Rheinmetall crasht, Bayer haussiert: DAX-Ausblick
Es geht weiter hin und her
Zum Wochenstart konnte der DAX noch zulegen – angetrieben von fallenden Ölpreisen und Fortschritten in den Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran. Der Ausverkauf im KI-Bereich sorgte am Dienstag für einen Rücksetzer und auch am Mittwoch gaben die Kurse nach. Am Donnerstag ging es dank guter Vorgaben von der Wall Street wieder nach oben, ehe der Freitag wieder starke Verluste mit sich brachte.
Kippt die Stimmung?
Die geopolitische Entspannung im Nahen Osten hatte die Märkte zwar zunächst gestützt, doch dieser Effekt scheint inzwischen weitgehend eingepreist zu sein. Gleichzeitig mehren sich die Anzeichen, dass Anleger nach der starken Rallye der vergangenen Monate vorsichtiger werden. Entsprechend dürfte sich der Fokus in den kommenden Tagen wieder auf Konjunkturdaten, Geldpolitik und ausgewählte Unternehmenszahlen richten.
Vor allem an den US-Börsen macht sich eine gewisse Nervosität breit. Während die großen Technologieindizes zuletzt von der KI-Euphorie auf immer neue Rekordstände getragen wurden, häufen sich inzwischen die Warnsignale.
Schwächere Nachrichten aus dem Technologiesektor sorgten kurz vor dem Wochenende für Gewinnmitnahmen. Unter anderem belasteten Berichte über mögliche Preiserhöhungen bei Apple, die zeigen könnten, dass der KI-Boom auch steigende Kosten mit sich bringt. Gleichzeitig sorgen Spekulationen über eine mögliche Verschiebung des Börsengangs von OpenAI für Unsicherheit. Gerade der KI-Sektor war in den vergangenen Monaten einer der wichtigsten Kurstreiber an den internationalen Aktienmärkten.
Viele Marktteilnehmer fragen sich daher inzwischen, ob die Bewertungen nicht bereits sehr viel Zukunft vorweggenommen haben. Entsprechend wird derzeit nahezu jede negative Nachricht zum Anlass genommen, Gewinne mitzunehmen – ein typisches Zeichen für einen Markt, der anfälliger für eine Konsolidierung wird.
Auch beim DAX macht sich diese Vorsicht bemerkbar. Nach seinem Rekordhoch zu Jahresbeginn hat der deutsche Leitindex zuletzt an Schwung verloren. Analysten sehen den langfristigen Aufwärtstrend zwar weiterhin als intakt, rechnen kurzfristig aber mit einer höheren Schwankungsbreite und einer saisonal eher schwierigen Sommerphase.
Arbeitsmarktbericht dürfte zum Wochenhöhepunkt werden
Im Mittelpunkt der neuen Börsenwoche steht eindeutig die amerikanische Geldpolitik. Dabei richtet sich der Blick der Investoren vor allem auf den US-Arbeitsmarktbericht, der wegen des amerikanischen Nationalfeiertags bereits am Donnerstag veröffentlicht wird.
Die Daten gelten als einer der wichtigsten Indikatoren für die nächsten Zinsschritte der US-Notenbank. Ein robuster Arbeitsmarkt könnte Hoffnungen auf baldige Zinssenkungen erneut dämpfen, während schwächere Zahlen die Erwartungen an eine lockerere Geldpolitik stützen würden.
Bereits am Dienstag liefern zahlreiche Einkaufsmanagerindizes aus Europa, den USA und China frische Hinweise auf die Entwicklung der Weltkonjunktur. Gerade nach den zuletzt gemischten Wirtschaftsdaten dürften diese Veröffentlichungen aufmerksam verfolgt werden.
Für zusätzliche Aufmerksamkeit dürften am Mittwoch die neuen EU-Regeln für Stahlimporte sorgen. Die verschärften Maßnahmen gegen chinesische Billigimporte könnten insbesondere den europäischen Stahlsektor bewegen.
Nike liefert Impulse für Adidas und Puma
Auf Unternehmensseite bleibt der Nachrichtenkalender vergleichsweise überschaubar. Für Gesprächsstoff dürften vor allem die Quartalszahlen des US-Sportartikelherstellers Nike sorgen, die am Dienstag nach US-Börsenschluss veröffentlicht werden.
