auf eine lockerere Geldpolitik zunichtemachen.
Inflation und Zinsen rücken wieder in den Fokus
Nach den geopolitischen Schlagzeilen dürfte sich die Aufmerksamkeit der Investoren daher wieder stärker auf Konjunktur- und Inflationsdaten richten.
Besonders wichtig werden in der kommenden Woche die Einkaufsmanagerindizes am Dienstag sein, die einen aktuellen Einblick in die wirtschaftliche Entwicklung in Europa und den USA geben. Am Mittwoch folgt der viel beachtete ifo-Geschäftsklimaindex, der als Stimmungsbarometer für die deutsche Wirtschaft gilt.
Zum Wochenhöhepunkt dürfte jedoch der US-PCE-Preisindex am Donnerstag werden. Der Inflationsindikator gilt als bevorzugtes Maß der amerikanischen Notenbank und könnte die Erwartungen an die weitere Zinspolitik maßgeblich beeinflussen.
KI-Fantasie bleibt der wichtigste Kurstreiber
Während die Konjunkturdaten kurzfristig die Richtung vorgeben dürften, bleibt das große Börsenthema unverändert die Künstliche Intelligenz.
Besonders spannend wird dabei der Mittwochabend. Dann veröffentlicht der US-Speicherchiphersteller Micron seine Quartalszahlen. Die Ergebnisse gelten als wichtiger Gradmesser für die Investitionsbereitschaft der Halbleiterindustrie und damit auch für die gesamte KI-Wertschöpfungskette.
Nach der starken Rallye vieler Technologieaktien dürften Anleger genau hinschauen, ob die hohen Erwartungen weiterhin erfüllt werden können.
Wichtige Unternehmensereignisse im Blick
Auch auf Unternehmensseite stehen einige interessante Termine an. Mit Wochenbeginn treten die jüngsten Änderungen in der DAX-Familie in Kraft. Hochtief steigt in den DAX auf und ersetzt dort die Porsche SE, die künftig im MDAX gelistet wird
Zusätzliche Aufmerksamkeit dürfte Bayer erhalten. Anleger warten weiterhin auf eine mögliche Entscheidung des obersten US-Gerichts im Zusammenhang mit den Glyphosat-Rechtsstreitigkeiten.
Bereits am Dienstag nach US-Börsenschluss veröffentlicht zudem der Logistikkonzern FedEx seine Quartalszahlen. Die Ergebnisse könnten auch für die Aktien von DHL wichtige Hinweise auf die Entwicklung des weltweiten Handels liefern.
Siemens Energy und Deutsche Bank ziehen an, BMW bricht ein
Hierzulande waren die Papiere von Siemens Energy und Deutsche Bank die Top-Performer mit Kurszuwächsen von rund +9,99% bzw. +8,28%. Siemens Energy profitierte von positiven Analystenkommentaren und Berichten über eine mögliche Abspaltung der Sparte "Transformation of Industry".
Gefragt waren auch die Aktien der Deutschen Bank, die nach einer gut sechswöchigen Korrektur seit Ende März wieder auf Erholungskurs sind und dank der geopolitischen Entspannung den Sprung zurück über die 50-Tage-Linie geschafft haben.
Weniger gut lief es für die Papiere von BMW, die einen Wochenverlust von -10,48% verzeichneten und auf den tiefsten Stand seit November 2020 abrutschten. Grund war eine überraschend heftige Gewinnwarnung, die den gesamten Autosektor mit nach unten zog.
DAX bleibt unter 25.000 Punkten
Nach zwei Wochen mit Abgaben hat der DAX in der vergangenen Woche wieder zulegen können. Am Montag schob sich der Leitindex im Tagesverlauf über die psychologisch wichtige Marke von 25.000 Punkten, blieb am Ende des Tages aber noch darunter.
Ganz ähnlich verhielt es sich am Dienstag. Am Mittwoch sorgten anfängliche Verluste dafür, dass das Eröffnungs-Gap vom Montag annähernd geschlossen wurde, was zu neuer Kaufdynamik führte. Dies sorgte am Donnerstag für Schlusskurse oberhalb von 25.000 Punkten. Am Freitag erreichte der Index zwar ein neues Hoch seit Anfang Juni, rutschte zum Handelsende aber wieder knapp unter die Marke von 25.000 Punkten. Diese Marke bleibt damit weiter hart umkämpft.
Wird sie überwunden, rücken auf der Oberseite die beiden Hochs bei 25.438 und 25.507 Punkten in den Fokus. Anschließend wäre der Weg frei in Richtung 26.000 Punkte. Unterhalb der 25.000-Punkte-Marke stellen die 50- und die 200-Tage-Linie wichtige Unterstützungen dar. Sie verlaufen bei 24.510 und 24.207 Punkten.
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Fazit
Unter dem Strich startet der Markt mit vorsichtigem Optimismus in die neue Handelswoche. Die geopolitischen Risiken sind zwar nicht verschwunden, haben durch das Rahmenabkommen und die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran aber an Schrecken verloren. Gleichzeitig bleibt die Hoffnung auf eine stabile Weltkonjunktur und einen anhaltenden KI-Boom bestehen.
Ob der DAX den Angriff auf sein Rekordhoch starten kann, hängt nun vor allem von drei Faktoren ab: der Entwicklung der Ölpreise, den Inflationssignalen aus den USA und der Frage, ob die KI-Euphorie durch starke Unternehmenszahlen weiter genährt wird. Die Zutaten für eine spannende Börsenwoche sind damit zweifellos vorhanden.
Ergänzend sei erwähnt: Gerade in unsicheren Marktphasen können Dividenden-Aktien als Stabilisator dienen. Diese zehn Titel kombinieren defensiven Charakter mit interessanten Kurschancen – eine Kombination, die aktuell selten geworden ist.