Rheinmetall-Aktie: Kaufen wie der Konzernchef?
Die Rheinmetall-Aktie ist am Donnerstag um -6,5% auf 1.571 € abgestürzt. Während viele Investoren den Verkaufsknopf gedrückt haben, hat Konzernchef Papperger genau das Gegenteil gemacht und zugeschlagen. Sollten Anleger es ihm jetzt gleichtun?
Der Boss glaubt an seinen Laden
Das sehen Anleger gerne: Der Boss geht mit gutem Beispiel voran, weil er an seinen Laden glaubt, und kauft Aktien seines eigenen Unternehmens. Genau das hat nach Medienberichten am Donnerstag CEO Armin Papperger getan. Er soll den Kurssturz genutzt haben, um beim Kurs von 1.572,50 € Rheinmetall-Aktien im Volumen von knapp 300.000 € zu erwerben.
Und Papperger war nicht der einzige Insider, der zugeschlagen hat. Auch Aufsichtsrat Marc Tüngler sah offensichtlich eine willkommene Gelegenheit und griff ebenfalls zu. Nicht so hoch im Volumen wie Papperger – Käufe erfolgten für rund 35.900 € und 21.770 € – aber dafür zu günstigeren Kursen als der CEO, nämlich für 1.555 bis 1.561 €.
Solche Transaktionen sind wohl keine symbolischen Mini-Deals, sondern Käufe, die Aufmerksamkeit verdient. Insiderkäufe dieser Größenordnung mit eigenem Geld passieren eher nicht aus Pflichtgefühl, sondern aus Überzeugung. Das Timing ist dabei fast wichtiger als die Summe.
Nur eine Verschnaufpause?
Der gestrige Rücksetzer in einem insgesamt schwachen Markt wirkt weniger wie ein Vertrauensbruch und mehr wie eine technische Verschnaufpause nach einer außergewöhnlichen Rallye im vergangenen Jahr und zu Beginn dieses Jahres. Rheinmetall hat sich in immer höhere Kursdimensionen vorgearbeitet, getragen von vollen Auftragsbüchern, politischem Rückenwind und einer strategischen Schlüsselrolle im europäischen Verteidigungssektor. Dass in diesem Umfeld auch mal kräftig Luft abgelassen wird, überrascht daher nicht.
Investoren nehmen offenbar Gewinne vom Tisch und fragen sich, wie belastbar die Story auf diesem Niveau noch ist. Genau hier wird der Insiderkauf spannend. CEO Papperger kennt die Auftragslage, die Margenentwicklung und die Pipeline besser als jeder externe Beobachter. Wer an dieser Stelle kauft, signalisiert, dass er den jüngsten Kursrutsch nicht als Beginn eines Problems sieht, sondern als Gelegenheit.
Ein Belastungsfaktor
Ein wesentlicher Belastungsfaktor für den Kurs sind derzeit natürlich die wieder aufkommenden Gespräche über mögliche Friedensverhandlungen im Ukraine-Krieg. Allein die Aussicht auf diplomatische Bewegung reicht aus, um bei Rüstungswerten Nervosität auszulösen.
Der Markt spielt das Szenario, dass Verteidigungsausgaben perspektivisch langsamer steigen könnten als bislang angenommen. Ob diese Annahme realistisch ist, steht auf einem anderen Blatt – für kurzfristige Reaktionen reicht sie allemal.
Rheinmetall ist aber längst nicht mehr nur eine Ukraine-Wette. Die Auftragsbücher sind über Jahre hinaus gefüllt, europäische Aufrüstungsprogramme laufen unabhängig vom weiteren Kriegsverlauf, und die sicherheitspolitische Großwetterlage bleibt angespannt. Friedensgespräche mögen Schlagzeilen liefern, sie ändern aber nicht über Nacht die strategischen Planungen von NATO-Staaten.
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Geht die Korrektur weiter?
Charttechnisch ist der gestrige Rücksetzer als scharfe, aber noch kontrollierte Korrektur in einem Abwärtstrend einzuordnen. Der Bereich um 1.550 bis 1.560 € fungiert kurzfristig als erste wichtige Unterstützungszone. Die nächste Unterstützung ist erst bei 1.443 € auszumachen.
Auf der Oberseite liegt der nächste relevante Widerstand bei etwa 1.650 bis 1.680 €. Erst eine Rückeroberung dieses Bereichs würde das Momentum wieder klar auf die Käuferseite verschieben.
Auf die Lauer legen
Die Nervosität an der Börse steigt, Gewinnmitnahmen dominieren das Bild. Das belastet natürlich auch und insbesondere eine Aktie wie Rheinmetall, die sehr gut gelaufen ist. Ohne Korrekturen wie die laufende geht es einfach nicht, sie sind vielmehr gesund, damit es später auf höhere Niveaus gehen kann. Insofern stellt der gestrige Kurssturz in meinen Augen keinen ernsthaften Anlass zur Sorge dar.
Die Insiderkäufe genau jetzt demonstrieren vielmehr, dass es meiner Meinung nach klug wäre, sich auf die Lauer zu legen und weitere mögliche Rücksetzer zum Kauf zu nutzen. Allerdings darf man auch nicht vergessen, dass die Rheinmetall-Aktie mit einem Forward-KGV von 41 schon sehr ambitioniert bewertet ist.
Noch ein Tipp: Rohstoffe spielen in der Rüstungsindustrie eine entscheidende Bedeutung. In unserem Report Rüstungs-Rohstoffe erfährst Du, auf welche Rohstoffe und welche Aktien Du setzen solltest.
ℹ️ Rheinmetall in Kürze
- Rheinmetall (WKN: 703000) ist ein deutscher Rüstungskonzern und Automobilzulieferer mit Sitz in Düsseldorf.
- Nach Airbus ist Rheinmetall der zweitgrößte deutsche Hersteller von Rüstungsgütern.
- Schwerpunkte der Waffenproduktion sind militärische Rad- und Kettenfahrzeuge wie Kampf- und Schützenpanzer sowie Munition.
- Seit Anfang 2023 ist der Konzern Mitglied im deutschen Leitindex DAX und im europäischen Leitindex EuroStoxx50 und ca. 73,44 Milliarden € wert.