Die Zahlen gelten traditionell als wichtiger Stimmungsindikator für die gesamte Sportartikelbranche und könnten entsprechend auch die Aktien von Adidas und Puma beeinflussen. Besonders interessant wird sein, wie sich Konsumlaune, Margenentwicklung und die Nachfrage in wichtigen Absatzmärkten entwickelt haben.
Sinkende Ölpreise verschaffen etwas Luft
Ein positiver Faktor kommt dagegen vom Rohstoffmarkt. Die Ölpreise sind zuletzt auf den niedrigsten Stand seit
Beginn des Iran-Krieges gefallen. Hintergrund ist die Wiederaufnahme wichtiger Lieferungen aus Saudi-Arabien, nachdem sich die Lage rund um die Straße von Hormus entspannt hat.
Niedrigere Energiepreise könnten den Inflationsdruck etwas abschwächen und damit den Notenbanken mittelfristig zusätzlichen Spielraum verschaffen. Gleichzeitig profitieren Unternehmen und Verbraucher von geringeren Energiekosten.
Rheinmetall und Siemens Energy brechen ein, Bayer zieht an
Hierzulande waren die Aktien von Rheinmetall und Siemens Energy die größten Verlustbringer mit einem Wochenminus von -8,88% bzw. -21,29%. Der Düsseldorfer Rüstungsgigant erlitt nach dem Ende des Fregatten-Projekts den größten Kursverlust seit fast 30 Jahren und fiel erstmals seit Februar 2025 wieder unter die Marke von 1.000 €. Die Aktie von Siemens Energy litt unter Gewinnmitnahmen im Tech- und KI-Sektor und fiel wieder unter die 100-Tage-Linie.
Deutlich besser lief es für Bayer mit einem Wochengewinn von mehr als +24%. Profitieren konnte der Leverkusener Pharma- und Agrarchemiekonzern von einem Urteil vor dem Obersten Gerichtshof in den USA im Glyphosat-Streit. Laut dem Urteil kann Bayer nicht wegen fehlender Krebswarnungen auf den Verpackungen von Unkrautvernichtungsmitteln verklagt werden. Mehrere Analysten sehen in dem Urteil einen fundamentalen Befreiungsschlag.
25.000-Punkte-Marke weiter eine zu große Hürde
Der DAX hat auch in der letzten Woche nicht den Sprung zurück über die 25.000-Punkte-Marke geschafft. Am Montag schloss der Index zwar erstmals seit Anfang Juni oberhalb der runden Marke, doch wurde dieser Anstieg gleich am Dienstag schon wieder abverkauft.
Am Freitag erreichte der DAX mit 24.547 Punkten den tiefsten Stand seit zwei Wochen, wodurch es zu einem Test der 50-Tage-Linie kam – dem Indikator für den kurz- bis mittelfristigen Trend.
Oberhalb davon bleiben Anstiege zur 25.000-Punkte-Marke und zum darüber liegenden Rekordhoch bei 25.507 Punkten jederzeit möglich. Unterhalb davon drohen eine Ausweitung der Konsolidierung sowie ein Test der 200-Tage-Linie, die sich aktuell bei 24.237 Punkten befindet.
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Fazit
Die kommende Woche dürfte zeigen, ob die Börsen nach der starken Entwicklung der vergangenen Monate lediglich Luft holen oder eine größere Konsolidierung bevorsteht. Vor allem der US-Arbeitsmarktbericht und die Einkaufsmanagerindizes könnten die Richtung vorgeben.
Solange die Konjunkturdaten stabil bleiben und sich die Zinsperspektiven nicht deutlich verschlechtern, spricht weiterhin vieles für einen intakten langfristigen Aufwärtstrend. Kurzfristig ist das Umfeld allerdings anspruchsvoller geworden. Die hohe Bewertung vieler KI-Aktien, erste Gewinnmitnahmen und die typische Sommerschwäche sprechen dafür, dass Anleger vorerst selektiver agieren und auf neue Impulse warten dürften.
Ergänzend sei erwähnt: Gerade in unsicheren Marktphasen können Dividenden-Aktien als Stabilisator dienen. Diese zehn Titel kombinieren defensiven Charakter mit interessanten Kurschancen – eine Kombination, die aktuell selten geworden ist.