PayPal-Aktie -8%: Das reicht einfach nicht

Neue Zahlen und Prognosen

Die Quartalszahlen von PayPal wurden mit Hochspannung erwartet und die PayPal-Aktie reagierte nach starken Kursschwankungen letztlich mit einem Minus von -8% darauf. Was stieß der Börse übel auf und wie sollten Anleger auf die Zahlen reagieren?

Bangkok, Thailand - October 08, 2019 : woman use smartphone on the table showing screen Paypal web pages. is a popular and international method of money transfer via the Internet.
stock.adobe.com/ sitthiphong

Auf den ersten Blick

Auf den ersten Blick gibt es an den Zahlen von PayPal für die ersten drei Monate des Jahres nichts zu meckern. Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahr um 7% auf 8,40 Milliarden US$ und übertrag damit deutlich die Analystenprognose von 8,05 Milliarden US$. Das Zahlungsvolumen erhöhte sich sogar um 11% auf 464 Milliarden € und lag ebenfalls über der Markterwartung von 450 Milliarden US$.

Selbst beim Gewinn konnte PayPal positiv überraschen. Die EPS lagen mit 1,34 US$ über dem Analystenkonsens von 1,27 US$. Der Free Cashflow stieg um 25% auf 1,72 Milliarden US$.

Auf den zweiten Blick

Auf den zweiten Blick gibt es aber gleich eine ganze Reihe an Gründen zur Unzufriedenheit. In erster Linie war es die miese Prognose für das laufende zweite Quartal. PayPal rechnet mit einem Rückgang des Gewinns um 9%.

Zudem bekommt der Zahlungsdienstleister zunehmend den Wettbewerb von Apple Pay und Google Pay zu später und verdient immer weniger pro abgewickelter Transaktion. Die Transaktionsmarge, das Herzstück der Profitabilität, sank um 229 Basispunkte auf 18,4%.

Zugleich gab das Management in seinem Ausblick zu verstehen, dass bei der Transaktionsmarge keine schnelle Besserung in Sicht sei. Das Wachstum von PayPal wird derzeit primär von der Tochter Braintree (unbranded processing) getrieben, die deutlich geringere Margen aufweist als das klassische PayPal-Checkout-Geschäft. Die PayPal-Führung geht deshalb davon aus, dass die Verbesserung der Margen länger dauern wird als vom Markt erhofft.

So soll das Ruder herumgerissen werden

Um das Ruder rumzureißen, hat der neue CEO Enrique Lores einen radikales Sparprogramm angekündigt. In den nächsten zwei bis drei Jahren sollen 1,5 Milliarden US$ an Kosten eingespart werden, vor allem durch den massiven Einsatz von KI und die Vereinfachung der Unternehmensstruktur.

Als Trostpflaster für die Aktionäre wurden allein im ersten Quartal Aktien im Wert von 1,5 Milliarden US$ zurückgekauft. Für das Gesamtjahr 2026 sind Rückkäufe im Volumen von 6 Milliarden US$ geplant.

Zurück zum 9-Jahrestief?

Nachdem die PayPal-Aktie im Februar auf ein neues 9-Jahrestief gefallen war, konnte sie sich wieder signifikant erholen. Diese Erholung wurde durch den gestrigen Kurssturz ad acta gelegt. Sollte das Zwischentief bei 44 US$ nicht halten, könnte die Aktie wieder Kurs auf das Mehrjahrestief bei 39 US$ nehmen.

Die Dominanz geht verloren

Für mich ist die PayPal-Aktie derzeit trotz ihrer geringen Bewertung — das Forward-KGV liegt bei knapp unter 10 — kein Investment wert. Meine Skepsis basiert auf mehreren Gründen:

Die sinkende Transaktionsmarge zeigt, dass PayPal den Wettbewerb durch andere Zahlungsdienstleister massiv zu spüren kommt. Vor allem die Zahlungssysteme von Apple und Google werden PayPal meiner Meinung nach mittelfristig das Wasser abgraben.

Diese Entwicklung ist bereits heute an den stagnierenden Nutzerzahlen zu erkennen. PayPal wächst im Bereich der mobilen Zahlungen am Point-of-Sale und bei In-App-Käufen langsamer als die Konkurrenz von Big Tech. Ich befürchte, dass das Unternehmen mittelfristig seine einstige Dominanz als bevorzugte „digitale Geldbörse“ verlieren wird.

Hinzu kommt, dass die „AI-first“-Strategie von PayPal noch keine nennenswerten Effizienzgewinne oder Umsatzsprünge generiert. Ein Sparpaket ist zwar schön und gut, hat aber immer den faden Beigeschmack, dass ein Unternehmen ansonsten keine Ideen mehr hat, Umsatz und Gewinn zu steigern.

An dieser Stelle: Du willst Unternehmen kennenlernen, die bereits heute KI-Gewinner sind? Dann wirf mal einen Blick in unseren kostenlosen Report KI-Gewinner 2026!

Für diese Anleger ist PayPal spannend

Lediglich für eine Gruppe von Anlegern könnte die PayPal-Aktie in meinen Augen von Interesse sein, und zwar für Dividendenjäger. Seit Ende vergangenen Jahres schüttet das Unternehmen einen Teil seiner Gewinne aus.

Die (hochgerechnete) Dividendenrendite liegt derzeit zwar noch bei mageren 1,2%. Aber PayPal ist trotz seiner Probleme ein extrem Cash-generatives Unternehmen und kann sich locker eine starke Anhebung seiner Dividende leisten. Über die kommenden Jahre dürfte sich darauf ein hübsches passives Einkommen ergeben.

Tipp zum Schluss: Wenn Du nach weiteren starken Dividenden-Aktien suchst, dann schau doch mal in unseren Top 10 Dividenden Picks 2026.

ℹ️ PayPal in Kürze

  • PayPal (WKN: A14R7U) betreibt den weltweit bekanntesten Online-Bezahldienst. Im letzten Quartal nutzten über 420 Millionen Verbraucher weltweit den Service für Online-Überweisungen und die Bezahlung von Rechnungen im Internet.
  • Das Unternehmen mit Sitz in San José im US-Bundestaat Kalifornien ist Teil des Nasdaq 100 und des S&P 500 Index.
  • PayPal ist aktuell an der Börse mit rund 42 Milliarden US$ bewertet.
Zugehörige Kategorien: Tech-Aktien