Salesforce-Aktie: Spannung vor den Zahlen

War der Kursrutsch gerechtfertigt?

Seit dem starken Kursrückgang der Salesforce-Aktie stellt sich für Anleger erneut die Frage nach der langfristigen Perspektive des Unternehmens im Zeitalter künstlicher Intelligenz. Während neue KI-Anwendungen kurzfristig für Verunsicherung sorgen, deutet vieles darauf hin, dass sich die strategische Position des Softwarekonzerns stabiler entwickelt als vielfach angenommen.

POZNAN, POL - JAN 6, 2021: Laptop computer displaying logo of Salesforce.com, an American cloud-based software company. It provides customer relationship management (CRM) service
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Deutlicher Kursverlust nach enttäuschter Wachstumserwartung

In den zurückliegenden 12 Monaten hat die Aktie von Salesforce rund 40 Prozent an Wert verloren. Besonders stark geriet der Kurs ab dem 12. Januar dieses Jahres unter Druck, nachdem das KI-Unternehmen Anthropic mit Claude Cowork einen autonomen Software-Agenten vorgestellt hatte, der zentrale Funktionen klassischer SaaS-Plattformen automatisieren kann und Investoren entsprechend verunsicherte.

Wir vertreten jedoch die These, dass das SaaS-Geschäftsmodell insgesamt und insbesondere das CRM-Kerngeschäft von Salesforce kurzfristig kaum durch KI-Start-ups verdrängt werden dürfte. Stattdessen setzt das Unternehmen gezielt auf Partnerschaften, um künstliche Intelligenz zur Effizienzsteigerung und Kostenoptimierung einzusetzen. Besonderes Augenmerk gilt dabei einer Profitabilitätskennzahl, die im Rahmen der Ergebnisse für das vierte Quartal des Geschäftsjahres 2026 erwartet wird.

Warum die Sorgen der Investoren übertrieben erscheinen

Auf den ersten Blick wirkt Claude Cowork äußerst attraktiv, da der Agent selbstständig Dateien lesen, verändern und erstellen kann. In einer Marketingagentur ließen sich damit beispielsweise Vertriebsdaten oder Verkaufspipelines automatisiert verwalten – Aufgaben, die bislang von Mitarbeitern oder klassischen SaaS-Anwendungen übernommen werden.

Rein rechnerisch könnten Unternehmen dadurch erhebliche Kosten sparen. Statt hoher jährlicher Plattformgebühren wäre ein deutlich günstiger Einsatz mehrerer KI-Agenten denkbar. Doch jenseits dieser Kalkulation befindet sich die Technologie noch in einer frühen Entwicklungsphase und wird derzeit lediglich als Forschungs-Vorschau getestet. Belastbare Praxisergebnisse stehen noch aus.

Hinzu kommt, dass zwischen den technischen Möglichkeiten von KI-Agenten und ihrem realen Einsatz im Unternehmensalltag eine große Lücke besteht. Damit Software komplexe Aufgaben übernehmen kann, müssen Geschäftsprozesse häufig vollständig neu gestaltet werden. Solche Transformationsprojekte dauern oft Jahre und stoßen nicht selten auf organisatorische Widerstände.

Auch heutige Arbeitsabläufe sind primär auf Menschen ausgelegt. Benutzeroberflächen, Eingabemasken und visuelle Prozesse orientieren sich an menschlicher Wahrnehmung, während KI-Agenten Daten über Schnittstellen und logische Strukturen verarbeiten. Obwohl sie Inhalte analysieren und Muster erkennen können, fehlt ihnen menschliche Intuition. Ein einfacher Zugang zu bestehenden Systemen genügt daher nicht, um menschliche Arbeit vollständig zu ersetzen. Vielmehr müssen Prozesse grundlegend neu aufgebaut werden.

Ein weiterer limitierender Faktor ist die Datenqualität. Vollautomatisierung setzt konsistente und bereinigte Daten voraus. Ohne diese Grundlage steigt das Risiko gravierender Fehlentscheidungen durch KI-Systeme erheblich.

Partnerschaft mit Anthropic als Margentreiber

Vor diesem Hintergrund erscheinen Szenarien eines Zusammenbruchs des SaaS-Modells wenig realistisch. Salesforce konkurriert nicht direkt mit Anthropic, sondern integriert dessen Claude-Modelle in die eigene Plattformlandschaft.

Claude fungiert dabei als intelligentes Modell innerhalb von Agentforce, der Salesforce-Plattform zur Entwicklung individueller KI-Agenten. Unternehmen können eigene Agenten erstellen, die komplexe Aufgaben mithilfe der KI-Modelle ausführen, jedoch innerhalb der kontrollierten Systemumgebung von Salesforce bleiben.

Gerade in regulierten Branchen wie Finanzdienstleistungen oder Gesundheitswesen ist dieser Ansatz entscheidend, da sensible Daten die geschützte Infrastruktur nicht verlassen. Dank jahrzehntelanger Erfahrung im Umgang mit Unternehmensdaten genießt Salesforce hier einen Vertrauensvorsprung gegenüber jungen KI-Start-ups.

