Rheinmetall-Aktie: Entweicht langsam die Fantasie?

Charttechnische Schwelle

Die Rheinmetall-Aktie bleibt eines der heißesten Eisen an der Börse. Seit Jahresbeginn hat sie wieder um +15% auf 1.850 € angezogen. Doch auch bei einem Rüstungswert mit politischem Rückenwind ist nicht alles Einbahnstraße. Und so stellt sich die Frage: Wie viel Potenzial hat der Titel noch nach der imposanten Kursrallye der vergangenen Jahre?

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Beeindruckende Schlagzeilen, aber...

Auf der Nachrichtenseite liefert Rheinmetall weiterhin beeindruckende Schlagzeilen. Konzernchef Papperger spricht von einem potenziellen Auftragseingang von bis zu 80 Milliarden €. Dazu kommen neue Gespräche über Zukunftsprojekte wie satellitengestützte Kommunikation für die Bundeswehr.

Die Story ist weiterhin klar: Rheinmetall positioniert sich nicht mehr nur als klassischer Rüstungslieferant, sondern als breit aufgestellter Sicherheitskonzern.

An der Börse ist diese Fantasie allerdings längst angekommen – eine Kursexplosion der Aktie um +2.000% in den vergangenen fünf Jahren spricht eine eindeutige Sprache. Genau hier liegt jetzt auch das Problem: Die Erwartungen sind extrem hoch.

...hier liegt das Problem

Der Markt preist nicht nur volle Auftragsbücher ein, sondern auch eine reibungslose Umsetzung, stabile Margen und dauerhaft steigende Gewinne. Jeder Rücksetzer zeigt, wie nervös Anleger reagieren, wenn der Nachrichtenfluss einmal nicht noch besser ausfällt, als ohnehin schon erhofft.

Der jüngste Kursverlauf spiegelt das wider. Auf starke Tage folgen schwächere, neue Hochs werden nicht mehr blind gekauft. Das ist kein Zeichen von Schwäche des Unternehmens, sondern Ausdruck einer Aktie, die viel vorweggenommen hat. Rheinmetall ist längst kein Geheimtipp mehr, sondern ein Schwergewicht mit entsprechendem Bewertungsanspruch.

Fundamental bleibt die Ausgangslage stark. Die sicherheitspolitische Großwetterlage spricht weiterhin für hohe Verteidigungsausgaben, Rheinmetall sitzt bei vielen Programmen am Tisch. Gleichzeitig steigt der Wettbewerbsdruck und operative Exzellenz wird wichtiger denn je. Die Börse will nun sehen, dass aus Ankündigungen tatsächlich planbare Umsätze und Gewinne werden.

Das sagt der Chart

Charttechnisch präsentiert sich die Rheinmetall-Aktie robust. Der Aufwärtstrend seit Jahresbeginn ist intakt. Auf der Unterseite bildet der Bereich um 1.650 bis 1.700 € eine wichtige Unterstützungszone, die zuletzt mehrfach verteidigt wurde und dem Kurs Stabilität verleiht. Solange dieses Niveau hält, bleibt das charttechnische Gesamtbild positiv.

Auf der Oberseite liegt der entscheidende Widerstand, an dem die Aktie gerade pendelt, zwischen 1.850 und 1.900 €. Ein Ausbruch darüber würde neues Momentum freisetzen und den Blick wieder in Richtung der Hochs oberhalb von 2.000 € lenken.

Was tun mit der Rheinmetall-Aktie?

Die Rheinmetall-Aktie ist aus meiner Sicht keine Wette mehr auf den Beginn eines Booms, sondern auf dessen saubere Umsetzung. Die Fantasie ist da, die Auftragslage beeindruckend – aber der Markt schaut jetzt genauer hin.

Wer schon länger investiert ist, dürfte auf gute Buchgewinne blicken, hier empfiehlt sich meiner Meinung nach immer mal wieder eine Gewinnmitnahme. Wer jetzt auf diesem Niveau noch neu einsteigen möchte, sollte wissen: Der einfache Teil der Story liegt bereits zurück, der anspruchsvollere beginnt genau jetzt. Insofern dürfte der Weg auf jeden Fall holpriger werden.

Wenn man nach möglichen Alternativen sucht, hier ein Tipp: Während sich Militärhaushalte weltweit verdoppeln, analysiert unser Report „Rüstung – Megatrend im Rohstoffsektor“ einen unterbewerteten Rohstoff, der für Hochpräzisionswaffen unverzichtbar ist – und bietet den passenden Aktientipp.

ℹ️ Rheinmetall in Kürze

  • Rheinmetall (WKN: 703000) ist ein deutscher Rüstungskonzern und Automobilzulieferer mit Sitz in Düsseldorf.
  • Nach Airbus ist Rheinmetall der zweitgrößte deutsche Hersteller von Rüstungsgütern.
  • Schwerpunkte der Waffenproduktion sind militärische Rad- und Kettenfahrzeuge wie Kampf- und Schützenpanzer sowie Munition.
  • Seit Anfang 2023 ist der Konzern Mitglied im deutschen Leitindex DAX und rund 85,3 Milliarden € wert.
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