Siemens Energy fällt zurück, Qiagen zieht an: DAX-Ausblick
Erst rauf, dann wieder runter
Am Montag kam es nach der starken Vorwoche zunächst zu Anschlusskäufen und einem neuen Rekordhoch, ehe sich am Dienstag das Blatt wendete. Neue Spannungen zwischen den USA und dem Iran sorgten am Dienstag und am Mittwoch für einen starken Kursrückgang. Am Donnerstag erholte sich der Markt wieder etwas, während der Freitag letztlich keine großen Veränderungen mit sich brachte.
Die Volatilität nimmt zu
Die vergangene Börsenwoche hatte einiges zu bieten: neue Eskalationen im Nahen Osten und weiterhin starke Schwankungen bei KI-Aktien. Doch obwohl geopolitische Risiken zuletzt wieder zunahmen, blieb die große Panik an den Märkten aus. Der Ölpreis legte zwar zeitweise deutlich zu, konnte sich aber nicht dauerhaft über der Marke von 80 US$ je Barrel etablieren – ein Zeichen dafür, dass viele Anleger weiterhin auf eine diplomatische Lösung zwischen den USA und dem Iran setzen.
Damit richtet sich der Blick nun wieder auf das, was die Börsen langfristig bewegt: Konjunkturdaten, Inflation und die beginnende Berichtssaison. Für den DAX dürfte die neue Handelswoche deshalb richtungsweisend werden.
Inflation rückt wieder in den Mittelpunkt
Der wichtigste Termin der Woche dürfte am Dienstag auf dem Programm stehen. Dann werden die US-Verbraucherpreise veröffentlicht. Einen Tag später folgen die Erzeugerpreise. Beide Daten könnten entscheidend dafür sein, wie der Markt die weiteren Zinsschritte der US-Notenbank einschätzt.
Sollten die Inflationsdaten höher ausfallen als erwartet, könnten die Hoffnungen auf Zinssenkungen einen weiteren Dämpfer erhalten. Steigende Marktzinsen dürften insbesondere hoch bewertete Wachstums- und Technologiewerte belasten und könnten auch den DAX kurzfristig unter Druck setzen.
US-Banken eröffnen die Berichtssaison
Parallel startet in den USA traditionell die Berichtssaison mit den großen Finanzinstituten. Am Dienstag legen unter anderem JPMorgan, Goldman Sachs, Citigroup, Wells Fargo und Bank of America ihre Quartalszahlen vor. Am Mittwoch folgen Morgan Stanley sowie die Bank of New York Mellon.
Die Ergebnisse gelten als wichtiger Gradmesser für die Verfassung der US-Wirtschaft. Sollten die Banken robuste Geschäfte und einen optimistischen Ausblick präsentieren, dürfte dies die Risikobereitschaft der Anleger weiter stützen. Schwächere Zahlen oder vorsichtige Prognosen könnten dagegen Zweifel an der bislang erstaunlich widerstandsfähigen Konjunktur nähren.
In Deutschland bleibt der Nachrichtenfluss dagegen noch überschaubar. Neben Quartalszahlen von Gerresheimer stehen vor allem Pre-Close-Calls von Mercedes-Benz und Schaeffler im Fokus, die erste Hinweise auf den Verlauf des zweiten Quartals liefern könnten.
Rheinmetall und Siemens Energy unter Druck, Qiagen legt zu
Hierzulande verzeichneten die Papiere von Rheinmetall und Siemens Energy die höchsten Wochenverluste mit einem Minus von -9,27% bzw. -9,52%. Rheinmetall litt unter einer Abstufung als Reaktion auf den Nato-Gipfel. Dabei fiel der Kurs wieder unter die so wichtige 1.000-€-Marke.
Siemens Energy geriet im Sog der KI- und Tech-Schwäche unter Abgabedruck, wodurch die jüngsten Erholungsgewinne wieder zunichte gemacht wurden.
Deutlich besser erging es der Aktie von Qiagen, die +5,14% zulegte und die Erholung seit Mitte Mai fortsetzte. Am Donnerstag sorgten frische Übernahmespekulationen für Rückenwind. Bloomberg berichtet unter Berufung auf mit der Sache vertraute Person, dass die Finanzinvestoren EQT AB, Advent und auch KKR & Co. Interesse an einer Übernahme des Laborzulieferer- und Diagnostikspezialisten bekunden.
Charttechnik: Rekordhoch bleibt in Reichweite
Aus charttechnischer Sicht präsentiert sich der DAX trotz der jüngsten Schwächephase weiterhin in einer soliden Verfassung. Nach dem Rücksetzer infolge der geopolitischen Spannungen konnte sich der Index rasch wieder oberhalb der Marke von 25.000 Punkten stabilisieren.
Gelingt nun ein nachhaltiger Anstieg über die jüngsten Zwischenhochs bei 21.527 bis 25.507 Punkten, dürfte das Rekordhoch schnell wieder in den Fokus rücken.
Gehen die Korrekturen weiter und fällt der Index unter die 25.000-Punkte-Marke und die 50-Tage-Linie bei 24.806 Punkten, wäre aber auch Test der 100-Tage-Linie möglich. Diese verläuft aktuell bei 24.334 Punkten.
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Fazit
Für den DAX steht eine Woche mit hohem Spannungspotenzial bevor. Während geopolitische Risiken vorerst etwas in den Hintergrund getreten sind, rücken nun Inflation und Unternehmenszahlen wieder in den Mittelpunkt.
Fallen die US-Preisdaten moderat aus und überzeugen die Großbanken mit soliden Ergebnissen, hätte der deutsche Leitindex gute Chancen, seine Rekordjagd fortzusetzen.
Nach der starken Kursentwicklung der vergangenen Monate dürfte die Volatilität jedoch hoch bleiben – Enttäuschungen könnten deshalb auch schnell zu Gewinnmitnahmen führen.
Ergänzend sei erwähnt: Gerade in unsicheren Marktphasen können Dividenden-Aktien als Stabilisator dienen. Diese zehn Titel kombinieren defensiven Charakter mit interessanten Kurschancen – eine Kombination, die aktuell selten geworden ist.