Eine zentrale Rolle spielt zudem die Datenintegration. Durch die Übernahme von Informatica kann Salesforce Daten automatisiert aufnehmen, bereinigen, harmonisieren und für große Sprachmodelle aufbereiten. In Kombination mit Data 360 und MuleSoft entsteht eine umfassende Datenplattform, die im Wettbewerb mit integrierten Lösungen großer Technologiekonzerne besser bestehen kann.

Die Kooperation mit Anthropic könnte darüber hinaus die Margen verbessern. Zwar entstehen hohe Kosten für KI-Modelle, doch Einsparungen durch Personalabbau sowie Effizienzgewinne können diese Ausgaben teilweise kompensieren. Kostensenkungen und Automatisierung wirken damit direkt auf die operative Profitabilität.

Gewinnpotenzial durch Effizienz und Cross-Selling

Selbst bei erheblichen Ausgaben für KI-Technologie könnte Salesforce unter dem Strich deutliche Kostenvorteile erzielen. Zusätzlich eröffnet Agentforce neue Cross-Selling-Möglichkeiten, da ein Großteil der Verkäufe an bestehende Kunden erfolgt und somit geringere Marketingkosten anfallen.

Die Erwartungen an den Gewinn je Aktie für das Geschäftsjahr 2026 könnten daher übertroffen werden. Agentforce entwickelt sich laut Unternehmen zum bislang am schnellsten wachsenden Produkt, wobei der jährlich wiederkehrende Umsatz stark gestiegen ist.

Historisch betrachtet hat Salesforce die Gewinnerwartungen in den meisten Quartalen übertroffen. Gleichzeitig liegt die aktuelle Bewertung unter dem Median des IT-Sektors, während Analystenschätzungen zuletzt überwiegend nach oben angepasst wurden. Daraus ergibt sich Spielraum für eine Neubewertung der Aktie, wenngleich die jüngste Kursschwäche weiterhin Risiken widerspiegelt.

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Wichtige Signale aus den kommenden Quartalszahlen

Saleforce wird am morgigen Mittwoch nach Börsenschluss über den jüngsten Geschäftsverlauf berichten. Vorsichtige Anleger dürften zunächst eine nachhaltige Verbesserung der Profitabilität abwarten. Auf der Umsatzseite wurde die Prognose zuletzt nur leicht angehoben, was im Kontrast zu den sehr optimistischen Aussagen des Managements zur Monetarisierung von Agentforce steht.

Eine mögliche Erklärung liegt in einer temporär schwächeren Nachfrage nach Kernprodukten wie Slack. Viele Unternehmen verschieben IT-Investitionen, während sie neue KI-Lösungen evaluieren und technologische Entwicklungen beobachten. Bereits zuvor zeigte sich eine gewisse Schwäche in einzelnen Cloud-Segmenten, die sich später auch auf weitere Geschäftsbereiche auswirkte.

Dennoch bleibt die mittelfristige Einschätzung positiv. Im Unternehmensumfeld verlaufen Technologieeinführungen traditionell langsamer als im Konsumentenmarkt. KI-Funktionen werden schrittweise zu bestehenden Abonnements hinzugefügt, wodurch sich zusätzliche Umsatzpotenziale ergeben. Gleichzeitig müssen Unternehmen ihre Prozesse anpassen, bevor Automatisierung effizient umgesetzt werden kann.

Eine starke Beschleunigung des Wachstums erscheint daher im laufenden Geschäftsjahr unwahrscheinlich. Ab dem Geschäftsjahr 2027 könnte sich jedoch wieder ein zweistelliges Umsatzwachstum etablieren.

KI als strategischer Vorteil statt Bedrohung

Wir vertreten die Annahme, dass agentenbasierte KI-Innovation zwar in Demonstrationen beeindruckend wirkt, im realen Unternehmenseinsatz jedoch deutlich komplexer ist. Genau hier liegt die Stärke von Salesforce: Das Unternehmen nutzt künstliche Intelligenz nicht nur intern zur Effizienzsteigerung, sondern integriert die Technologie in eigene Produkte und vermarktet sie innerhalb eines etablierten Ökosystems.

Die frühe Beteiligung an Anthropic erweist sich damit als strategisch sinnvoll, da sie den Übergang zu einem margenstärkeren Geschäftsmodell unterstützt. Gleichzeitig profitiert Salesforce von seiner Reputation als vertrauenswürdiger CRM-Anbieter mit umfassender Erfahrung im Umgang mit Unternehmensdaten.

Das SaaS-Kerngeschäft zeigt bislang keine strukturellen Schäden. Das Management bestätigte zuletzt weiterhin ein organisches Wachstum bei Abonnements und Supporterlösen von rund neun Prozent gegenüber dem Vorjahr bei konstanten Wechselkursen. Interessierte Anleger sollten auf Basis der kommenden Quartalszahlen über ein Engagement entscheiden.

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ℹ️ Salesforce in Kürze

  • Salesforce (WKN: A0B87V) mit Sitz in San Francisco ist der weltweit führende Anbieter von Customer Relationship Management Software-Lösungen (Unternehmenssoftware für das Management von Kundenbeziehungen).
  • Der Konzern bietet Unternehmen jeder Größe cloudbasierte Lösungen in den Bereichen Kundenservice, Marketing und Vertrieb.
  • Der im Dow Jones gelistete Software-Konzern ist an der Börse ca. 177 Milliarden US$ wert.
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